Drei Frauen soll der Angeklagte misshandelt und auf den Strich geschickt haben. Foto: dpa

Ein 41 Jahre alter Mann steht seit Montag vor der 19. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart, weil er drei Frauen auf übelste Weise misshandelt und ausgebeutet haben soll.

Stuttgart - Ein 41 Jahre alter Mann steht seit Montag vor der 19. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart, weil er drei Frauen auf übelste Weise misshandelt und ausgebeutet haben soll. Oberstaatsanwalt Peter Holzwarth wirft dem ehemaligen Mitglied der Straßenbande United Tribuns Menschenhandel, besonders schwere Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung vor. Die Vorwürfe liegen zum Teil rund zehn Jahre zurück.

Anfang 2005 soll der Angeklagte eine damals 22 Jahre alte Frau in einer Stuttgarter Discothek kennengelernt haben. Die 22-Jährige, die damals im sogenannten Dreifarbenhaus in Stuttgart angeschaffte, soll sich in den Mann verliebt haben. Er schickte sie laut Anklage in rund 20 Bordelle, um für ihn Geld zu verdienen. Im Februar 2007 sei es zu den ersten Übergriffen gekommen. Der 41-Jährige habe sie in dem von den United Tribuns kontrollierten Laufhaus in Villingen-Schwenningen aufgesucht, um abzukassieren. Weil die Frau seiner Ansicht nach zu wenig Umsatz gemacht habe, soll er sie wüst verprügelt und mehrmals gegen den Kopf getreten haben. Dann habe er das Opfer zum Sex gezwungen, wobei er es mit „dreckige Hure“ beschimpft habe. Dem Arzt, so seine Anweisung, musste sie vorlügen, sie habe sich beim Kickboxen verletzt.

Fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt

Die Leidenszeit der Frau ging laut Oberstaatsanwalt Holzwarth weiter. Ende Mai 2007 sollte sie in einem FKK-Club in Pirmasens anschaffen. Sie wollte nicht, was ihr Prügel einbrachte. Weil sie in dem ebenfalls von United Tribuns geführten Bordell erneut zu wenig verdiente, musste sie in einen Puff an der Leonhardstraße in Stuttgart wechseln. Irgendetwas hat dem Angeklagten wieder nicht gepasst. Also soll er die Frau fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben.

Das zweite mutmaßliche Opfer soll dem Angeklagten von einem Bekannten aus Böblingen angedient worden sein. Im September 2010, damals war die Frau 20 Jahre alt, soll sie freiwillig in die Prostitution gegangen sein. Im November 2010 beorderte der Angeklagte die junge Frau in ein Hotel nach Fellbach, wo er sie zusammengeschlagen und mehrfach vergewaltigt haben soll. Dabei habe er ihr fast die Zunge abgebissen.

Bei der dritten Frau handelt es sich um eine 21-jährige Ausreißerin, die 2009 im Echterdinger Bordell Paradise gelandet war. Dort habe sie den Angeklagten kennengelernt. Im August 2010 sei sie zu dem 41-Jährigen gezogen, man habe eine gemeinsame Zukunft geplant. Erst einmal soll der Mann ihr aber das ganze Geld abgenommen haben. Seine Vorgabe: Sie müsse mindestens 500 Euro am Tag verdienen. Immer wieder habe es Schläge gesetzt. Um einen möglichst hohen Profit zu erzielen, soll er die Frau sechs Tage pro Woche von 11 Uhr bis 3 Uhr und am Wochenende bis 4 Uhr zum Anschaffen gezwungen haben. Im Mai 2011 habe der Angeklagte das Opfer mit einem Duschkopf blutig geschlagen. Schließlich gelang der Frau die Flucht, sie kehrte zu ihrem Vater zurück.

Angeklagter hat einen weiblichen Fanclub

Allesamt schwere Vorwürfe. Trotzdem scheint der muskulöse 41-Jährige immer noch einen weiblichen Fanclub zu haben. Mehrere Damen fanden sich zum Prozessauftakt im Gerichtssaal ein, um dem Mann moralische Unterstützung zu geben. Es heißt, sie würden ihm regelmäßig stark parfümierte Briefe in die Zelle schicken, in der er seit seiner Festnahme am 10. März dieses Jahres in U-Haft sitzt.

Am ersten Prozesstag wurde lediglich der Anklagesatz verlesen. Verteidiger Frank Theumer stellte aber schon klar, sein Mandant werde vorerst schweigen. Der Prozess wird am 27. September fortgesetzt.

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