Traditionell spielt der Musikverein Altbach am 24. Dezember an vielen Stellen im Ort – in diesem Jahr nicht. Foto: Schleith/oh

Nach 72 Jahren – ohne Unterbrechung – kann der Musikverein Altbach die Bevölkerung erstmals nicht auf Weihnachten einstimmen. Das Heiligabendspiel fällt coronabedingt aus.

Altbach - Auf lieb gewonnene Gewohnheiten zu verzichten, darauf haben sich die meisten Menschen in diesem Jahr eingestellt – oder vielleicht besser, einstellen müssen. Richtig schmerzhaft wird es allerdings, wenn echte Traditionen Corona-bedingt nicht fortgeführt werden können. In Altbach ist das heuer der Fall: Der örtliche Musikverein kann sein „Heiligabendspiel“ nicht wie gewohnt zelebrieren. „Für uns war es schon sehr schmerzlich, alle geplanten Feste und Auftritte abzusagen: das Frühjahrskonzert, das Musikfest, den Auftritt beim Dorffest und das Herbstkonzert. Aber das Heiligabendspiel – da schmerzt allen Musikerinnen und Musikern das Herz ganz besonders“, sagt die Pressewartin Hannelore Schleith.

Und sicher nicht nur denen. Denn so sehr die Vereinsmitglieder, die meist in zwei Gruppen mit insgesamt rund 30 Leuten aller Altersklassen durch den Ort gezogen sind, dem Nachmittag des 24. Dezembers entgegenfieberten, so sehr freuten sich die Altbacherinnen und Altbacher auf die musikalische, weihnachtliche Einstimmung. „Für viele, die alleine leben und sich entsprechend einsam fühlen, waren unsere Kurzauftritte die einzige Freude und der Kontakt zu den Musikanten der einzige, den sie an Heiligabend hatten“, weiß Hannelore Schleith aus unzähligen Gesprächen zu berichten. Die oft gestellte Frage, „Ihr kommt doch wieder und spielt bei uns“, habe man in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt mit „Nein“ beantworten müssen, ergänzt sie.

Seit 1948 bei Wind und Wetter losgezogen

In der Tat ist das Heiligabendspiel seit 1948 nicht ein einziges Mal ausgefallen. Ob bei Regen oder Schnee, bei eisigem Wind oder beißender Kälte , der Musikverein hat seine rund 30 Stationen immer angesteuert, um die Bürgerinnen und Bürgerinnen mit ihrem „Stille Nacht“ zu erfreuen. „Wir haben die Instrumente und uns selbst wetterfest verpackt, sind losgezogen, haben musiziert, die Handschuhe wieder übergestülpt und sind weitermarschiert“, erläutert Hannelore Schleith den Ablauf. In diesem Jahr, so sei es geplant gewesen, hätten im Neubaugebiet die zugezogenen Altbacher mit dem schönen Brauch vertraut gemacht werden sollen. Erstmals wäre auf dem dortigen Teckplatz gespielt worden, berichtet sie.

Jetzt aber ist alles anders. Das Musizieren, das Zuhören, die Begegnungen, die Gespräche, das gemeinsame Genießen von heißen Getränken, von Gutsle und anderen Leckereien bleibt aus. Und auch die eine oder andere Spende für die Jugendarbeit muss sich sich der Verein nun auf anderem Weg organisieren. Dass die Tradition wegen der Pandemie pausieren muss, haben die Mitglieder des Musikvereins natürlich akzeptiert. „Dennoch sind wir alle der Meinung, dass ein Heiligabend ohne Heiligabendspiel kein Heiligabend ist.“ Die Pause tue deshalb weh. „Umso mehr schauen wir aber nach vorn und freuen uns auf 2021“, betont Schleith.

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