Susanne Götz behilft sich selbst auch ab und an mit einer App, um Instrumente zu stimmen. Foto: Claudia Barner

Handys und Tablets gehören heute zum Musikunterricht wie das Cello und die Geige. Die Musikschulleiterin von Waldenbuch sieht das Thema zwiespältig. Einerseits sieht sie in Apps geniale Hilfsmittel, andererseits warnt sie vor Gefahren.

Waldenbuch - Die Digitalisierung macht vor den Unterrichtsräumen der Musikschulen nicht halt. Das Handy oder Tablet haben immer mehr Musikschüler genauso selbstverständlich im Gepäck wie ihre Geige, die Gitarre und die Notenblätter. Das Angebot an Apps für den Musikunterricht ist groß. Doch noch gibt es keine verbindlichen Regeln für die praktische Anwendung der smarten Hilfsmittel. Und nicht jeder Musiklehrer hält die digitalen Medien auch für eine pädagogische Bereicherung. Die Waldenbucher Musikschulleiterin Susanne Götz will deshalb nun Klarheit schaffen. Ihr Kollegium soll sich bei einem regionalen Fortbildungstag in Renningen im März mit dem Thema auseinandersetzen.

Viele der Hilfsmittel seien genial

Für Susanne Götz gehört der Einsatz von Smartphone und Tablet im Unterricht seit etwa fünf Jahren zum Alltag. „Die Schüler kommen mit dem Handy und spielen mir Songs vor, die sie gerne lernen möchten. Andere haben entdeckt, dass es Apps gibt, die dabei helfen, das Instrument zu stimmen, oder sie nehmen Stücke auf und unterlegen sie mit Klangeffekten“, erzählt sie. „Viele Hilfsmittel sind genial. Aber man muss wissen, wie man sie sinnvoll einsetzt“, sagt sie. Die Waldenbucher Musikschulchefin ist offen für die technischen Neuerungen. Auch sie aktiviert eine App auf ihrem Tablet, wenn kurz vor einem Konzert das Cello noch gestimmt werden muss. Oder sie nutzt das Internet, um mit eigenen Veröffentlichungen auf den Markt zu gehen.

CDs haben durch die digitalen Möglichkeiten an Bedeutung verloren. Das gilt auch für den Unterricht. „Ich habe Schülerinnen und Schüler, die nehmen meine Version des aktuellen Stücks mit dem Handy auf und hören sich die Aufzeichnung beim Üben zu Hause immer wieder an“, berichtet Susanne Götz. Auch vor gemeinsamen Auftritten von mehreren Schülern kann es sinnvoll sein, den virtuellen Part des Mitspielers jederzeit abrufen zu können.

Es stellen sich auch rechtliche Fragen

Beim Einsatz der digitalen Lern- und Übe-Begleiter hat die Musikschulchefin festgestellt: „Wir müssen die Kinder und Jugendlichen im Umgang mit diesen Medien schulen.“ Dabei hat Susanne Götz nicht nur die technischen Aspekte im Blick. „Es stellen sich häufig auch rechtliche Fragen“, sagt sie. Die Musikpädagogin hat für ihre Schüler feste Regeln definiert. Dazu gehört zum Beispiel die Maxime: „Was im Unterricht ist, bleibt im Unterricht.“ Das heißt: Tonaufnahmen oder Videos dürfen nicht im Internet verbreitet werden.

Auch zum Herunterladen von Musik, Noten oder Apps gibt es Tipps von der Musikschulleiterin. Wer sich zum Beispiel in virtuellen Online-Bibliotheken für Musiknoten – wie der Internetseite www.imslp.org – bedient, ist dazu angehalten, genau hinzuschauen, ob das Herunterladen kostenfrei ist oder ob etwas bezahlt werden muss. „Ich empfehle, erst mal online zu schauen, ob den Schülern ein Stück liegt. Wenn es passt, können dann die Noten dazu bestellt werden“, sagt Susanne Götz.

Wenn das Tablet unverzichtbar wird für Musiker

Immer mehr Lehrer an der Waldenbucher Musikschule nutzen die digitalen Möglichkeiten. Im Besprechungszimmer steht ein Laptop, das für alle frei zugänglich ist und in jedem Unterrichtszimmer eingestöpselt werden kann. „Vor allem jene Kollegen, die in einer Band spielen, kennen sich mit den technischen Raffinessen aus. Unsere Jazzer arbeiten alle mit Playalong-Apps wie zum Beispiel iReal pro“, sagt Susanne Götz. Auch ihr Ehemann Horst Götz gehört dazu. Bei seinen Kompositionen für die Waldenbucher Reihe Art & Music ist das Tablet unverzichtbares Arbeitsmittel. Und bei den Auftritten mit seinen Bands, vernetzt er sich über eine App mit dem Mischpult.

Doch es gibt in der Schönbuchstadt auch Musikpädagogen, die gar kein Handy besitzen und noch nie selbst ein Tablet in der Hand gehalten haben. „Das ist in Ordnung, aber ich gehe davon aus, dass man sich dem Trend auf Dauer nicht verschließen kann“, sagt Susanne Götz. Für ihr Kollegium ist eine Fortbildung im März zu genau dieser Thematik deshalb verpflichtend. „Ich erhoffe mir, dass das jene, die bisher noch keinen Zugang zu dem Thema hatten, die Möglichkeiten erkennen und einen Weg finden, sorgsam und wohldosiert damit umzugehen.“

Denn auch das ist der Waldenbucher Musikschulleiterin wichtig: „Die Kommunikation im Unterricht und die Kreativität dürfen durch die digitalen Lernwerkzeuge nicht verloren gehen.“

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