Bilder von Rachid Redouane (links) und Joussef Zaghba wurden von der Polizei veröffentlicht. Foto: Uncredited/Metropolitan Police/AP/dpa

Zwei der drei Angreifer von London waren für Polizei und Geheimdienste in Großbritannien Unbekannte. Wurden vor dem Terroranschlag wichtige Hinweise übersehen? Und hatten die Angreifer Komplizen? Bei den Ermittlungen sind noch viele Fragen offen.

London - Nach dem Terroranschlag von London ist auch der letzte der drei getöteten Angreifer identifiziert. Bei ihm handle es sich um den 22-jährigen Youssef Zaghba, teilte die Polizei am Dienstag mit. Er war den Behörden vor der Tat ebenso wenig aufgefallen wie sein Komplize Rachid Redouane. Lediglich der dritte, Khuram Shazad Butt, hatte nachweislich Verbindungen in radikalislamische Kreise.

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Die Männer waren am Samstagabend an der London Bridge mit einem Transporter in eine Menschenmenge gerast und hatten anschließend an dem nahe gelegenen Borough Market mit Messern auf Passanten eingestochen. Sieben Menschen kamen ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt. Die Angreifer, die Attrappen von Sprengstoffwesten trugen, wurden von der Polizei erschossen.

Zwölf Personen wieder freigelassen

Die Ermittlungen konzentrierten sich nun vor allem darauf, ob die drei Teil eines islamistischen Netzwerks waren. Doch alle zwölf Personen, die bisher in dem Fall festgenommen worden waren, wurden am Montag wieder freigelassen, weil sich der Verdacht gegen sie nicht erhärtet hatte. Am Dienstag wurde dann auch noch eine Wohnung im Londoner Viertel Ilford durchsucht, wie die Polizei mitteilte.

Der 27-jährige in Pakistan geborene Brite Butt war in der Fernsehdokumentation „Die Dschihadisten von nebenan“ vorgekommen und hatte darin eine Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat ausgerollt. Er war aber von der Polizei nicht als möglicher Attentäter gehandelt worden. Allerdings soll Butts Nachbarin der Polizei gemeldet haben, dass dieser versucht habe, Kinder zu radikalisieren. Die Behörden mussten sich deshalb Vorwürfen stellen, dass sie potenziell wichtigen Hinweisen auf einen bevorstehenden Anschlag nicht nachgegangen seien. Butt hatte bis vergangenen Oktober im Kundendienst der Londoner U-Bahn-Betriebe gearbeitet.

Redouane hatte sich teils als Marokkaner und teils als Libyer ausgegeben und war gemäß diesen beiden Identitäten entweder 25 oder 30 Jahre alt. Zaghba war nach Angaben der Polizei italienischer Staatsbürger marokkanischer Herkunft. Er sei für Polizei und Geheimdienste kein „Subjekt von Interesse“ gewesen, hieß es.

IS bekennt sich zur Tat

Zu der Tat bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat. Sie hatte auch die Verantwortung für den Bombenanschlag auf die Manchester Arena am 22. Mai mit 22 Toten übernommen sowie für den Anschlag auf der Westminster Bridge wenige Wochen zuvor.

Zum Gedenken an die Opfer des Anschlages wurde am Dienstag eine Schweigeminute abgehalten. Um elf Uhr Ortszeit hielten Pendler in Bahnstationen sowie Angestellte, Arbeiter und Beamte an ihren Arbeitsplätzen eine Minute lang inne. Sanitäter versammelten sich gemeinsam mit dem Londoner Bürgermeister Sadiq Khan vor ihrer Einsatzzentrale. Dutzende standen auch am Ende der London Bridge, wo seit dem Anschlag Blumen für die Opfer niedergelegt wurden.

Ein Teil der Gegend um die London Bridge und um den Borough Market blieb weiter abgeriegelt. Pendler mussten sich durch diese Sperren und den strömenden Regen ihren Weg zu ihren Arbeitsplätzen bahnen.