Mit dem Bus der Linie 653A fahren auch viele Kinder und Jugendliche zum Gymnasium Rutesheim. Foto: Jürgen Bach

Nach dem Betreiberwechsel im Oktober herrschte zum Teil Chaos auf den ehemaligen Seitter-Linien. Inzwischen hat sich die Lage deutlich entspannt.

Um die Buslinien zwischen dem Enzkreis und Leonberg, die einst von der Firma Seitter bedient wurden, hat sich die Lage inzwischen etwas entspannt. Klar herrscht weiterhin Ausnahmesituation: Der Fahrplan ist noch reduziert, die Busse sind stets proppenvoll. Aber die Unruhe, die sich direkt nach dem Betreiberwechsel breitgemacht hatte, hat sich gelegt.

 

Wie es im neuen Jahr weitergeht und welcher Anbieter die Linien dann übernimmt, das wird erst im Laufe des Monats Dezember öffentlich gemacht. Die Gremienbeschlüsse der Kreistage im Enzkreis und Kreis Böblingen liegen vor. Die Busbeauftragte des Gymnasiums Rutesheim, Regina Siedentopf, appelliert derweil an die Eltern und Schüler, etwas mehr Verständnis zu entwickeln. Auch die Landkreise, die die Unternehmen beauftragen, sieht sie in der Pflicht.

Wichtige Verbindung zu Schulen

Konkret geht es um die Linien 652, 653(a), 655 und 765. Seit Sommer 2023 kam es immer wieder zu Problemen und Ausfällen, der Busfahrplan wurde mehrfach reduziert. Das rief vor allem viele Eltern auf den Plan, denn die Linien bilden eine wichtige Verbindung zwischen dem Enzkreis, Rutesheim und Leonberg zu den dortigen Schulen. Im September musste das Friolzheimer Unternehmen Seitter Insolvenz anmelden. Letztlich wurden die Linien in einer Notvergabe den Unternehmen Klingel und Eberhardt zugeteilt, die sie seit Oktober bedienen. Die Notvergabe endet zum 31. Dezember.

„Die Rückmeldungen und Beschwerden waren in den ersten zwei Wochen verstärkt. Seitdem haben sie wieder nachgelassen“, berichtet Regina Siedentopf. Bei ihr laufen viele Anmerkungen von Eltern und Schülern zusammen, die mit dem Busverkehr in Zusammenhang stehen. „Natürlich gab es am Anfang mit den neuen Busunternehmen viele Probleme, die Firma Seitter hat jahrelang die Strecke betreut und kannte die Wege und Besonderheiten.“ Die neuen Fahrer hätten die Wege teilweise gar nicht gekannt. Inzwischen hat sich die Situation normalisiert – in dem Sinne, dass nun zumindest grundsätzlich halbstündlich ein Linienbus fährt, was mit der Firma Seitter zuletzt nicht mehr gegeben war. Auch beim Landkreis gehen seit den ersten Wochen immer weniger Beschwerden ein, die Lage sei stabil.

Busfahrermangel ist überall ein Problem

„Für uns hat es sich auch positiv entwickelt“, sagt Andreas Klingel, Geschäftsführer der Busfirma Klingel. Gleichwohl sei die Situation auch für sie nicht einfach, insgesamt gibt es viel zu wenige Busfahrer. Die Notvergabe habe man unter anderem nur übernehmen können, weil die Firma zehn Fahrer aus Griechenland übernommen habe. „Die Problematik wird aber weitergehen, auch wir merken den Mangel, damit kämpft jeder Betrieb.“ Trotzdem haben sich Klingel und Eberhardt für die Übernahme der Linien ab dem 1. Januar 2024 beworben. Die Vergaben laufen bereits, wer die Linien übernehmen wird, ist aber noch nicht bekannt.

Die regelmäßigen Verspätungen werden von mehreren Eltern im Gespräch mit unserer Zeitung angemerkt. „Das liegt aber vermutlich auch an einigen Baustellen, die die Busse ja nicht überfliegen können“, sagt Regina Siedentopf. Wendy Züffle, Mutter aus Gebersheim, bestätigt das. „Laut der aktuellen Fahrpläne müssen die Busfahrer außerdem manchmal an zwei Orten gleichzeitig sein, sie haben also weniger als eine Minute von Haltestelle zu Haltestelle. Das kann man ja gar nicht schaffen.“

Wunsch nach vollständigem Fahrplan

Was wohl alle Nutzer der Buslinien eint, ist der Wunsch, dass im neuen Jahr wieder ein vollständiger Fahrplan gilt. Denn auch wenn sich die Lage seit Oktober verbessert hat: „Verschlechtert hat sich die Situation natürlich gegenüber dem Frühjahr und Sommer, als die Firma Seitter noch ,normal‘ gefahren ist“, betont Regina Siedentopf. Die derzeitigen Fahrpläne sind und bleiben Notfahrpläne. Einige Eltern wie Wendy Züffle wünschen sich außerdem eine Fortführung des Betriebs durch Klingel und Eberhardt, um nicht die gleichen Unruhen heraufzubeschwören, wie sie bei der Übernahme im Oktober geherrscht haben.

Gleichzeitig appelliert Regina Siedentopf an alle Eltern, dass diese „endlich mal wieder pragmatischer werden und ihre – meist unberechtigten – Ansprüche zurückschrauben“. Vom Wunsch nach einem Sitzplatz für jeden einzelnen Schüler oder gar nach individuellen Sonderbussen müsse man sich verabschieden. Dass ein Bus mal zu spät komme und Kinder auch mal eng stehen müssen, das lasse sich oft nicht vermeiden. „Das habe ich zu meiner Schulzeit auch müssen.“

Fairness ist für sie eines der Schlüsselwörter: Faire Verträge für die Busunternehmen, faires Verhalten der Schüler und Eltern gegenüber den Busfahrern. Dabei bricht Regina Siedentopf auch eine Lanze für das ausgeschiedene Unternehmen Seitter aus Friolzheim. „Ja, natürlich gab es Probleme. Aber fragt sich jemand, an wie vielen Tagen die Schüler gut zur Schule gebracht wurden und wie viel ein Busfahrer sich manchmal anhören muss?“