Wegen des mutierten Coronavirus kappt die EU die Verbindungen zu britischen Insel. Was bedeutet das für Reisende und für den Warenverkehr? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Brüssel/Berlin - Großbritannien ist seit Montag weitgehend vom europäischen Festland abgeschnitten. Grund sind nicht die stockenden Brexit-Gespräche. Sondern Schutzmaßnahmen, die zahlreiche EU-Staaten ergriffen haben, um die Ausbreitung des mutierten Coronavirus zu erschweren. Flüge von der Insel aufs Festland finden nicht mehr statt, Zug- und Fährverbindungen sind ebenfalls unterbrochen. Die EU-Staaten versuchen, ihr Vorgehen zu koordinieren.
Sind die Verkehrsverbindungen nach und von Großbritannien ganz gekappt?
Die Verbindungen von der Insel aufs Festland sind in weiten Teilen gekappt, in der Gegenrichtung funktionieren sie aber weiter. Deutschland etwa untersagt seit Montagmorgen Passagierflugzeugen, die aus Großbritannien oder Nordirland kommen, die Landung. Die Regelung gilt zunächst bis zum 31. Dezember. Flüge von Deutschland in Richtung Großbritannien heben aber weiterhin ab. Auch zahlreiche andere EU-Länder haben Landeverbote verhängt. Frankreich und die Niederlande stoppten zudem den Fährverkehr von Großbritannien aus, womit vor allem die stark frequentierte Route von Dover nach Calais in einer Richtung dicht ist. Das Gleiche gilt für Züge durch den Kanaltunnel. Fahrten vom Festland auf die Insel sind aber weiterhin möglich.
Gelten die Einschränkungen auch für Frachttransporte?
Reine Frachtflüge von Großbritannien auf den Kontinent sind weiter gestattet. Das Gleiche gilt für unbegleitete Warentransporte, also etwa die Verschiffung von Containern. Da auch Fähren und Shuttlezüge in Richtung Insel fahren, ist der Lkw-Transport dorthin möglich. Die Einzelhandelsbranche in Großbritannien befürchtet gleichwohl, dass es zu Versorgungsengpässen kommen könnte. Denn Speditionen, die Kunden im Königreich beliefern, müssen damit rechnen, dass ihre Fahrer bei der Rückreise feststecken. Auch die deutsche Autoindustrie befürchtet, dass Lieferketten unterbrochen werden könnten. Großbritannien ist ein sehr wichtiger Markt für die deutschen Hersteller. Zum Teil wird auch dort produziert. „Viele Bauteile aus der deutschen Zulieferindustrie passieren mehrfach den Ärmelkanal, bevor das Fahrzeug fertig ist“, hieß es beim Branchenverband VDA.
Stimmen sich die EU-Staaten ab?
Als am Wochenende die Virus-Mutation in Großbritannien bekannt wurde, stoppten zahlreiche EU-Staaten auf eigene Faust den Verkehr. Der Grenzschutz ist eine nationale Angelegenheit, die Gemeinschaft hat hier keine Kompetenzen. Gleichwohl gibt es umfangreiche Bemühungen für ein gemeinsames Vorgehen. Am Montag fand in Brüssel ein Treffen auf der Ebene der EU-Botschafter statt, das aber ohne konkrete Ergebnisse blieb. Die EU-Staaten haben zum Teil sehr unterschiedliche Interessen: In Polen etwa konnten am Montag noch Flugzeuge aus Großbritannien landen. Auf der Insel leben rund 900.000 Polen, etliche von ihnen wollen über die Weihnachtsfeiertage ihre Familien besuchen. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte: „Wir werden uns bei den weiteren Schritten, insbesondere wie die Maßnahmen auch über den 31.12. dieses Jahres hinaus gestaltet werden, sehr eng mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union abstimmen.“ Damit solle verhindert werden, dass ein Einreisestopp über andere EU-Mitgliedstaaten umgangen wird.
Schränken auch nicht-europäische Länder den Verkehr ein?
Ja. Staaten wie Russland, Indien und Kanada gestatten Flugzeugen, die aus Großbritannien kommen, ebenfalls keine Landungen. Saudi-Arabien, Kuwait und der Oman stoppten alle internationalen Flugverbindungen. Israel untersagt allen Ausländern die Einreise.
Können Deutsche die Insel verlassen?
Das ist eine der Fragen, die jetzt rasch von der Politik geklärt werden müssen. Eine Rückhol-Aktion wie im Frühjahr plant die Bundesregierung derzeit nicht. Diese Frage stelle sich „im Moment aus unserer Sicht nicht“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Montag. Bundesbürger, die in Großbritannien festsitzen, sollten zunächst dortbleiben. Anders sieht es für Reisende aus, die aus Südafrika kommen: Weil in dem Land ebenfalls das mutierte Coronavirus zirkuliert, sollen Flüge von dort nach Deutschland voraussichtlich ab Dienstag untersagt werden. Die Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, zurzeit gebe es noch andere Rückreisemöglichkeiten. Wie viele Deutsche im Ausland festsitzen, ist nicht bekannt. Reisende, die auf den letzten Drücker in Deutschland landen konnten, mussten sich in vielen Fällen Corona-Tests unterziehen und zum Teil in den Flughäfen auf Feldbetten übernachten. Bei den Tests soll es mindestens zehn positive Befunde gegeben haben.