Derzeit ist es ruhig um die Osmanen – das kann sich aber wieder ändern. Foto: dpa

Führende Osmanen-Mitglieder wurden zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Aber auch nach den Urteilen und einem Verbot der Vereinigung haben die Ermittler zu tun – etwa mit flüchtigen Anhängern im Ausland.

Stuttgart - Wie geht es nach dem Verbot der türkischen Organisation Osmanen Germania BC und dem Prozess gegen ihre Anführer weiter? Die Experten beim Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart melden derzeit kaum Aktivitäten in der Szene. „Die Zahl der wahrnehmbaren Straftaten geht gegen null“, erklärt Martin Lang, Kriminaldirektor beim LKA. Die Verhaftungswellen im Jahr 2017 und der „niederschwellige Zugriff“ selbst bei kleinen Straftaten erzielten Wirkung.

Strobl: Strukturen der Osmanen zerschlagen

So wurden nach Angaben des Innenministeriums hundert Verfahren geführt und 31 Haftbefehle erlassen. Der Innenminister Thomas Strobl (CDU) begrüßt das Urteil im Osmanen-Prozess und sieht deren Strukturen zerschlagen: „Dies belegt unsere Null-Toleranz-Strategie gegen kriminelle Rocker und rockerähnliche Gruppierungen, die wir konsequent weiterverfolgen werden.“

„Die Szene ist nachhaltig verunsichert, auf beiden Seiten“, erklärt auch Ulrich Heffner, der Sprecher des Landeskriminalamts. Das gelte auch für die kurdischen Aktivisten, die früher in der der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) nahestehenden Organisation Red Legion und ab 2016 in der Gruppe Bahoz (Deutsch: Sturm) organisiert waren. Beiden Gruppen gingen Ermittler gleichzeitig nach. „Grenzüberschreitende Exekutivmaßnahmen“ nennen das Kriminalisten. Inzwischen ist zwar die Ermittlungsgruppe „Meteor“ beim LKA aufgelöst, kann aber schnell wieder innerhalb der Abteilung zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität reaktiviert werden.

Der Gruppierung fehlt der Nachwuchs

Die LKA-Spezialisten gehen derzeit nicht davon aus, dass die ehemaligen Osmanen-Aktivisten sich im Untergrund oder über das Ausland reorganisieren. „Wir behalten das im Blick, aber es gibt keine Hinweise darauf“, sagt Martin Lang. Seiner Beobachtung nach fehle es den Anhängern des ehemaligen Osmanen-Chefs Mehmet Bagci an Unterbau: „Führende Köpfe sind in Haft. Und es gibt nicht genügend Kräfte, die nachrücken können.“

Ein Großteil der ehemaligen Anhänger sei zudem nicht so ideologisch gefestigt wie die Anführer: „Bei den jüngeren Mitgliedern ging es eher um Zusammengehörigkeit, Anerkennung, Gewalt war für viele eine Art Mutprobe.“ Der hohe Verfolgungsdruck und die Aussicht auf lange Haftstrafen hätten wohl manche abgeschreckt, die sich eine bürgerliche Existenz oder eine Familie aufbauen wollten.

Warum die Osmanen wieder aufleben könnten

Völlig ausschließen können die Landespolizisten trotzdem nicht, dass die ehemaligen Osmanen-Anhänger sich neu formieren. Lang: „Rockerähnliche Gruppierungen dürften dabei aber nicht mehr das Mittel der Wahl sein.“ Dies war auch die Erkenntnis eines Treffens von LKA-Experten Ende 2018 im Bundesinnenministerium. „Die Szene ist ruhig“, erklärt Martin Lang. Die zentralistische Struktur der Osmanen, die in Baden-Württemberg sechs Ortsgruppen („Chapter“) und 60 Anhänger hatten, zeige zwar die Schlagkraft, aber auch die Anfälligkeit dieser Struktur: Eine Verbotsverfügung aus Berlin reichte, um alle Chapter aufzulösen. Einzige Ausnahme sind die Osmanen Frankfurt: Sie sind als eigenständiger Club von dem Verbot nicht erfasst.

Arbeit gibt es für die Ermittler in Stuttgart jedoch weiterhin genug. „Wir haben ein wachsames Auge auf die noch flüchtigen ehemaligen Osmanen-Anhänger, sich die im Ausland aufhalten“, erklärt der LKA-Sprecher Ulrich Heffner.

Auch äußere Einflüsse können eine Rolle spielen und die ruhige Lage wieder kippen. Etwa, wenn der Konflikt zwischen Türken und Kurden in deren Heimat wieder eskalieren sollte.

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