Der Neubau der Moschee des Islamverbands VIKZ in Leinfelden-Echterdingen: Das geplante Schülerwohnheim bleibt umstritten. Foto: Malte Klein

Innenexperten aus Bund und Land fordern eine strengere Überprüfung der Schülerheime des VIKZ. Leinfelden-Echterdingen wehrt sich gegen den Bau.

Stuttgart - Ein Bericht unserer Zeitung über die umstrittene Pädagogik in den Schülerheimen des Verbands Islamischer Kulturzentren (VIKZ ) hat in der Politik ein großes Echo ausgelöst. Reinhold Gall, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD im Landtag, findet deutliche Worte: „Der VIKZ und seine Moscheevereine stehen für eine erzwungene Geschlechtertrennung und betreiben statt Integration eine abgeschottete Erziehung, die nicht für einen weltoffenen Islam, sondern für Abgrenzung und auch für Intoleranz steht.“

Auch der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir (Grüne) betonte: „Bei der Akzeptanz von Grundrechten und der Freiheit Anderer gibt es keinen Rabatt. Wer es mit unserem Grundgesetz hält, muss die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördern, muss sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Homophobie einsetzen“, so der Grüne. Birgül Akpinar, Integrationsexpertin im CDU-Landesvorstand, warnte: „Die Politik sollte sich von den Anzügen und Krawatten der VIKZ-Vertreter nicht blenden lassen, sondern sich mit dem intransparenten Innenleben des Verbands beschäftigen.“ Dabei werde man feststellen, dass „unsere westliche Lebensweise für diesen Verband nicht erstrebenswert“ sei. Ziel der türkisch-islamischen Organisation sei „eine rein islamisch geprägte Gesellschaftsordnung“.

Vorwurf der Indoktrination

Zum VIKZ gehören deutschlandweit 300 Moscheegemeinden, darunter 45 in Baden-Württemberg. Die drittgrößte Organisation türkischer Muslime in Deutschland betreibt im Südwesten elf genehmigte Schülerwohnheime für 237 Kinder im Alter zwischen 12 und 18 Jahren. Zudem führt sie am Wochenende islamischen Religionsunterricht für knapp 3000 junge Menschen durch, schätzen Experten. In Leinfelden-Echterdingen will der örtliche VIKZ-Ableger, der Verein für Kultur und Bildung (VKBI), ein neues Heim für 26 junge Menschen errichten. Doch der Gemeinderat entschied jetzt mit klarer Mehrheit, das dem Moscheeverein bereits in Erbpacht überlassene Baugrundstück wieder zurückzukaufen. Oberbürgermeister Roland Klenk (CDU) begrüßte die Entscheidung: „Damit bleiben wir Grundstückseigentümer und behalten die Kontrolle.“ Sein Ziel: Der VKBI soll seine neue Moschee in der Fildergemeinde fertig bauen, das geplante Schülerheim aber nicht mehr errichten. Auch er hegt ernsthafte Zweifel an der Integrationsbereitschaft des VIKZ.

Der Islamverband weist den Vorwurf von Indoktrination und „Gehirnwäsche“, den Experten in unserer Zeitung erhoben, zurück. „Wir bekennen uns ganz klar zum Grundgesetz“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des VKBI. Zudem wird betont, man sei „parteipolitisch neutral“. Seltsam nur, dass man unter dem Dach der Vereinigung Türkischer Vereine im Landkreis Göppingen mit den türkischen rechtsradikalen Grauen Wölfen, der Ditib und den rechtsnationalen Gruppierungen ATB und Atib zusammenarbeitet sowie im Koordinierungsrat der Muslime (KRM) mit den als extremistisch eingestuften Milli Görüs und den Muslimbrüdern. Selbst die vom VIKZ in Auftrag gegebene Studie von Ursula Boos-Nünning stellt keinen Persilschein aus. Auch diese Expertin spricht von „Selbstisolation“ und findet verbreitete traditionelle religiöse Haltungen.

Quer durch alle Parteien ist man sich einig: Bei der Genehmigung der Heime müssen mehr „tatsächliche Inhalte und Werte und was tatsächlich stattfindet“, überprüft werden, so Judith Skudelny, Stadträtin in Leinfelden-Echterdingen und FDP-Bundestagsabgeordnete. „Viel zu lange wurde unter dem Deckmantel der Toleranz und aus Bequemlichkeit weggeschaut“, meinte der AfD-Innenpolitiker Lars Patrick Berg.

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