Die Mannheimer haben sich für einen Abbruch der Drittliga eingesetzt. Foto: imago images/foto2press/Oliver Zimmermann

Beim SV Waldhof Mannheim gab es einen Corona-Todesfall im direkten Umfeld eines Spielers, auch deswegen fordert der Drittligist den Abbruch der Saison. Am Montag wird weiter diskutiert.

Mannheim - Mit der emotionalen Offenlegung einer persönlichen Tragödie wollte Waldhof Mannheims Geschäftsführer den letzten Zweiflern die Augen öffnen. Markus Kompp schrieb eine E-Mail an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die weiteren 19 Drittligisten, die die am Montagnachmittag stattfindende Diskussion um die Zukunft der niedrigsten deutschen Profiliga maßgeblich beeinflussen dürfte.

„Nach Rücksprache mit unserem Spieler sehen wir uns hiermit jedoch nun in der Pflicht, alle Vereine und den DFB offiziell darüber zu informieren, dass wir am 30.03.2020 einen Corona-Todesfall im unmittelbaren Umfeld eines Spielers des SV Waldhof Mannheim hatten“, heißt es in der Mail, die die „Rheinpfalz“ am Samstag in Auszügen veröffentlichte. Dabei soll es sich um den Vater eines namentlich nicht genannten Profis handeln. Der Todesfall sei „der entscheidende Grund“ dafür, dass Mannheim seit langem für einen Abbruch der Saison plädiere. Ursprünglich sollte der Todesfall nicht publik werden, die Diskussionen der vergangenen Tage sorgten aber für ein Umdenken.

Finanzspritze der DFL

Bereits zuvor hatten sich die Mannheimer für einen Abbruch eingesetzt. Insgesamt acht Drittligisten hatten ein Positionspapier verfasst, in dem der Saisonabbruch gefordert wird. Der DFB verfolgt jedoch weiterhin Pläne, die Saison in der 3. Liga, analog zu den Bundesligen, mit Geisterspielen zu beenden.

Mittlerweile sollen mehr als die ursprünglich acht Vereine für einen Abbruch der Saison sein. Doch die ganze Zerrissenheit der Liga zeigte sich wiederum an einigen Reaktionen, die Kompp auf seine Mail erhielt. „Leider muss ich mir jetzt schon den Vorwurf gefallen lassen, den Todesfall sportpolitisch zu nutzen – dabei habe ich einen Monat meine Klappe gehalten. Das ist an Frechheit nicht mehr zu überbieten“, sagte der Manager der „Bild“.

Weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass es bei Geisterspielen zu weiteren Infektionen und möglicherweise zu Todesfällen kommen kann, wehren sich die Waldhöfer gegen die Fortsetzung der Saison. Diesen Aspekt griff auch Magdeburgs Geschäftsführer Mario Kallnik auf. „Ganz zu schweigen von der großen Gefahr, dass sich Mitarbeiter bei der Fortsetzung des Spielbetriebs infizieren können. Wir haben als Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht für unsere Arbeitnehmer“, sagte Kallnik der „Magdeburger Volksstimme“.

Diskussionen am Montag

Für weiteren Zündstoff dürfte die Finanzspritze der DFL sorgen, die laut dessen Geschäftsführer Christian Seifert bedingungslos gezahlt werden soll. Immerhin 300 000 Euro pro Club. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll die Summe allerdings unter anderem für Corona-Tests verwendet werden. So heißt es in einem internen Papier des DFB an die Clubs. Details sollen noch folgen.

Diese werden sicherlich am Montag diskutiert. Der DFB will die Saison fortsetzen, könnte dies im Präsidium oder Vorstand im Alleingang entscheiden. Eine Abstimmung würde lediglich einem Meinungsbild dienen. Da würde es keine Rolle spielen, dass mittlerweile womöglich eine Mehrheit für den Abbruch der Saison stimmen könnte. Sieben Clubs waren bisher für eine Fortsetzung mit Geisterspielen.

Ein Abbruch kann allerdings ausschließlich durch einen Außerordentlichen Bundestag des DFB beschlossen werden. Der Weg dafür ist bereits geebnet. Sollte es zu einem Abbruch kommen, müsste dann auch über die Wertung der Saison diskutiert werden.

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