Die Musikhochschule in Stuttgart Foto: Leif Piechowski

Überraschende Wende in der von Protesten begleitete Debatte um die Zukunft der Musikhochschule in Stuttgart: „Die Hochschulleitung fordert nachdrücklich eine Beibehaltung der Studienfächer im Bereich der aktuellen Musik in Stuttgart.“

Stuttgart - „Nein“, betont Matthias Hermann auch nach zweimaliger Nachfrage, „eine Rolle rückwärts ist das nicht“. Hermann, ­Prorektor der Musikhochschule Stuttgart, spricht lieber davon, dass Überlegungen in einem unserer Zeitung vorliegenden Papier „auf einer Wahrnehmung ­beruhen“. Eine „Wahrnehmung“, die vor allem dem Schulterschluss von Studierenden, Lehrenden, der von Prominenten wie Jazzpianist Wolfgang Dauner angeführten Musikszene sowie Kulturpolitikern wie Stuttgarts Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) zu verdanken sein dürfte. Seit Wochen läuft der Protest gegen auf Expertenempfehlungen beruhende Pläne der Landesregierung, den von Bernd Konrad begründeten Studiengang Jazz und Pop an die Musikhochschule Mannheim zu verlagern.

„Die Hochschulleitung erklärt“, heißt es in Hermanns Erklärung von Montag, „dass sie zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Studienfächer zur Verlagerung angeboten hat.“ Gilt aber nicht Stuttgarts Rektorin Regula Rapp als Befürworterin einer ­solchen Verlagerung? „Als einer, der Stuttgarts Positionen mitformuliert hat“, sagt Matthias Hermann unserer Zeitung, „kann ich sagen, dass wir insgesamt über Schwerpunkte diskutiert haben.“

Mit Blick nach vorne ist dies entscheidend: „Die Hochschulleitung unterstützt die Studierenden in ihrem Engagement für den Erhalt kreativer, aktueller Musik im Großraum Stuttgart (,Junger Jazz’).“ Ziel sei, so Hermann, ein Profil, „das nachdrücklich für Innovation steht“. Ganz ­offiziell heißt es: „Die Hochschulleitung fordert nachdrücklich eine Beibehaltung der Studienfächer im Bereich der ­aktuellen Musik in Stuttgart und deren inhaltliche Weiterentwicklung.“

Gleichzeitig, so Hermann, spreche nichts gegen eine Schwerpunktbildung Jazz/Pop in Mannheim. Im Klartext: ­Hermann plädiert dafür, die aktuellen Proteste ernst zu nehmen, zugleich aber auch den Anspruch des Innovativen einzulösen. Jazz ja – aber bitte mit dem Nachweis des Dialogs im breiteren Feld der Neuen Musik. „Der gesamte Prozess“, sagt Hermann, „ist ein legitimer Ansatzpunkt, um inhaltlich zu neuen Dingen zu kommen.“

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