Beim Spiel gegen die Schweiz entbrannte zwischen Kingsley Coman und Trainer Didier Deschamps ein Streit auf dem Platz. Foto: imago images/PanoramiC/Federico Pestellini

Frankreich kommt nach dem frühen EM-Aus des Fußball-Weltmeisters nicht zur Ruhe. Die Kritik an den Stars hält an, die Zukunft des Trainers ist offen.

Paris - Große Fragezeichen bei der Grande Nation: Das blamable Achtelfinal-Aus des Weltmeisters bei der Fußball-EM ist längst nicht abgehakt und schlägt in Frankreich weiter hohe Wellen. Berichte über Streitigkeiten innerhalb der Mannschaft und Stress zwischen Familienangehörigen der Profis zeichnen das Bild einer zerstrittenen Startruppe. Ob Coach Didier Deschamps auf dieses Theater noch Lust hat, scheint inzwischen mehr als fraglich.

Lesen Sie hier: Keine Überlebenden aus der ehemaligen Todesgruppe

Dass die Entscheidung über einen Verbleib des Weltmeister-Trainers von 2018 erst einmal vertagt wurde, nährt die Spekulationen um Zidane Zidane. Der Ex-Coach von Real Madrid wird als potenzieller Nachfolger seines einstigen Teamkollegen im Trikot der Equipe Tricolore gehandelt, mit dem er als Spieler gemeinsam Welt- und Europameister (1998 und 2000) wurde.

Streit zwischen Deschamps und Coman

„Ich habe mit Didier vereinbart, dass wir uns eine Woche Zeit lassen, um zu reflektieren. Dann werden wir uns treffen, um Bilanz zu ziehen“, sagte Verbandspräsident Noel Le Graet zum weiteren Vorgehen: „Ich werde dann sehen, in welcher Verfassung er ist. Wenn seine Motivation intakt ist, ist es meine auch. Wir werden auch sein Verhältnis zu den Spielern analysieren.“

Genau in diesem Bereich gibt es viele Fragezeichen. Sein offensichtlicher Streit während der Partie gegen die Schweiz mit Bayern-Profi Kingsley Coman, der sich trotz muskulärer Probleme zunächst nicht auswechseln lassen wollte, hat in Frankreich eine Debatte über die Autorität des Trainers entfacht. Es wird vermehrt daran gezweifelt, dass der seit 2012 im Amt befindliche Deschamps seinen Vertrag bis zur WM im kommenden Jahr in Katar erfüllen will.

Auseinandersetzung von Spieler-Familien

Auch die jüngsten Aussagen von Real-Präsident Florentino Perez, wonach Zidane die „Hoffnung hat, französischer Nationaltrainer zu werden“, beruhigen die Lage nicht unbedingt. Das gilt gleichermaßen für die Bilder von der Tribüne während des Schweiz-Spiels, die der TV-Sender TF1 den Franzosen vorgeführt hat.

Lesen Sie hier aus unserem Plus-Angebot: Ist ein taktischer Trend der Grund für die vielen Eigentore?

Darin ist laut dem Sender zu sehen, wie sich die Mutter von Mittelfeldspieler Adrien Rabiot mit der Familie von Paul Pogba und den Eltern von Superstar Kylian Mbappe angelegt hat. RMC Sport schreibt von einer „hitzigen Auseinandersetzung“ und schweren Vorwürfen, die Veronique Rabiot erhoben haben soll.

Konsolen-Problematik?

Rau soll es auch auf dem Platz zugegangen sein. Mehrere Medien berichten von Auseinandersetzungen zwischen Rabiot, Pogba, Bayern-Profi Benjamin Pavard und Abwehrchef Raphael Varane. Dabei soll es vor allen um das nachlässige Defensiverhalten Pogbas gegangen sein.

Die Berichte reihen sich ein in eine Vielzahl von Meldungen, wonach es grundsätzlich an der Disziplin beim Weltmeister gehapert haben soll. Demnach hätten die Stars unter anderem bis tief in die Nacht an Konsolen gezockt oder Filme geschaut - was offenbar ein weltmeisterliches Problem ist. Schließlich hatte es ähnliche Berichte rund um den Titelverteidiger Deutschland bei der WM-Endrunde 2018 gegeben.