Kaja Wlostowska tritt am 10. November mit ihrer Marimba in der Musikhochschule auf. Foto: Oliver Röckle

Das Musikgymnasium des Ebelu stellt sich am Freitag wieder beim „Schaufensterkonzert“ in der Stuttgarter Musikhochschule vor. Auf dem Podium stehen außergewöhnlich talentierte junge Leute.

S-Nord - Werner Gann gehört zu den privilegiertesten Musiklehrern in ganz Baden-Württemberg: Der 58-Jährige ist am Ebelu im Stuttgarter Norden Abteilungsleiter des Musikgymnasiums. Er und seine fünf Kollegen unterrichten Mädchen und Jungen, die sich mindestens in einem Punkt von ihren Altersgenossen unterscheiden: Sie sind allesamt musikalisch hochbegabt. Wie sich das auf dem Podium anhört, das präsentieren die Gymnasiasten am Freitag, 10. November, beim „Schaufenster“-Konzert im Saal der Musikhochschule.

Seit September 2013 gibt es das Musikgymnasium am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, dessen Einrichtung die Ebelu-Chefin Karin Winkler über viele Jahre – und am Ende von Erfolg gekrönt – betrieben hat. Von Anfang an leitet Werner Gann diese Abteilung. Und er hat sichtlich Freude dran: „Hier sind alle gleich gepolt“, sagt der gebürtige Calwer, für den es als Pädagoge „der schönste Teil ist, den Schülern zur Seite zu stehen“.

Am Anfang steht eine Aufnahmeprüfung

Natürlich müssen die Kinder und Jugendlichen eine Menge mitbringen, wollen sie alleine die Aufnahme- und die jährlich anstehenden Prüfungen bestehen. Doch Druck, sagt Gann, „ist nicht das Mittel der Wahl – wir machen Angebote“.

Angebote, die es für die rund 80 Hochbegabten in sich haben. So arbeitet das Ebelu eng mit der Musikhochschule (HDMK) und der Stuttgarter Musikschule zusammen, die Gymnasiasten haben die Möglichkeit, dort Unterricht zu nehmen oder Lehrveranstaltungen zu besuchen – zusätzlich zu den vielen Musikstunden, die an der Schule auf dem Plan stehen. Außerdem haben die Instrumentalisten und Sänger in Polina Jakovleva von der Musikhochschule eine professionelle Korrepetitorin zur Seite. Und natürlich gibt es verschiedene Angebote wie Musiktheorie und Mitwirkung an Ensembles bis hin zum bald 80-köpfigen Sinfonieorchester. Wenn die jungen Leute zum Beispiel wegen einer Konzertreise Stoff in anderen Fächern verpassen, gibt es den sogenannten „Nachführungsunterricht“, für den Werner Gann ein eigenes Lehrer­deputat zur Verfügung hat.

Großes Einzugsgebiet

So ist es kein Wunder, dass die Plätze am Ebelu begehrt sind und das Musikgymnasium ein großes Einzugsgebiet hat. Auf ein Internat aber habe man bewusst verzichtet, sagt Gann: „Wir wollen, dass die Familie die Schüler auffängt.“

Dass dieses Konzept aufgeht und die Leistungen erbracht werden, zeigen die Zahlen: „Man kann zwar theoretisch rausfliegen“, sagt Gann, aber das sei noch nicht vorgekommen. Nur dass drei oder vier Schüler vom Musikgymnasium in den normalen Musikzug gewechselt hätten, weil sie sich dort besser aufgehoben fühlten.

Aus Mexiko per Video beworben

Die allermeisten aber ziehen das Musikgymnasium durch. So zum Beispiel die knapp 17-jährige Kaja Wlostowska aus der Kursstufe I. Ihre Familie ist extra wegen des Musikgymnasiums aus Polen nach Stuttgart gezogen; das Mädchen konnte anfangs kein Deutsch und kam deshalb fürs erste zu den deutlich jüngeren Fünftklässlern. Doch Kaja lernte rasend schnell und hat deshalb zwei Klassen übersprungen, eine davon sogar mitten im Halbjahr.

Anfängliche Sprachprobleme hatte auch der Deutsch-Mexikaner Christian Märkle, ein „Wahnsinnspianist“ (Gann), der für die Aufnahmeprüfung nicht mal eben von Mexiko City nach Stuttgart fliegen konnte. Er hat die strenge Jury deshalb kurzerhand per Video von seinem Talent überzeugt.

Und dann ist da noch die geigende Pianistin – oder klavierspielende Violinistin – Esther Hermann, die erst kürzlich in Möhringen mit dem Ebelu-Orchester Rachmaninovs zweites Klavierkonzert spielte und jetzt beim „Schaufenster“ den Kopfsatz aus Mozarts erstem Violinkonzert interpretiert: „Ich bin gespannt“, sagt Gann, „mit was sie weiter macht“.

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