Spektakulär, aber eher selten: Seit 2015 wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen in vier Fällen Bankautomaten gesprengt – der jüngste Fall in Echterdingen mit eingerechnet. Foto: Symbolbild: dpa/Axel Vogel

Immer wieder kommt es vor, dass Täter ganze Bankautomaten rauben wie jüngst in Leinfelden-Echterdingen. Sie gehen dabei alles andere als zimperlich vor – und bei der Flucht danach auch nicht. Wen vermutet die Polizei dahinter?

Leinfelden-Echterdingen - Mitten in Echterdingen ist in der Nacht zum 8. Januar der Geldautomat in der Commerzbank-Filiale aus der Wand gesprengt worden. Anwohner seien aufgrund eines lauten Knalls darauf aufmerksam geworden und hätten den Notruf gewählt, teilte die Polizei mit. Trotz sofortiger Fahndung – unter anderem mit Hubschrauber – sind die Täter entkommen. Am Boden der Bankfiliale fanden die Beamten Geldscheine.

Was bedeutet der Vorfall für Kunden der Commerzbank in Echterdingen?

Die Commerzbank-Filiale an der Echterdinger Hauptstraße bleibe bis auf Weiteres geschlossen, teilt eine Sprecherin der Bank mit. Mutmaßlich werde die Filiale erst wieder nach „mehreren Wochen“ geöffnet. Kunden könnten ihre Bankberater jedoch unter den gewohnten Telefonnummern und E-Mail-Adressen erreichen. Wer lieber persönlich in einer Filiale mit einem Berater sprechen will, der hat laut der Commerzbank-Sprecherin beispielsweise in Filderstadt-Bernhausen an der Nürtinger Straße die Möglichkeit dazu. Sie hat die Telefonnummer 0711/8 70 37 10. Zudem verweist die Sprecherin darauf, dass Kunden der Commerzbank kostenlos bei der Postbank, der Deutschen Bank sowie an der Supermarktkasse in Rewe-Filialen Geld abheben könnten.

Sind Sprengungen von Bankomaten Ausnahmefälle?

Gemessen an den Zahlen für das Gebiet, für welches das Polizeipräsidium Reutlingen zuständig ist, halten sich Automatensprengungen wie jüngst in Echterdingen in Grenzen. Seit dem Jahr 2015 habe es insgesamt vier solcher Vorfälle gegeben, teilt der Polizei-Sprecher Martin Raff mit. Und da ist der Fall in Echterdingen vom 8. Januar bereits eingerechnet. Automaten gesprengt wurden in den vergangenen fünf Jahren demnach zudem im Dezember 2017 in Oberaichen, im Mai 2019 in Tübingen und im November 2018 in Schlaitdorf.

Wer steckt laut Polizei hinter solchen Sprengungen?

Bei Sprengungen von Bankautomaten handele es sich laut dem Polizei-Sprecher Raff um ein „bundesweites Phänomen“. Die Behörden würden sich regelmäßig zu dem Thema austauschen. Und die aus den Gesprächen gewonnenen Erkenntnisse würden nahelegen, dass es sich in aller Regel um organisierte Banden handele. Laut Raff gebe es „mehrere Tätergruppierungen“, die sich auf die Sprengung von Geldautomaten spezialisiert hätten. „So ist bekannt, dass einige Bandenmitglieder aus den Niederlanden agieren“, sagt der Polizei-Sprecher.

Für die Flucht würden die Täter „hoch motorisierte, also schnelle Fahrzeuge“ benutzen, und sie würden auch kein Risiko scheuen, „um die bedingungslose Flucht fortzuführen“, erläutert Raff. Das heißt: Notfalls würden sie auch in Kauf nehmen, dass dabei andere Verkehrsteilnehmer gefährdet oder gar geschädigt würden. Darüber hinaus sei der Polizei bekannt, dass es eine „polnische Tätergruppierung“ gebe. „Nicht zu unterschätzen sind auch Trittbrettfahrer, also Nachahmer, die sich verleiten lassen, um an das schnelle Geld zu kommen.“

Wie können sich Banken vor Automatensprengern schützen?

Von den Banken ist dazu wenig bis nichts zu erfahren. „Wir treffen entsprechende bauliche und technische Vorkehrungen, um uns bestmöglich zu schützen“, teilt ein Sprecher der Landesbank Baden-Württemberg mit. „Gegen kriminelle Energie ist jedoch kein hundertprozentiger Schutz möglich.“ Die Commerzbank-Sprecherin sagt: „Um unsere Geldautomaten zu schützen und Angriffe abzuwehren, haben wir zusätzliche Sicherungsmaßnahmen in unseren Filialen durchgeführt. Auch bei jedem Umbau wird die Sicherheit einer Filiale nochmals verstärkt.“

Wie Prävention aussehen könnte, geht derweil aus der Auskunft der Polizei hervor. So könne man die Automaten mit einem Gasschutz ausstatten, der die von den Tätern eingeleiteten Gas-Sauerstoff-Gemische neutralisiere, so Raff. Oder: Automaten nicht frei zugänglich – beispielsweise in Einkaufszentren oder Baumärkten – aufzustellen und den Bargeldbestand in Automaten reduzieren. Wie viel Geld in den Automaten liege, sagen die Banken erwartungsgemäß nicht. Deshalb bleibt auch unklar, wie hoch der Schaden ist, den die Sprenger in Echterdingen angerichtet haben.

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