Zwei Männer und eine Frau sollen Anlegern lukrative Goldgeschäfte vorgespiegelt haben. Ein weiterer Angeklagter ist gestorben. Foto: dpa/Bundesbank

Weil sie mehr als zwei Dutzend Anleger mit dubiosen Goldgeschäften um Millionen geprellt haben sollen, stehen zwei Männer und eine Frau in Stuttgart vor Gericht.

Stuttgart - Gold fasziniert die Menschen seit vielen Jahrhunderten. Besonders in Krisenzeiten kennt der Preis des begehrten Edelmetalls nur eine Richtung: nach oben. Das ist heute so, das war vor zehn Jahren ebenso. Schließlich hatte 2008 und 2009 die Finanzkrise die Menschen im Griff. Diese Unsicherheit sollen Betrüger zwischen 2010 und 2012 ausgenutzt haben. Seit Freitag stehen zwei Männer und eine Frau vor dem Landgericht Stuttgart. Sie sollen mit erlogenen Goldgeschäften 26 Anleger, auch aus dem Großraum Stuttgart, geködert haben. Der Schaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf rund zwei Millionen Euro.

Nur einer der 51 bis 65 Jahre alten Angeklagten sagt am ersten Prozesstag vor der 10. Wirtschaftsstrafkammer unter Vorsitz von Richter Wolfgang Schwarz aus. „Ich war von der Geschäftsidee überzeugt“, sagt der Angeklagte. Er stellt sich als Betrogenen dar, der selbst eine Stange Geld verloren habe.

Er und seine Mitangeklagten sollen den Anlegern von äußerst lukrativen Geschäften mit dem An- und Verkauf von Reingold erzählt haben. Für die Anwerbung von Kunden hätte man eine Provision von drei Prozent der jeweiligen Anlagesumme bekommen sollen, so der Angeklagte. Zu Beginn sei diese Provision auch ausbezahlt worden, dann nicht mehr.

„Unglaubliche Renditen“

Die Legende der angeblichen Goldgeschäfte lautete, ein Geschäftsmann habe eine Goldmine und Goldschmelze in Afrika. Mit der Veredelung des Metalls seien unglaubliche Renditen zu erwirtschaften. Und: Gold sei eine sichere Anlagemöglichkeit und werde in Zeiten von niedrigen Zinsen oder sogar von Negativzinsen immer wertvoller. 26 Anleger bissen an, was sie später bitter bereuten.

Zwar hatten die Hintermänner mit einer Firma mit Sitz in der Schweiz laut Anklage knapp 333 000 Euro an angeblichen Renditen ausgeschüttet, um die Geldgeber in Sicherheit zu wiegen. Schließlich wollte man vermeiden, dass die „Goldkäufer“ zu intensiv nachforschten oder gar Anwälte einschalteten. Die restlichen Anlegergelder sollen die Männer allerdings für private Zwecke verwendet haben.

Ursprünglich war neben den zwei Männer und der Frau ein weiterer Mann angeklagt. Doch dieser Mann, der als einer der Drahtzieher des mutmaßlichen Millionenbetrugs gilt, ist wenige Wochen vor Prozessbeginn gestorben.

Vorsicht vor Fakeshops

Den Angeklagten wird bandenmäßiger Betrug vorgeworfen. Der Prozess, der bis Ende September dieses Jahres terminiert ist, wird am 26. Juni fortgesetzt.

Derzeit suchen Betrüger ihre Opfer meist nicht mehr mittels Hochglanzbroschüren, sondern übers Internet. Sie wollen vor dem Hintergrund der Coronakrise Kasse zu machen. Die Betrüger bieten online mit sogenannten Fakeshops, also falschen Läden, Gold an, das es gar nicht gibt. Geködert werden potenzielle Käufer mit angeblichen Neukundenrabatten in Höhe von mehreren Hundert Euro. Oft verwenden die Kriminellen dabei Namen und Adressen von seriösen Anbietern. Das Geld für Goldkäufe von ahnungslosen Kunden wird dann auf Konten umgeleitet, auf denen das Geld auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Der Fakeshop verschwindet ebenfalls.

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