Die Proteste – hier am 23. Juli in Stuttgart im Theaterhaus – zeigen Wirkung. Foto: Thomas Staiber

In der aktuellen ­Diskussion über Einsparungen in Millionenhöhe bei den fünf Musikhochschulen im Land ist das Konzept von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) wohl weitgehend vom Tisch. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte angekündigt, dass Bauers Pläne überarbeitet werden sollen.  

Stuttgart - Rudolf Meister darf sich als Gewinner sehen. Der Präsident der Musikhochschule in Mannheim hatte in den vergangenen Wochen vehement gegen die Pläne der baden-württembergischen Landesregierung protestiert, die fünf Musikhochschulen im Land konzeptionell neu aufzustellen.

In mehreren Runden hatte Meister Landespolitiker nach Mannheim geladen – und wie bestellt hatte Claus Schmiedel, Fraktionschef der Mit-Regierungspartei SPD, schon vorab für heftiges Knirschen in der von den Grünen dominierten Koalitionsregierung gesorgt. Unsinn seien die Pläne der Landesregierung, polterte Schmiedel denn auch in Mannheim – da half auch eine nachgeschobene Erklärung nicht mehr, die Landesregierung sehe ihre Linie als Beginn einer umfassenden Bestandsaufnahme. Der Eklat war da – und brachte vor allem Theresia Bauer (Grüne, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst) in Erklärungsnot. Zählte sie bisher eher zu den Gewinnern im Kabinett, sollte sie plötzlich zu forsch vorgegangen sein. Die Wogen gingen und gehen hoch – da half nur noch ein freundlicher Hinweis aus dem Regal der Basta-Politik. „Wir haben verstanden“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag bei seinem Besuch in Mannheim.

Beginnt also die Diskussion um die Musikhochschulen noch einmal von vorne? Werden die fünf Millionen Euro, die bei den fünf Hochschulen im Land nach Meinung des Landesrechnungshofs eingespart werden können und nach dem Willen einer Expertenkommission besser im Rahmen einer Neuordnung denn durch Kürzungen an allen Standorten („Rasenmäher“) erbracht werden sollen, noch einmal hinterfragt? Rudolf Meister ist sich da nicht so sicher: „Was das Signal von Herrn Ministerpräsident Kretschmann wert ist, werden wir erst in einigen Wochen wissen“, sagte Meister am Mittwoch in Mannheim.

Studiengang Jazz und Pop an der Musikhochschule Stuttgart gesichert

Zu viel Verwirrung ist immer noch in der Gesamtdiskussion. Überraschten schon die Verantwortlichen der fünf Hochschulen durch eher gegensätzliche Positionen, agierte jüngst Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) als Mitentscheider über die Hochschulpolitik des Landes. Der Studiengang Jazz und Pop an der Musikhochschule Stuttgart sei gesichert, ließ Kuhn via „Stuttgarter Zeitung“ wissen, um doch eigentlich nur seiner Hoffnung Ausdruck zu geben, dass dies so kommen möge.

Im Interesse auch des Handels scheint das Thema Jazz jedenfalls zu sein: „Diese Jazzszene“, betont Hans H. Pfeiffer, City-Manager in Stuttgart, „gehört heute wie ein ­attraktives Handelsangebot zu den unverzichtbaren Elementen einer attraktiven Großstadt, die auch musikalisch in der ­ersten Liga spielen will.“

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