Modernität und ultrakonservativer Islam: Doha, die Hauptstadt des Golf-Emirats Katar. Foto: Oleksandr/Adobe Stock

Der politische Islam ist auf dem Vormarsch in Deutschland. Auch dank ausländischer Geldgeber wie Katar. Wann endlich schreitet die Politik ein, fragt unser Kommentator Michael Weißenborn.

Stuttgart - Verfassungsschützer warnen immer deutlicher vor dem Vordringen des politischen Islams. Dieser Islamismus sei gefährlicher als der Dschihadismus, weil sie ihr Ziel – die Errichtung eines islamischen Staates – auf legalem Weg zu erreichen suche. Jetzt erhellen die beiden französischen Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot eine weitere Dimension der Gefahr: Mit ihren „Qatar Papers“ können sie zum ersten Mal belegen, wie das fundamentalistische Emirat Katar europaweit – auch in Deutschland – ein den Muslimbrüdern nahe stehendes Netzwerk unterstützt hat, um den Islam der Muslimbrüder zu exportieren.

 

Und was tun Regierungen in Bund und Ländern mit den Warnungen? Bisher nicht viel. Trotz Auftritten islamistischer Gelehrter, trotz demokratie- und menschenrechtsfeindlicher Ausrichtung, trotz offener Hitler-Verehrung des des wichtigsten religiösen Führers, Yusuf al-Qaradawi, lässt man die Muslimbruderschaft, die weltweit größte und einflussreichste Islamisten-Organisation, im Land gewähren. Fördert sie auch mit Steuergeldern.

Unvereinbar mit der Demokratie

Dies muss sich ändern. Denn die von der Bruderschaft in einem immer dichteren Netz aus Vereinen und Organisationen verbreitete politische Auslegung des Islams verhindert das Ankommen in der Mehrheitsgesellschaft. Dagegen wandte sich auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron beim Besuch einer aus Katar finanzierten Moschee in Mulhouse. Er wolle nicht den Islam stigmatisieren, betonte er. Er wehre sich gegen diejenigen, die mit der Religion politische Ziele verfolgten. Er hat recht: Der islamistische Separatismus ist unvereinbar mit den Werten der freien Demokratie.

michael.weissenborn@stzn.de