Von der Gewalt einer Antifa-Gruppe aus Reutlingen beim CSD distanziert sich das Antifa-Aktionsbündnis aus Stuttgart und unterstreicht die Kritik an der Teilnahme der CDU.
Der Stuttgarter CSD sorgt mit einem Zwischenfall, bei dem der Vereinssprecher verletzt worden ist, bundesweit für Aufsehen. Viel öffentliche Kritik hat eine Antifa-Gruppe aus Reutlingen für den Angriff auf den Truck der Organisatoren einstecken müssen – jetzt auch aus den eigenen Reihen. Das Antifaschistische Aktionsbündnis Stuttgart und Region (AABS) distanziert sich von der Gewalt, die vermummte Personen im Namen der Antifa am vergangenen Samstag ausgeübt haben. In einem Statement erklärt das Bündnis, die Blockade eines CSD-Trucks sei nicht „unsere Aktionsform“.
„Der CSD wird immer mehr zu einer Werbeveranstaltung von Konzernen“
Hinter den Kulissen, so hört man, ist die Verärgerung bei den Stuttgarter Antifa-Leute über die Vorkommnisse wesentlich größer, als dies in Worten der Presseerklärung nun nachzulesen ist. Beklagt wird im linken Spektrum der Stadt, dass nun überregional berichtet werde, die Antifa habe queerfeindliche Gewalt ausgeübt. Tatsächlich sagten die Störerinnen und Störer am Samstag, sie seien die Antifa.
Nur zurückhaltend Kritik übt das Bündnis an den Reutlinger Aktivisten. Umso deutlicher zielen die Stuttgarter Antifa-Leute auf die Organisatoren: „Befremdlich ist, dass der CSD-Verein Parteien wie der CDU mit ihrer Beteiligung eine Bühne gibt und auch, dass sich der CSD immer mehr zu einer Werbeveranstaltung großer Konzerne und zu einer großen Party entwickelt.“
Aktionsbündnis kritisiert Reaktionen aus der Politik
In der Erklärung heißt es weiter, dass es in diesem Jahr „eine viel deutlichere, sichtbare Beteiligung von progressiven und linken queeren Menschen gab als bisher“. Während der Parade sei „die explizit linke Beteiligung“ sehr gut aufgenommen worden. In diesen Formationen seien etwa 700 Menschen mitgelaufen. CSD-Sprecher Detlef Raasch bestätigt, dass in dieser Gruppe alles friedlich geblieben sei und dass man Plakaten mit Aufschriften wie „CDU, Konzerne, Polizei! Verpisst euch, das ist unsere Pride“ toleriert habe, obwohl es dagegen Proteste aus der Community gegeben habe. Raasch will den CSD für die große Vielfalt der Stadt öffnen. Radikalismus jeder Art lehnt er ab.
Das Antifa-Aktionsbündnis kritisiert, dass in Reaktionen von Politikerinnen und Politiker sowie von Medien auf den Zwischenfall „eine Protestaktion mit einem unschönen und schmerzhaften Ende“ gleichgesetzt werde mit „homophoben und queerfeindlichen Angriffen, die beinahe täglich verübt werden“. Die Folge sei, dass sich nun den Köpfe festsetze, „die Antifa“ habe queere Menschen angegriffen. Dies stimme jedoch nicht. Dem Aktionsbündnis gehe es viel mehr darum, „Reaktionäre und Faschist*innen daran zu hindern, gegen queere Menschen vorzugehen“. Man wolle für einen „progressiven Pride“ streiten. Denn die Queerfeindlichkeit sei noch lange nicht besiegt.
In dem Statement heißt es außerdem, man wünsche den Verletzten des CSD rasche Genesung. Die Polizei, auch das erklärt das Bündnis, habe bei der Aktion „maßlos und vor allem gewaltvoll regiert“. Dies wiederum bestreitet Detlef Raasch, der zu den Verletzten gehört. Die Polizei hätte „in keiner Weise übergriffig gehandelt“, sagte er, „sondern so, wie man bei Straftaten handeln muss.“