Der britische Premierminister Sir Keir Starmer und die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, begrüßen sich. Foto: Leon Neal/dpa

Der Gipfel zwischen Großbritannien und der EU ist kein großer Wurf, aber ein Schritt in die richtige Richtung, meint unser Korrespondent Knut Krohn.

Es ist ein Erfolg, dass dieser Gipfel überhaupt stattfindet. Das sagt sehr viel über den kläglichen Zustand der Beziehungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union aus. Die bewegen sich auch Jahre nach dem Brexit noch immer knapp über dem Nullpunkt. Geschuldet ist dieses Siechtum vor allem dem politischen Chaos in London.

 

Britische Gesellschaft tief gespalten

Mit dem neuen, pragmatischen Premier Keir Starmer scheint nun endlich eine Normalisierung der Beziehungen möglich. Doch auch er bewegt sich auf dünnem Eis. Die jüngsten Erfolge des rechtsnationalen Populisten Nigel Farage sind eine deutliche Warnung an ihn, dass die Spaltung der britischen Gesellschaft weiter sehr tief ist. Aus diesem Grund waren die Erwartungen an das Treffen in London von Anfang an eher gering.

Den wichtigsten Schritt haben beide Seiten aber bei einem Thema gemacht, das anfangs hinten auf der Verhandlungsliste stand. London und Brüssel arbeiten an einem neuen Sicherheitspakt. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine und dem Amtsantritt des notorisch unzuverlässigen US-Präsidenten Donald Trump sind Großbritannien und die EU in diesem Bereich stärker als je zuvor aufeinander angewiesen. Vor allem im Fall der Unterstützung für die Ukraine kann die EU sehr viel vom pragmatischen und robusteren Vorgehen der Briten profitieren. Der Brexit-Schock scheint also überwunden und inzwischen gewinnt auf beiden Seiten der Realismus die Oberhand.