Vor drei Monaten kam das Ende für den insolventen Traditionsbetrieb Allgaier Automotive in Uhingen. Nun läuft die Vermarktung eines der größten Industrieareale der Region.
Alles Hoffen und Bangen war vergebens: Zum Ende vergangenen Jahres war endgültig Schluss, der Betrieb bei Allgaier Automotive wurde zum 31. Dezember 2025 eingestellt. „Mittlerweile hat der Insolvenzverwalter das Inventar und die Maschinen veräußert“, teilt ein Sprecher der beauftragten Kanzlei Pluta mit. Die Allgaier-Mitarbeiter sind in eine Transfergesellschaft gewechselt.
In den kommenden Monaten konzentriere sich das Pluta-Team auf die Verwertung der Immobilie. „Das Firmengelände wird veräußert“, sagt der Sprecher. Der Pluta-Rechtsanwalt Fritz Zanker, der Insolvenzverwalter der Allgaier Werke GmbH, beauftragte die Fachpartner Gewerbe-Immobilien GmbH (fgi) mit der Vermarktung des Unternehmensareals. Das rund 120.000 Quadratmeter große Grundstück mit etwa 85.000 Quadratmetern Gebäudeflächen zählt zu den größten Industriearealen der Region. „Die Vermarktung wird dabei in enger Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter und der Stadtverwaltung erfolgen“, fügt der Sprecher hinzu. Hierzu fanden bereits Gespräche mit Interessenten statt.
Aktuell werden Gespräche mit mehreren Interessenten geführt
Sebastian Fercho, Geschäftsführer der fgi, bestätigt dies: „Es ist zutreffend, dass wir mit der Vermarktung qualifiziert alleinbeauftragt sind. Aktuell führen wir Gespräche mit mehreren Interessenten – sowohl für das Gesamtareal als auch für Teilflächen und mögliche Entwicklungsansätze.“ Weiter will sich Fercho nicht aus dem Fenster lehnen: „Wir bitten um Verständnis, dass wir zum derzeitigen Zeitpunkt keine Auskünfte zum konkreten Vermarktungsstand und zu konkreten Interessenslagen geben können.“ Die Gerüchteküche in Uhingen und auch unter ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens kocht indes, verschiedene Namen von potenziellen und wieder abgesprungenen Interessenten sind im Umlauf.
„Die Vermarktung der Firma Allgaier ist keine öffentliche oder kommunale Angelegenheit, da es sich ausschließlich um Privateigentum handelt“, ergänzt der Uhinger Bürgermeister Matthias Wittlinger. Dennoch werde die Stadtverwaltung sowohl vom Insolvenzverwalter als auch den weiteren Verfahrensbeteiligten auf freiwilliger Basis in den Vermarktungsprozess eingebunden, „da es das erklärte Ziel von allen Beteiligten ist, eine gute und tragfähige Lösung zu finden“, sagt der Rathauschef. Über die Verhandlungen und den jeweiligen Stand der Dinge sei von allen Beteiligten Verschwiegenheit zu wahren. Darüber hinaus nähmen die Stadt Uhingen und der Gemeinderat – soweit möglich – über das Planungsrecht Einfluss.
Mitarbeiter stellten sich gedanklich auf das Ende ein
Viele Beschäftigte hatten sich lange an den letzten Strohhalm geklammert und gehofft, dass es für Allgaier Automotive irgendwie weitergeht. Doch kurz vor Weihnachten 2024 hatte sich die Hoffnung auf einen Investor endgültig zerschlagen, nachdem ein potenzieller Interessent abgesprungen war. Die Verhandlungen von Interessenausgleich und Sozialplan begannen zeitnah, die Mitarbeiter stellten sich gedanklich darauf ein, dass die Tage von Allgaier Automotive gezählt sind.
Im Februar 2025 herrschte dann Gewissheit, dass die Rettung des insolventen Uhinger Unternehmens gescheitert ist: Die Zeichen standen seitdem auf Abwicklung. Damit gingen in dem einstigen Flaggschiff des Filstals, dem Lebenswerk des früheren Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt, für immer die Lichter aus. Die Endzeitstimmung machte den Beschäftigten vor allem in den letzten Wochen zu schaffen und das endgültige Aus des Traditionsbetriebs war für die Belegschaft mit vielen Emotionen verbunden.
Nach langen Verhandlungen stand eine Transfergesellschaft, die den Beschäftigten einerseits bis Mitte 2026 finanzielle Sicherheit gibt und andererseits in diesen sechs Monaten die verbliebenen rund 600 Mitarbeiter weiterqualifizieren beziehungsweise in neue Jobs vermitteln soll. Bis auf 30 Beschäftigte hätten sich alle dafür entschieden, in dieser Gesellschaft weiterzumachen. „Wir haben Zeit gewonnen und jetzt Ruhe in der Belegschaft“, zog seinerzeit der Sanierer Michael Pluta das Positive aus der Situation. Alle Autobauer trügen den Schritt in die Transfergesellschaft mit („Das ist eher selten“), auch der Sozialplan werde dadurch mitfinanziert: „Die Insolvenzmasse gibt das nicht her.“
Langes Hoffen und Bangen
Rückblick
Die Uhinger Firma Allgaier war im Juli 2022 mehrheitlich von der chinesischen Westron Group übernommen worden. Knapp ein Jahr nach dem Einstieg meldete der neue Eigentümer Insolvenz an und hatte anschließend erneut seinen Hut in den Ring geworfen.
Niedergang
Belegschaft, Insolvenzverwalter und Betriebsrat hofften lange, dass es mit einem Investor klappt. Doch als im Herbst 2024 der potenzielle Interessent Aequita, ein Kapitalgeber aus München, absprang, war das Ende besiegelt.