In der Glemsaue wird es vorerst keinen Regionalentscheid geben. Foto: /Foto: factum/Archiv

Das Schulzentrum in der Ditzinger Glemsaue wird dieses Jahr kein Ort für Nachwuchsmusiker des Landkreises. Wegen Corona fällt der Regionalentscheid aus.

Ditzingen - Könnte Manfred Frank, wie er wollte, dann hätte der Leiter der Ditzinger Jugendmusikschule dieser Tage Stress. Er würde Termine koordinieren und Hotelzimmer für die Jury buchen und alles in allem dafür Sorge tragen, dass der Regionalentscheid von Jugend musiziert reibungslos abläuft. Seit etlichen Jahren wird der Wettbewerb in der Stadt im Strohgäu ausgetragen, Frank ist der Leiter des Regionalausschusses. Der Wettbewerb hätte Ende Januar stattgefunden.

Der Zeitplan lässt keinen Spielraum

Dass der Regionalentscheid in diesem Jahr Corona-bedingt nicht in vertrauter Weise würde stattfinden können, war schon lange entschieden. Nun aber ist klar, dass auch die Alternative keinen Bestand hat. „Es wird keinen Regionalwettbewerb für die Altersgruppen drei bis sieben geben“, sagt Frank. Das betrifft alle zwischen 13 und 20 Jahren, also all jene, die sich theoretisch für den Landeswettbewerb qualifizieren könnten. Statt dessen werden die Teilnehmer direkt an den Landeswettbewerb weitergeleitet. Für die Jüngeren, die höchstens elf sind oder dieses Jahr werden, soll es separate Regionalentscheide geben. „Über den Termin ist noch nicht entschieden“, sagt Frank. Klar ist aber, dass dies so schnell wie es Corona zulässt, geschehen soll. „Wenn man fünf, sechs Monate hinterherhinkt, macht das keinen Spaß mehr“, sagt Frank. Die Zeit drängt, vor allem deshalb wurde der Entscheid abgesagt. Denn an den Terminen sowohl für den digitalen Landesentscheid Ende März als auch für das Wertungsspiel auf Bundesebene soll festgehalten werden. Letzteres ist Ende Mai in Bremen.

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Wer am Landeswettbewerb teilnimmt, muss seine Musikvideodateien bis 5. März an den Landesmusikrat geschickt haben. Das Wettbewerbsprogramm muss nicht am Stück, sondern kann auch Satz für Satz aufgezeichnet werden. Das ist die einzige Änderung. Denn für die Jury bleibt es unter Einhaltung der Corona-Vorgaben beim gewohnten Verfahren. „Die Jury sitzt beieinander und das Video wird genau einmal abgespielt“, erklärt Manfred Frank. Gleichwohl müssen die Juroren durch den Wegfall der Regionalentscheide dieses Jahr deutlich mehr Teilnehmer bewerten als sonst.

Videos zu erstellen, sollte kein Problem sein, meint Frank. Es wird nur eine Einstellung verlangt, Kameraschwenks sind also nicht erforderlich. Das Video könne mit dem Handy erstellt werden oder – sollte man bis dahin wieder in die Jugendmusikschule können – auch in deren Räumen aufgenommen werden.

Ein Ort des musikalischen Wettstreits

Eine Videoaufzeichnung werde heute schon als Hilfsmittel im regulären Präsenzunterricht eingesetzt, sagt Frank. Darin sieht er keine Schwierigkeit. Aber bei allem Optimismus sagt er auch: „Ganz euphorisch bin ich nicht.“ Für die Jugendlichen könne es einerseits gerade jetzt wichtig sein, auf ein Ziel hinzuarbeiten. Andererseits könnte der Start gleich auf Landesebene die Teilnehmer auch unter Druck setzen. Es sei durchaus möglich, dass deshalb der ein oder andere absage.

Auch wenn er Regionalentscheid heißt, messen sich Musiker aus dem Landkreis. Normalerweise spielen die Jüngsten erstmals vor unbekanntem Publikum. Die Ältesten, junge Erwachsene, spielen hingegen vor allem für die Jury, die den Landes- oder später gar Bundeswettbewerb erreichen wollen. Sie alle treffen im Schulzentrum in der Glemsaue aufeinander. Das ist erfüllt von einem bunten Stimmengewirr: von den Eltern, die mit ihrem Kind gespannt auf den großen Moment hinfiebern, von den jungen Musikern, die sich einmal im Jahr, beim Wettbewerb freundschaftlich begegnen. Frank setzt darauf, dass dies im nächsten Jahr wieder so sein wird. „Vielleicht lässt uns Plan B erkennen, wie gut eigentlich Plan A ist.“

Jugend musiziert ist nach eigenen Angaben der weltweit größte Jugendmusikwettbewerb. In der Vergangenheit haben landesweit bei 23 Regionalwettbewerben Jahr für Jahr im Schnitt rund 5000 Instrumentalisten und Sänger ihre Fähigkeiten gezeigt und sich dabei mit Gleichgesinnten ausgetauscht. Die Wertungsspiele sind öffentlich und kostenlos. In Ditzingen gibt es am Ende des Wettbewerbswochenendes stets ein Konzert in der Stadthalle.

Jugend musiziert wird nach eigenen Angaben von den Sparkassen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene mit einem Fördervolumen von mehr als einer halben Million Euro jährlich unterstützt. Die ersten Preisträger des Landeswettbewerbs werden zum Bundeswettbewerb weitergeleitet. Die ersten Bundespreisträger aus dem Land Baden-Württemberg werden im Rahmen eines Konzerts im Weißen Saal des Neuen Schlosses in Stuttgart geehrt. Sie erhalten Stipendien.

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