Wird auch der Weihnachtsmarkt wegen des Coronavirus abgesagt? Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Stuttgarter Stadträte haben am Freitag das Volksfest wegen des Coronavirus für 2020 offiziell beerdigt. Sie hoffen auf eine kleinere Alternativveranstaltung, dann ohne Bierzelte.

Stuttgart - Der für die Zulassung des Cannstatter Volksfestes zuständige Wirtschaftsausschuss des Gemeinderates hat die Traditionsveranstaltung in seiner Sitzung am Freitag wegen der Coronakrise offiziell abgesagt. Dabei klang das Bedauern bei allen Fraktionen durch, einzig bei Linksfraktionschef Hannes Rockenbauch hält es sich in Grenzen. „Diese Saufgelage haben mich schon immer gestört“, so Rockenbauch. Einer kleineren Veranstaltung mit den Schaustellern könne er etwas abgewinnen.

Laut Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) liegen zwei Konzepte für „Karusselltage“ oder ein kleines Herbstfest vor, das die Verwaltung am runden Tisch mit Schaustellern, Festwirten und Gesundheitsamt bespreche. Voraussagen, „ob eine solche Veranstaltung aufgrund der Infektionslage dann überhaupt stattfinden kann“, seien extrem schwierig. „Womöglich müssen wir das kurzfristig entscheiden“, so Fuhrmann.

Neue Einschränkungen ab 307 Neuinfektionen

Stuttgart könne zurzeit in Sachen Corona „glücklicherweise ziemlich gute Zahlen vorlegen“, so OB Fritz Kuhn (Grüne). Am Donnerstag habe es neun Neuinfektionen gegeben, innerhalb einer Woche 26. „Bei 307 in einer Woche muss ich die Notbremse ziehen, wir wissen, dass das schnell gehen kann“, so das Stadtoberhaupt. Bundes- und Landesregierungen haben die Verantwortung für eine mögliche erneute starke Beschränkung des öffentlichen Lebens in dieser Woche an die Land- und Stadtkreise delegiert. Das Volksfest sei „im Kern ein Bierfest, dessen Risiko wir nicht eingehen können“ sagte Kuhn. Auch den Weihnachtsmarkt mit seinen engen Gassen sieht er gefährdet, genauso den autofreie Sonntag. Die Entscheidung über den Weihnachtsmarkt soll vor der Sommerpause fallen.

Ein Fest mit Bierzelten könne nicht wie gewohnt stattfinden, konstatierte auch CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Er warb dafür, Alternativkonzepte „wohlwollend zu bedenken“. Dass eine Achterbahn zwar im Europapark, in Stuttgart aber nicht bald wieder fahren könne, sei schwer erklärbar. Er könne sich eine Art „Kulturtage“ als Ersatz stadtweit vorstellen, so Kotz, um den Vereinen zu helfen. Der Zeitplan für die Sanierung des Marktplatzes müsse zudem neu aufgestellt werden, sodass 2021 alle üblichen Feste darauf stattfinden könnten.

Der Verteilungskampf beginnt

Man stehe für zwölf bis 18 Monate vor einer „neuen Normalität“, sagte SPD-Fraktionschef Martin Körner. Wichtig sei jetzt, die Vereine finanziell zu unterstützen. „Die Bevölkerung wird sich nicht alle Absagen gefallen lassen“, wandte Konrad Zaiß (Freie Wähler) ein. Es gebe „krasse Verteilungskämpfe“. In Bezug auf die Akzeptanz beginne die schwierigste politische Phase, so Hannes Rockenbauch. Diese Einschätzung teilt Kuhn. Ihn beschäftige die steigende Zahl derer, „die das Virusgeschehen leugnen“. Er werde „rational über die Dinge reden“ und nicht dazu beitragen, „Infektionszahlen durch weniger Tests zu schönen“, so Kuhn.

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