Nicht nur die Stadt Filderstadt feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag, sondern auch die Musikschule. Sie kann auf eine echte Erfolgsgeschichte zurückblicken.
Es ist das Jahr der großen Jubiläen in Filderstadt. Die Stadt selbst feiert ihren 50. Geburtstag, die Filderklinik ebenfalls, der Musikverein Plattenhardt seinen 100., der Sängerbund Sielmingen sogar den 125., und auch die Musikschule Filderstadt, besser bekannt unter dem Namen Filum, befindet sich im Jubeljahr. Sie wird heuer ebenfalls 50. Im Oktober 1975 vereinigten sich die drei Jugendmusikschulen Bernhausen, Bonlanden und Plattenhardt zur Musikschule Filderstadt. Mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler lernten fortan unter einem Dach. Zunächst war die neue Musikschule in der Pestalozzischule untergebracht, 1979 folgte der Umzug nach Bernhausen ins Gebäude Fröbelstraße 3. Katrin Bleier, die heutige Filum-Leiterin, war damals Klarinettenlehrerin dort und musste mitunter wegen fehlender Räume im Heizungskeller und im Lehrerzimmer unterrichten. Auch ihr heutiger Stellvertreter Jochen Immesberger hat noch lebhafte Erinnerungen an die alte Musikschule. „Das war schon beengt. Man hat schon jonglieren müssen“, erzählt er.
Schicker Neubau mit inklusiver Gastronomie
2016 folgte dann das, was Katrin Bleier als Meilenstein bezeichnet: der Umzug ins nagelneue Gebäude an der Poltawastraße. Die Finanzierung des 13-Millionen-Euro-Projekts wurde durch die Karl-Schlecht-Stiftung gestemmt. Bis heute unterstützt sie die Musikschule durch einen jährlichen Zuschuss. „Wir können nicht genug betonen, wie dankbar wir sind, hier arbeiten zu dürfen“, sagt Katrin Bleier. Der schicke Neubau habe nicht nur ganz neue pädagogische Möglichkeiten eröffnet, er sei mit seiner inklusiven Gastronomie im Foyer, betrieben durch die Karl-Schubert-Gemeinschaft, ein Begegnungsort. „Man kann hier verweilen“, sagt Jochen Immesberger.
75 Lehrkräfte, 15 Fachbereiche, etwa 5000 Kinder und Erwachsene, die erreicht werden, kann das Filum heute vorweisen. Über 140 Kooperationsprojekte ist die Bildungseinrichtung in nahezu allen Schulen in der Stadt vertreten, hinzu kommen Kooperationen mit vielen Kindergärten sowie mit sechs Altersheimen. Kinder, die in örtlichen musiktreibenden Vereinen Mitglieder sind, bekommen die Ausbildung in der Musikschule vergünstigt. Sie alle, ob jung oder alt, stoßen auf mitunter außergewöhnliche Angebote. Seit 2022 gibt es beispielsweise das Ensemble FriWiFi, kurz für „Frischer Wind in Filderstadt“, in dem erwachsene Wiedereinsteiger ihr Instrument wiederentdecken. Ob innovative Kammermusik, intensive Studienvorbereitung in der Talentakademie, Stipendienprogramme oder Folkloreensemble, „wenn jemand Interesse hat, mehr zu machen, gibt es hier viele Möglichkeiten“, sagt Katrin Bleier. Diese Förderung zahlt sich aus. Das Jugendsinfonieorchester hat jüngst den zweiten Platz beim Deutschen Jugendorchesterpreis geholt.
Teil der kulturellen Daseinsvorsorge
Durch diese Vielfalt konnte das Filum die Schülerzahlen in der Vergangenheit kontinuierlich steigern. Etwa fünf bis zehn Prozent der Lernenden sind Auswärtige. „Das liegt schon auch am Ruf des Filums“, sagt Katrin Bleier. „Und an den Lehrkräften“, fügt Jochen Immesberger hinzu. Im Zweifelsfalls, etwa bei finanziellen Engpässen in Familien, springe zudem unterstützend der Förderverein ein. Die Leiterin betont, die Musikschule ist für alle da. „Wer möchte, der kommt an uns nicht vorbei“, sagt sie lächelnd. Für sie ist das alles aber nicht nur eine Spielerei. „Wir gehören zur kulturellen Daseinsvorsorge. Wir tragen zur Grundbildung der Menschen in Filderstadt bei“, betont sie. Stadtverwaltung und Gemeinderat sehen das offensichtlich auch so. Das Filum wird finanziell gut ausgestattet, „hier in Filderstadt ist das was wert“, lobt sie, des Weiteren finanziert sich die Musikschule eben über die Karl-Schlecht-Stiftung, über Entgelte und Landesmittel.
Das Filum hat auch künftig viel vor. Im kommenden Jahr steht für viele Schülerinnen und Schüler eine Konzertreise nach Island an. Am 1. Januar 2026 soll die neue Musikschul-App starten, zur Digitalisierung gehöre auch eine Umstellung auf Tablets. Ansonsten geht es Katrin Bleier vor allem darum, die Qualität zu erhalten. „Immer weiter wachsen geht nicht“, sagt sie. Und eines ist ihr besonders wichtig: „Dass wir als Einrichtung für Demokratie und Weltoffenheit stehen.“
Eine ganze Festwoche zum Jubiläum
Programm
Das Filum hat anlässlich seines 50-Jahr-Jubiläums ein umfangreiches Festprogramm zusammengestellt. Vom 18. bis zum 25. Oktober läuft die Festwoche. Vieles findet intern in besonderen Unterrichtseinheiten statt, täglich sind aber auch, zumeist am Nachmittag und am Abend, mehrere öffentliche Konzerte. Laut Katrin Bleier, der Leiterin, sind sämtliche Fachbereiche involviert. Das Programm ist auf www.musikschule-filderstadt.de hinterlegt. Am 18. Oktober startet zudem um 18 Uhr der große Festakt in der Filharmonie. Auftreten werden bei der Gelegenheit diverse Ensembles, unter anderem das Jugendsinfonieorchester und Kinder aus den Singgrund-Chören. Zudem werden Grußworte, ein Gesprächskreis und ein anschließender Sektempfang angekündigt. Die Veranstaltung ist öffentlich. car