Der Brand im Hardt- und Schönbühlhof (Kreis Ludwigsburg) hat mehr als eine Scheune zerstört: An dem Gebäude hängen viele Erinnerungen.
Für viele im kleinen Weiler Hardt- und Schönbühlhof an der B10 bei Schwieberdingen war sie weit mehr als nur ein Nebengebäude: Die alte Scheune war Treffpunkt, Lagerraum und Gemeinschaftsort zugleich. Jetzt, nach einem Brand, gibt es sie nicht mehr. „Der Verlust tut weh“, sagt der 70-jährige N., der namentlich nicht genannt werden möchte, sich aber bei allen Helfern des Einsatzes bedanken will: „Sie haben unser Haus gerettet.“
Nach der überstandenen Feuersbrunst überwiegt bei N. die Dankbarkeit. „Wir sind einfach nur froh, dass nicht auch noch das Wohnhaus betroffen war.“ Entscheidend dafür war der schnelle Einsatz der Feuerwehr aus dem Dorf, die ein Übergreifen der Flammen verhindern konnte. „Dafür möchten wir uns auch in aller Öffentlichkeit noch einmal bedanken.“
Beeindruckt zeigt N. sich auch vom Zusammenhalt im 320-Einwohner-Weiler: Zahlreiche Helfer brachten Verpflegung und unterstützten die Einsatzkräfte bis etwa Mitternacht. Nachbarn leihen nun Geräte aus, helfen unkompliziert aus. „Die Gemeinschaft hier ist gut. Ich wurde vor 40 Jahren als Eingeheirateter aufgenommen und lebe seitdem sehr zufrieden hier.“
Rund 70 Gäste sahen das 1:0 von Marion Götze im WM-Finale
In die Dankbarkeit mischt sich auch Wehmut: Besonders in Erinnerung bleibt N. der Sommer 2014, als etwa 80 Fußballbegeisterte in der Scheune gemeinsam das WM-Finale verfolgten – und den Moment, als Mario Götze Deutschland mit seinem 1:0-Siegtor gegen Argentinien zum Weltmeister machte. Es war eng, laut, herzlich – und typisch für das, was diese Scheune ausmachte.
Jeder brachte zu den Welt- und Europameisterschaften seit etwa 20 Jahren mit, was er brauchte: Essen, Getränke, gute Laune. Hinterher wurde aufgeräumt, der Müll wieder mitgenommen. „So einfach war das“, erinnert sich N., aber nun ist von diesem Ort nichts mehr übrig. Am vergangenen Samstag brannte die Scheune vollständig ab. Doch für die bevorstehende Fußball-WM ist das im Hardt- und Schönbühlhof noch nicht das Aus: „An einer Lösung wird gearbeitet.“
Der Verlust wiegt schwer – nicht nur materiell bei einem geschätzten Schaden von 200.000 Euro. Drei ältere Autos, ein Schlepper und zahlreiche Gerätschaften wurden zerstört. „Man merkt erst jetzt, wofür sie überall gut waren“, sagt der Rentner. Vieles, was in städtischen Haushalten im Keller steht, fand hier seinen Platz. Auch der Rasenmäher oder Geräte für die Streuobstwiese waren dort untergebracht.
Die Erinnerung an gesellige Abende bleibt
Die Scheune selbst hatte eine lange Geschichte. Ihr ältester Teil stammt aus den 1940er-Jahren, erweitert wurde sie 1955 – in einer Zeit des Aufschwungs. Nach dem Brand musste sie aus Sicherheitsgründen bereits abgerissen werden. Die Ursache des Feuers ist weiterhin unklar.
Wie es nun auf dem freien Grundstück weitergeht, weiß N. noch nicht. „Wir haben noch keine Pläne“, sagt der Mann, der früher selbst bei der Feuerwehr war und auch der Wehr erlaubte, Materialien dort zu lagern. Auch das Aufstellen des Maibaums im Dorf wurde in der Scheune Jahr für Jahr vorbereitet. Was bleibt, sind Erinnerungen – an gesellige Abende, gemeinsame Erlebnisse und einen Ort, der für viele ein Stück Heimat war.