Helfer suchen in den Trümmern in Amatrice nach Überlebenden. Foto: Getty Images Europe

Schnell und unbürokratisch will Regierungschef Renzi den vom schweren Erdbeben betroffenen Bürgern unter die Arme greifen. In einem ersten Schritt sollen 50 Millionen Euro an Nothilfe fließen.

Amatrice - Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hat den vom folgenschweren Erdbeben heimgesuchten Gemeinden seines Landes schnelle Hilfe beim Wiederaufbau versprochen. Am Donnerstag billigte er ein vorläufiges Notfall-Hilfspaket im Umfang von 50 Millionen Euro. Die Bewohner der Unglücksregion würden außerdem von der Steuer befreit, kündigte Renzi an.

Beobachter werteten dies indes nur als Anfang einer langen und kostspieligen Wiederaufbaukampagne. Denn das Ausmaß der Schäden ist immens: Die Dörfer Amatrice und Accumoli in Latium und Pescara del Tronto in den Marken hat das Erdbeben vom frühen Mittwochmorgen praktisch eingeebnet. Bis Donnerstagabend wurden mindestens 250 Leichen aus den Trümmern geborgen. Mindestens 365 Menschen wurden laut Zivilschutz verletzt.

So schildert unsere Korrespondentin die Stunden nach dem Erdbeben.

Rettungsmannschaften mit Spürhunden setzten ihre Suche nach Überlebenden mit Hochdruck fort, auch wenn mehr als 470 Nachbeben ihre Arbeit erschwerten. Rund um die am härtesten getroffenen Gegenden hievten die Teams Zementbrocken, Geröll und Metall von Trümmerhügeln, an deren Stelle einmal Häuser standen. „Wir arbeiten unermüdlich weiter, bis die letzte Person gefunden ist, und stellen sicher, dass niemand mehr verschüttet ist“, sagte der Sprecher der Rettungskräfte, Lorenzo Botti. In Pescara del Trento gelang es Feuerwehrleuten unter dem Jubel der Umstehenden, ein zehnjähriges Mädchen lebend aus den Trümmern ziehen. Das war 17 Stunden nach dem Beben.

Hilfseinsatz wurde gelobt

Noch am Abend gab es aber keinen richtigen Überblick, wie viele Menschen in der bei Sommerurlaubern beliebten Region waren - in der Ferienzeit kommen viele Hauptstädter mit ihren Familien in die Berge gut 140 Kilometer nordöstlich von Rom. Die Regierungen in Madrid und Bukarest meldeten, ein Spanier und fünf Rumänen seien in dem Erdbeben umgekommen.

Der Hilfseinsatz für die Erdbebenopfer wurde allgemein gelobt, auch von Regierungschef Renzi. „Wir sind die Besten der Welt im Umgang mit Notfällen“, erklärte er mit Blick auf die vielen freiwilligen Helfer. Allerdings begann eine Diskussion über die Einhaltung von Bauvorschriften in dem Land, das der größten Gefährdung durch Erdbeben ausgesetzt ist, die es in Westeuropa gibt.

Renzi stellte die Initiative mit dem Titel „Italienische Häuser“ vor, um der anhaltenden Kritik an den Baustandards entgegenzutreten. Die jüngste Vorschläge, wonach in Italien erdbebensichere Häuser gebaut werden könnten, nannte Renzi indes absurd. Es sei illusorisch zu denken, dass man alles kontrollieren könne, sagte er auf einer Pressekonferenz. Man könne sich nur schwerlich vorstellen, dass die Erdbeben-Tragödie und die Verwüstung hätten verhindert werden können, indem man „einfach eine andere Bautechnologie verwendet“, sagte er. „Wir reden über Ortschaften aus der Zeit des Mittelalters.“

Standards werden selbst bei Neubauten nicht angewandt

Tatsächlich müssen sich italienische Gemeinden mit alten Häusern zwar nicht an die Vorschriften zum Bau erdbebensicherer Gebäude halten. Doch werden diese Standards häufig selbst bei Neubauten nicht angewandt.

Staatsanwälte nahmen italienischen Medienberichten zufolge Ermittlungen wegen des Einsturzes der erst 2012 renovierten Schule Romolo Capranica auf. Sie war mit Mitteln aus einem Fonds instandgesetzt worden, der nach der Erdbebenkatastrophe von L’Aquila vor sieben Jahren geschaffen wurde. Damals kamen mehr als 300 Menschen um.

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