Eigentlich war die Idee vom Tisch, dass aus dem Theater im Leonberger Spitalhof eine Schulmensa wird. Der Beschluss: ein Neubau. Nun will die Stadt aber ganz neue Ideen präsentieren.
Die Stadt Leonberg will die Mensafrage für die Spitalschule neu denken. „Der Gemeinderatsbeschluss für den Neubau auf der ‚Zwergenburg’ ist noch immer aktuell und gültig“, teilt die Stadtverwaltung in Person von Pressesprecherin Leila Fendrich auf Anfrage mit. Aber: Im neuen Jahr werde die Verwaltung noch einmal eine Vorlage mit neuen Varianten einbringen, um dann erneut abzustimmen.
Hintergrund ist ein Antrag der SPD zum aktuellen Haushalt. „Wir plädieren dafür, unter anderem aus Kostengründen anstelle des mehrheitlich beschlossenen Neubaus den Umbau des Theater- und des Musiksaals umzusetzen“, heißt es darin im Wortlaut. Für die vergleichsweise wenigen Nutzer der Theaterräumlichkeiten seien alternative Standorte – Stadthalle, Steinturnhalle, Foyers diverser Schulen et cetera – zu eruieren. Für die schulischen Abläufe sei eine Mensa im Gebäude ohnehin vorteilhafter, die Freiflächen stünden weiter vollständig zur Verfügung.
Mensa statt Theatersaal? Ursprünglich zwei Varianten zur Auswahl
Zwei Varianten standen im Oktober 2023, als der Gemeinderat abstimmte, zur Auswahl: Zum einen ein Neubau auf dem Areal des ehemaligen Kindergartens Zwergenburg nordöstlich der Bestandsgebäude. Damals geschätzte Kosten: 9,8 Millionen Euro brutto. Oder ein Umbau des Theatersaals in der Spitalschule zum Speisesaal und den Musiksaal zur Küche. Kostenschätzung: rund 1,5 Millionen Euro brutto.
Die Kosten für den Neubau vermutet die SPD inzwischen bei etwa 12 Millionen Euro, jene für den Umbau bei etwa 2,5 Millionen Euro. Eine Aufhebung des aktuell gültigen Beschlusses spare vollständig durch Kreditaufnahme finanzierte Investitionen von rund zehn Millionen Euro plus Zinsaufwendungen, so die Rechnung der Sozialdemokraten.
Einstimmig einigte sich der Sozial- und Kultusausschuss des Gemeinderats in seiner letzten Sitzung des Jahres nun auf einen Sperrvermerk. Konkret ging es beim SPD-Antrag zunächst um 16 000 Euro, die im Theater im Spitalhof unter anderem für den Erwerb einer Spülmaschine sowie Ausstattungen der Künstlerumkleiden vorgesehen waren.
Welche Konsequenzen hat ein Sperrvermerk?
Ein Sperrvermerk bedeutet: Die Mittel werden zwar in den Haushalt aufgenommen, es darf aber erst mal nicht über sie verfügt werden. „Es benötigt einen Beschluss des gesamten Gemeinderates für die Aufhebung des Sperrvermerks“, fügt Leila Fendrich hinzu. 100 000 Euro sind derweil im Ergebnishaushalt für einen Wettbewerb für den Neubau auf dem Zwergenburg-Areal eingestellt.
Eigentlich schien die Sache ja auch klar zu sein: Neben die Leonberger Spitalschule soll eine Mensa neu gebaut werden, die zudem Betreuungsräume beinhaltet. Damit sollen die Voraussetzungen für die geplante Umwandlung in eine offene Ganztagsschule geschaffen werden. Denn ab dem Schuljahr 2026/2027 wird stufenweise der Anspruch auf Ganztagsbetreuung Realität, es braucht also Platz für Schülerinnen und Schüler. Besuchten im Schuljahr 2022/2023 noch 278 Kinder die Spitalschule, werden etwa für das Schuljahr 2028/2029 schon 390 erwartet.
Theatersaal im Spitalhof: Sichtweisen der städtischen Ämter unterscheiden sich
Nur: wohin mit der notwendigen Mensa? Das Amt für Jugend, Familie und Schule könnte sich laut einer Stellungnahme beide ursprünglichen Varianten vorstellen. „Sofern die benötigten Raumprogramme abgebildet werden können und die Umsetzung mittelfristig realisierbar wäre“, heißt es. Zu berücksichtigen sei dabei noch die zukünftig geplante Ganztagsform – offen oder gebunden.
Ganz anderer Meinung ist allerdings das Amt für Kultur und Sport. In der Stellungnahme wird der Theatersaal als „lebendige Kulturstätte und Heimat von mehreren Theatergruppen und Ensembles der Jugendmusikschule“ bezeichnet, und das seit fast 50 Jahren. Er sei professionell ausgestattet und verfüge über eine ausgezeichnete Akustik. Gepaart mit weiteren Aspekten wie der Bühnengröße und der ansteigenden Zuschauerplätze biete er „ideale Bedingungen für Theater, Konzerte und Kleinkunst“.
Der Theatersaal im Spitalhof – „ein Ort der Begegnung“
Der Saal sei weit mehr als ein Raum – „er ist ein Ort der Begegnung, des Miteinanders, des Lernens und der kulturellen Identität dieser Stadt“. Und weiter: „Wenn die kulturelle Vielfalt und das wertvolle bürgerschaftliche Wirken erhalten bleiben sollen, so ist es unabdingbar, den Theatersaal in seiner bestehenden Form zu bewahren.“
Wie die neuen Varianten aussehen werden, die die Stadtverwaltung im kommenden Jahr zur Abstimmung vorlegen möchte, ist noch unklar – ebenso, wann genau das Thema erneut den Weg in die Ausschüsse und schließlich in den Gemeinderat finden soll.