Nach dem Aus des Vereins Häusliche Kinderkrankenpflege in Stuttgart wird an Ersatzlösungen für die betroffenen Familien gearbeitet. Einige von diesen haben einen anderen Träger gefunden. Bei Problemen will die Stadt unterstützend aktiv werden.
Die Sozialverwaltung und mit ihr das Gesundheitsamt der Stadt wollen dazu beitragen, dass keine der Familien, die vom Aus des Vereins Häusliche Kinderkrankenpflege (HKP) Stuttgart betroffen sind, unversorgt bleibt. Der Sozialausschuss des Gemeinderats hat sich am Montag mit dem Thema befasst.
Die HKP gibt zu Ende September den Betrieb auf. 33 Jahre lang hatten Mitarbeiter des Vereins in Stuttgart Familien bei der Pflege ihrer schwerstkranken oder stark behinderten Kinder daheim unterstützt. Zuletzt wurden noch elf Familien betreut. Mehrere Gesetzesänderungen und Tariferhöhungen führten zuletzt zum Aus des Vereins.
„Neue Gesetze machen nicht alles besser“, merkte CDU-Stadträtin Beate Bulle-Schmid im Ausschuss kritisch an. Sie dankte der Sozialverwaltung, dass diese den betroffenen Familien Hilfe anbiete. Zuvor hatte Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne) erklärt, man habe die Familien angeschrieben und sie aufgefordert, sich zu melden, sollte es in nächster Zeit bei der Umstellung der Versorgung zu Problemen kommen.
Nach einem neuen Vertrag, den die AOK Baden-Württemberg stellvertretend auch für die Kassen im Land mit drei Hilfeträgern in der häuslichen Kinderkrankenpflege abgeschlossen hat, geht es nun darum, für alle Stuttgarter Familien tragfähige Ersatzlösungen zu finden. Felix Gaiser erläuterte den Stand der Dinge aus Sicht der AOK. Von den sechs Kindern, die bei der AOK versichert sind, hätten vier von der HKP zu anderen Pflegediensten gewechselt, die anderen beiden hätten keinen weiteren Versorgungsbedarf angemeldet.
Nach den Kenntnissen von Thomas Albrecht, dem Vorstand und Verwaltungsleiter der HKP, seien aber „noch nicht alle Kinder versorgt“. Und die HKP habe auch nicht nur elf Familien betreut, sondern alle paar Wochen auch einige Kinder, die etwa aus Kinderkliniken wie dem Olgäle kamen und vorübergehend häusliche Intensivpflege benötigten. Überdies habe man etwa 120 Pflegefamilien beraten. Ob der Übergang auch klappe für die Familien, werde sich erst in den kommenden Monaten zeigen – gerade auch bei Familien, die sich für ein sogenanntes persönliches Budget entschieden haben und sich jetzt selbst um die Organisation der häuslichen Pflege ihrer Kinder und um die Suche nach passendem, bekanntlich sehr dünn gesätem Personal kümmern.
Gesundheitsamtsleiter Stefan Ehehalt betonte, man betrachte die Entwicklung in der Sache „mit Sorge“. Man werde jedenfalls „den Übergangsprozess genau betrachten“ und wolle für die Familien bei Problemen „ein Ansprechpartner“ sein.
Simone Fischer, Landes-Behindertenbeauftragte und frühere Behindertenbeauftragte in Stuttgart, die hier jetzt für die Grünen im Gemeinderat sitzt, forderte einen „geschmeidigen Übergang“ in die künftige Versorgung der Familien. Für diese sei die Lage ohnehin „eklatant bitter“. Verlässlichkeit sei angesichts ihrer großen Belastung entscheidend. Bei Familien, welche die aufwendige Organisation eines Pflegeteams mit einem persönlichen Budget selbst in die Hand nähmen, dürfe man keine bürokratischen Hürden aufbauen.