Nahezu 30 Jahre lang trat Patrick Bopp unter dem Künstlernamen Memphis mit der beliebten A-cappella-Band Füenf auf, vor Kurzem trennte sich die Gruppe. Und jetzt? Der Steinenbronner im Gespräch.
Die Müdigkeit steht Patrick Bopp an diesem Vormittag ins Gesicht geschrieben, daran ändert auch der große Becher Kaffee wenig. Das allein wäre nicht so schlimm, aber die Stimme hat am Vorabend bei einem Mitsing-Konzert vor 1000 Menschen etwas gelitten, und das ist für einen Profimusiker natürlich schon ein Problem. Die Stimme, sie ist Patrick Bopps Kapital. Der Bariton ist als Mitglied der A-cappella-Gruppe Füenf bekannt geworden. Nahezu 30 Jahre lang füllte die Band mit ihrer Mischung aus Gesang und Comedy unzählige Hallen und räumte unter anderem den Kleinkunstpreis des Landes ab. Größter Hit der Combo: die Schwabenhymne „Mir im Süden“.
Ende September fanden die allerletzten Konzerte der Füenf statt, danach hat sich die Band aufgelöst. Patrick Bopp hat den Künstlernamen Memphis abgelegt. Er ist jetzt quasi nur noch ein Füenftel. „29 Jahre sind eine lange Zeit“, sagt er, doch merkt man dem 53-Jährigen an, dass er hinter der Entscheidung steht. „Man verändert sich auch, man wird älter“, sagt er. Durch das Aus habe er nun mehr Zeit, vor allem am Wochenende. „Ich habe bei so vielen Sachen gefehlt“, fügt er hinzu und blickt sich im Haus um. Das Eigenheim der Familie, ein Bullerbü-Haus am grünen Ortsrand von Steinenbronn, ist voller Leben. Die zwei Kinder, vier und neun Jahre alt, toben zwischen allerhand Spielzeug mit der Familienhündin und zwei Welpen herum. Im Garten, zwischen Blumen und Bäumen, deren Blätter sich herbstlich verfärben, hat der Papa sein kleines Reich. In einem Nebengebäude, einer ehemaligen Garage, kann er ungestört musizieren.
Beglückende Momente
Musik hat Patrick Bopp bereits lange vor den Füenf gemacht und die wird er auch noch lang danach machen. Studiert hat er an der Musikhochschule in Stuttgart Klavier sowie Chor- und Orchesterleitung. Seit den 90er Jahren dirigiert er den Liederkranz in Steinenbronn und dessen junges Ensemble Seven Eleven 44.
Zahlreichen Gruppierungen, Produktionen und Projekten hat er in der Vergangenheit als Leiter oder Initiator seinen musikalischen Stempel aufgedrückt, unter anderem dem Chor der Vesperkirche in Stuttgart oder dem großen Stuttgarter Weihnachtssingen im Gazi-Stadion der Kickers, bei dem im vergangenen Jahr stolze 7000 Menschen live mitgeträllert haben. Patrick Bopp erfüllen solche Momente mit Freude. Wenn aus einzelnen Personen plötzlich eine Gemeinschaft wird, wenn er merkt, dass die Leute sich wohlfühlen, sich öffnen und zu Hunderten wie aus einer Kehle „One Moment in Time“ singen. „Das ist beglückend.“
Patrick Bopp ist Chorleiter durch und durch. Sein Mitsing-Programm „Aus voller Kehle für die Seele“ führt er regelmäßig auf, in Stuttgart, Sindelfingen, Göppingen oder Ulm. Mit Menschen zu arbeiten sei seine Leidenschaft. „Wenn der menschliche Aspekt und die Musik verschmelzen, das ist etwas Schönes“, sagt er. Und gerade mit Laien sei die Arbeit besonders spannend, denn da sei eine Offenheit und Direktheit da. Besonders ans Herz gewachsen sind Patrick Bopp aber die Liederkranz-Chöre in seinem Heimatort, „da ist eine gute Dynamik drin“.
Ein ganz normaler Familienvater
Und überhaupt Steinenbronn. Vor sieben Jahren ist die Familie zurück in die Gemeinde gezogen – in Patrick Bopps einstiges Elternhaus. „Es hat mir gutgetan, hier aufzuwachsen“, sagt er über den 6500-Einwohner-Ort inmitten von Wäldern und Feldern, das wolle er auch seinen Kindern angedeihen lassen.
Patrick Bopp sitzt am Esstisch und blinzelt durchs geöffnete Fenster in die Sonne. Sportjacke, Jeans, Socken. Kein Bühnenstar, sondern ein ganz normaler Familienvater. Dass es die Füenf nicht mehr gibt, daran muss er sich noch etwas gewöhnen, wie er sagt. Das gehe auch den anderen vier so. Rückblickend ist Patrick Bopp der Gruppe und den Türen, die sie aufgestoßen hat, dankbar. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man so viele Jahre von der Musik leben kann.“ Langweilig wird es ihm aber auch so nicht werden. Der Kalender ist voll mit Konzerten, Schifffahrten, auf denen er mit Band auftritt, Proben, Privatbuchungen. „Ich hab’ Ideen oder werde gefragt“, sagt er. Neues? Keinesfalls ausgeschlossen. „Ich glaube, wenn man aufmacht und bereit ist, passieren die Dinge.“
Termine voller Lust am Gesang
Steinenbronn
Der Liederkranz Steinenbronn und der junge Chor Seven Eleven 44 geben am zweiten Advent, 8. Dezember, ein Konzert in der katholischen Kirche im Ort. Gemeinsam mit einem Orchester und Projektsängern wird unter anderem das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns aufgeführt.
Region
Patrick Bopp wird in diesem Jahr noch mehrfach auftreten. Mit „Aus voller Kehle für die Seele“ wird er unter anderem am 12. November im Kulturhaus Schwanen in Waiblingen, am 19. November in der Rosenau in Stuttgart oder am 26. November im Tübinger Sudhaus zu Gast sein, ebenso beim sechsten Stuttgarter Weihnachtssingen im Gazi-Stadion in Stuttgart-Degerloch am 22. Dezember. Weihnachtliches zum Mitsingen wird er auch am 16. Dezember im Pavillon in Sindelfingen, am 17. Dezember in der Johanneskirche am Stuttgarter Feuersee oder am 20. Dezember in St. Bonifatius in Renningen zum Besten geben. Mehr Infos: www.patrickbopp.de.