Von wegen Bombe: harmlose Metallteile im Schnee Foto: Stadt Ludwigsburg

Die angebliche Bombe von Ludwigsburg, die sich als Blecheimer herausgestellt hat, sorgt im Netz für Scherze. Doch die Stadt zieht auch ernsthafte Konsequenzen aus der geplanten Evakuierung.

Ludwigsburg - In den sozialen Netzwerken wird schon wieder gespottet über die groß angelegte Evakuierungsaktion, die für den Fall einer Bombenentschärfung geplant wurde. „Da sind ja Fachmänner am Werk“, witzelt jemand. Und ein anderer Facebook-Nutzer schreibt zu den im Boden beim Heizkraftwerk gefundenen Metallteilen: „Mein Campinggeschirr, da ist es wieder!“ Andere posten das Lied von Medium Terzett: „Ein Loch ist im Eimer ...“ Eines der Fragmente erinnert an einen Blecheimer.

Doch es gibt auch ernsthafte Schlussfolgerungen der abgeblasenen Räumung. Die minutiöse Vorbereitung der Evakuierung hat gezeigt, wo es noch knirscht. „Wir haben festgestellt, dass die Räumung eines Altenheimes nicht in kürzester Zeit möglich ist“, erklärt etwa der Vize-Bürgermeister Konrad Seigfried. Wenn Menschen beatmet werden müssten, sei der Transport schwierig. Bei besonders stark übergewichtigen Patienten sei ein Spezialgerät notwendig. „Das könnte uns im Einzelfall erhebliche Schwierigkeiten bereiten“, so der Sozialdezernent.

War der riesige Aufwand nötig?

Manche fragen auch, ob das Ganze notwendig war. Doch nicht nur der Bomben-Entschärfer Mathias Peterle und Mitarbeiter der Spezialfirma Zimmermann betonen, dass selbst die modernsten Messmethoden nicht ein sechs Meter tief vergrabenes Objekt zweifelsfrei bestimmen könnten. Der Feuerwehrchef Ben Bockemühl, bei dem die Planung der Evakuierung zusammenlief, bietet den Kritikern einem anderen Blickwinkel an: „Wir können froh sein, dass es solche Messtechnik überhaupt gibt.“ Früher habe man erst dann eine Fliegerbombe bemerkt, wenn der Bagger mit der Schaufel auf sie gestoßen sei. „Dann musste in aller Eile evakuiert werden, ohne Vorbereitung.“ Nun könne man das Verfahren in zwei Stufen aufteilen: Zunächst messen, dann die Räumung des Gebiets planen und erst dann umsetzen, wenn wirklich entschärft werden muss. In diesem Fall, wo nur Schrott gefunden wurde, wäre ohne die Messungen zwar viel Arbeit erspart geblieben – bei einem echten Blindgänger aber wäre man gut vorbereitet gewesen.

Ludwigsburg kann jetzt Krise

Gewappnet sind die Rettungskräfte jedenfalls auch für andere Katastrophenfälle. Entscheidend ist die umfangreiche Information der Anwohner, Firmen und Geschäftsinhaber im Vorfeld. Bockemühl: „Meine Erfahrung aus anderen Städten zeigt, dass am Tag der Evakuierung kaum noch jemand angetroffen wird, wenn wir das Gebiet durchkämmen.“

Es ist aber durchaus möglich, dass in Zukunft echte Bomben gefunden werden, auch wenn Ludwigsburg nicht im Fokus der Angriffe stand. Wie eine Karte des Stadtarchivs zeigt, sind entlang der Bahnlinie etliche Sprengsätze abgeworfen worden und haben Totalschäden verursacht. Einige Bomben sind noch unentdeckt.

Die „Bombe“ vom Freitag gehört nun zwar rechtmäßig den Stadtwerken, die Feuerwehr hat allerdings schon Pläne damit: Sie will die Teile im Foyer ihrer Wache ausstellen. Der Stadtwerke-Chef Bodo Skaletz wird’s verschmerzen: Er kann auf dem Gelände nun den 21 Meter hohen Wärmespeicher des Solarkraftwerks errichten.

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