Sie haben unter Federführung von Yvonne Roscher (Zweite von rechts) die neuen Schilder für den Naturpfad Mittleres Glemstal erst konzipiert und dann aufgehängt: Mitglieder des Nabu Schwieberdingen-Hemmingen. Foto: Simon Granville

Kinder finden einfache Spazierwege durch die Natur oft öde. Eine Möglichkeit, sie zu motivieren, sind Erlebnispfade. Der Nabu Schwieberdingen-Hemmingen hat seinen Rundweg modernisiert.

Die Nippenburg bei Schwieberdingen gilt als älteste Burganlage in der Region Stuttgart und ist ein beliebtes Ausflugsziel. „Der vielleicht schönste Weg zur Burg führt über den Naturpfad des Nabu“, sagt Yvonne Roscher und lacht. Die 46-Jährige meint den vier Kilometer langen Naturpfad Mittleres Glemstal. Eine Projektgruppe des Naturschutzbunds (Nabu) Schwieberdingen-Hemmingen hat ihn neu gestaltet. Roscher koordinierte das achtköpfige Team. Ein Jahr lang hat es die neuen Schilder für den Rundweg geplant, vorbereitet und umgesetzt. „Wir haben viel Zeit, Liebe und Herzblut reingesteckt.“

 

Den Naturpfad gibt es seit 30 Jahren. Als die Nabu-Ortsgruppe damals ihr 60-Jahr-Bestehen feierte, weihten die Mitglieder ihn ein. Die Hinweistafeln aus Holz waren zuletzt stark verwittert und kaum noch lesbar. Hier kommt das Team um Yvonne Roscher ins Spiel: Zum 90. Geburtstag der Ortsgruppe hat es sich daran gemacht, den Pfad mit 19 „modernen, informativen und liebevoll entwickelten Hinweistafeln“ zu versehen. Auf jeder sind Fotos, Texte, Quizfragen und ein QR-Code, der zu den Antworten sowie weiteren Inhalten führt. Für einige Tafeln haben die Macherinnen und Macher neue Standorte gewählt.

Spielerisch die Natur entdecken: Naturpfad mit neuen Tafeln für Jung und Alt

Der Naturpfad soll Menschen jeden Alters ansprechen. Gerade Kindern lässt sich auf diese Weise die heimische Tier- und Pflanzenwelt kurzweilig, unterhaltsam und vor allem spielerisch näherbringen. Frische Luft und Bewegung inklusive. „Es ist schön, wenn Kinder, aber auch Erwachsene benennen können, welche Tiere und Pflanzen es hier gibt“, findet Yvonne Roscher, selbst Mutter von zwei Töchtern.

Der Naturpfad Mittleres Glemstal hat 19 Stationen. Start und Ziel des Rundwegs ist am Bahnhof in Schwieberdingen. Foto: Simon Granville

Auf der Tour würden viele spannende Fragen beantwortet: Wussten Sie, dass es den Eisvogel auch im Glemstal gibt? Was macht die Geologie des Glemstals so besonders? Kennen Sie Zimbelkraut? Haben Sie schon mal eine Lausgeburt beobachtet? Die erfolgt auf der Unterseite eines Brennnesselblatts und kann beim Rundweg als Film erlebt werden. Auch zu entdecken gibt es den Gründungsstein der Nabu-Ortsgruppe, eingelassen in einem Stück Mauer auf der Nippenburg.

 

Das gesamte Projekt, so Roscher, folge dem Leitgedanken des örtlichen Nabu: „Nur was man kennt, schätzt man. Nur was man schätzt, schützt man.“ Alle Inhalte und Fotos seien ausschließlich aus dem Glemstal – „ein echtes ‚Fenster zur Natur vor unserer Haustür’“, sagt Yvonne Roscher. Der Naturpfad zeige die Schönheit sowie Verletzlichkeit dieser Landschaft und unterstreiche ihre Bedeutung für die eigene Lebensgrundlage. „Das macht den Naturpfad besonders“, sagt Yvonne Roscher.

Durch die naturverbundene Tochter zum Naturschutz gekommen

Deren jüngere Tochter äußerst naturverbunden sei. Früh sei sie der Naturschutzjugend beigetreten, berichtet die 46-Jährige. So kam schließlich auch sie zum Nabu. „Wir haben als Familie beispielsweise eine Patenschaft für Nistkästen übernommen“, sagt Yvonne Roscher, die die „vielen Veranstaltungen und Aktionen“ des „sehr aktiven“ Nabu schätze. Vor zwei Jahren beteiligte sie sich an der Neugestaltung des Naturerlebnispfads Zeilwald in Hemmingen.

Hier locken weitere Erlebniswege in der Natur

  • Der Naturerlebnispfad Zeilwald in Hemmingen ist 1,6 Kilometer lang
  • Der drei Kilometer lange Erlebnispfad im Gerlinger Wald startet im Krummbachtal
  • Auf dem Erlebnispfad Keppiweg zwischen Weil der Stadt und Möttlingen lässt sich der Wald an sechs Stationen riechen, fühlen, hören und beobachten. Er ist drei Kilometer lang
  • Der Naturerlebniswald Bühl nördlich des Renninger Stadtteils Malmsheim hat zahlreiche Erlebnisstationen und Informationstafeln entlang der Wanderwege.
  • Der Walderlebnispfad Stahlbühl in Weissach, zwei Kilometer lang, ist ein Rundweg zum Thema Wald mit allen Sinnen

Aus Roschers Sicht ist es eine gesellschaftliche Aufgabe, die Neugier für die Natur vor der Haustür zu wecken oder wachzuhalten. „Es ist wichtig, spannende Dinge aufzuzeigen und Aha-Momente auszulösen.“

Naturpfad verläuft zwischen Golfplatz und Glemsauwald hoch zur Nippenburg

Der Naturpfad startet und endet am Schwieberdinger Bahnhof. Zwischen Golfplatz und Glemsauwald verläuft er hoch zur Nippenburg. Von dort geht es auf steilem Fußpfad ins idyllische Glemstal und entlang der Glems zurück. Der Einstieg ist überall möglich.

Der Nabu Schwieberdingen-Hemmingen eröffnet den „Naturpfad Mittleres Glemstal“ an diesem Samstag, 21. März, um 14 Uhr in Schwieberdingen. Treffpunkt ist der Parkplatz am Bahnhof. Auf eine gemeinsame Wanderung – für die vier Kilometer wird festes Schuhwerk empfohlen – folgt ein Picknick auf der Nippenburg in Kooperation mit dem Verein Naturgäu Hemmingen.