Feuerwehr und Polizei informieren am Donnerstag die Bewohner der betroffenen Gebäude, das DRK versorgt sie. Die Tiefgarage bleibt derweil weiterhin gesperrt. Foto: factum/Bach

Auch am Tag nach dem Brand in der Tiefgarage auf dem Areal der alten Essigfabrik ist die Ursache unklar. Viele Fragen der Bewohner eines Wohnkomplexes bleiben unbeantwortet.

Gerlingen - Auf die Frage, bis wann das Gebäude in der Mörikestraße 5 wieder regulär zu bewohnen sein wird, antwortet der Hausverwalter äußerst zurückhaltend. „Dass wird sich noch 14 Tage hinziehen“, sagt der Mann von der Bietigheim-Bissinger Findling Hausverwaltungsgesellschaft. Er, der für die drei Gebäude Hofwiesenstraße 23 und 23/1 sowie Mörikestraße 5 verantwortlich ist, soll auf drängende Fragen Antworten geben, die es wenige Stunden nach dem Brand in der Tiefgarage noch nicht geben kann. Sicher ist an diesem Tag nur, dass die Instandsetzung der Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung in der Mörikestraße 5 einige Zeit dauert. Alleinstehende und Familien aus acht Wohnungen leben deshalb weiter im Hotel.

Die Stadt habe sich um ihre Unterbringung gekümmert, sagt der Bürgermeister Georg Brenner. Er war selbst am Einsatzort. Bewohner von drei Wohnungen kamen privat unter. Sie alle wurden – ebenso wie die Bewohner der Hofwiesenstraße – zunächst vom DRK in der Stadthalle versorgt.

Gebäude auf dem Gelände der alten Essigfabrik

Die drei Gebäude auf dem Gelände der alten Essigfabrik im Zentrum von Gerlingen stehen u-förmig zueinander. Die 35 Wohneinheiten haben eine gemeinsame Tiefgarage mit etwa ebenso vielen Stellplätzen. Dort war am Donnerstag gegen 14.15 Uhr das Feuer ausgebrochen. Die Ursache ist weiterhin unbekannt. Drei Fahrzeuge brannten aus, zwei weitere seien teils stark beschädigt worden, teilt die Polizei mit. Sie beziffert die Schadenshöhe allein an den Fahrzeugen auf 300 000 Euro.

Wenngleich die fehlende Infrastruktur im Gebäude Mörikestraße 5 ein Bewohnen nahezu unmöglich mache, können die Wohnungen betreten werden. Die Statik der Gebäude sei durch den Brand nicht beeinträchtigt worden, so die Polizei. Anders die Tiefgarage. „Die Wandkonstruktion hat gelitten. Deshalb ist sie bis auf weiteres nicht zu begehen“, sagt der Polizeisprecher Peter Widenhorn. Sie müsse im Brandbereich abgestützt werden.

Diese Klarheit konnte der Statiker erst schaffen, nachdem der Brand gelöscht war. Für die Feuerwehr machte die Unsicherheit den Einsatz schwierig. „So viele wie nötig, aber so wenig wie möglich“ würden deshalb in so einem Moment in die Gefahrensituation geschickt, sagt der Feuerwehrsprecher Andreas Häcker. Zumal dichter Qualm die Sicht unmöglich machte und Leitungen von der Decke herabhingen, von denen man zunächst nicht sicher wusste, dass sie nicht unter Strom standen.

So eine Situation bedeute immer auch, Einsatzkräfte in Reserve haben zu müssen, seien es weitere Atemschutzträger, sei es zur Eigensicherung: „Es muss nur ein Feuerwehrmann verunglücken, dann benötigt man vier Retter, um ihn rauszuholen.“ Die hinzugezogenen Wehren müssen zudem weiterhin in ihrem Ort präsent sein: Leonberg wurde am Donnerstagnachmittag zu zwei Einsätzen gerufen, darunter zu einem Unfall im Engelbergtunnel.

Mehrere Wehren aus der Region im Einsatz

Der Einsatzleiter, der stellvertretende Gerlinger Kommandant Dennis Blos, hatte deshalb Lösch- und Sonderfahrzeuge aus Bietigheim-Bissingen, Korntal-Münchingen, Leonberg, Ludwigsburg und der Bosch Werksfeuerwehr angefordert. 95 Wehrleute und der Rettungsdienst waren bis 19 Uhr im Einsatz. Der Beginn des Einsatzes habe sich für die Feuerwehr „hektisch“ gestaltet, sagt Häcker. Schließlich habe es zunächst geheißen, eine Person halte sich im Gebäude auf; auch habe sich die Tiefgarage nicht öffnen lassen. Während sich die Meldung über die Person im Gebäude als falsch herausstellte, barg die Wehr eine auf Krücken angewiesene Person aus dem Haus. Zu diesem Zeitpunkt sei das Treppenhaus schon verqualmt gewesen, sagt Häcker. Drei Personen erlitten Rauchgasvergiftungen.

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