Ist der Musicalboom am Ende? Wie es aussieht, steht der Standort Stuttgart mit zwei Häusern gut da – dies liegt vor allem am Publikum, sagt Redakteur Uwe Bogen.
Stuttgart - Noch im Juli sprach Uschi Neuss, die Deutschlandchefin des Musicalmarktführers Stage Entertainment, im Interview mit unserer Zeitung über ihr „Luxusproblem“. Ihr Unternehmen habe mehr hervorragende Shows als Theater, in denen man sie spielen könne. Im März 2020 fällt ein weiteres Haus in dem ohnehin schon geschrumpften Imperium weg. Es wird also noch enger – enger auch für Darsteller, Arbeit zu finden. Produktionen werden noch schneller ausgewechselt. Schon jetzt wissen viele gar nicht mehr, welches Musical gerade wo gespielt wird – so rasant rotiert alles.
Sicher ist nichts
Dass die Schließung Oberhausen trifft und nicht Stuttgart, mag daran liegen, dass die Menschen im Ruhrgebiet ihr Geld eher zusammenhalten müssen als im wohlhabenden Südwesten. Die Eintrittspreise sind explodiert. Doch es liegt vor allem auch daran, dass Stuttgart über ein begeistertes Musicalpublikum verfügt. Hier liebt man es, tolle Shows zu feiern, ist höchstens enttäuscht, wenn Premieren in Hamburg sind und Stuttgart erst danach dran ist.
Das klare Bekenntnis zu zwei Stuttgarter Musicalhäusern hat der Stage-Sprecher mit dem Zusatz „aus heutiger Sicht“ versehen. Sicher ist nichts, zumal die beiden Theater keine Zuschüsse erhalten. Die Liebe, die das Stuttgarter Publikum dem Musical entgegenbringt, hat es verdient, dass die Preise nicht noch weiter steigen.