Die Gaechinger Cantorey unter Hans-Christoph Rademann in der Stuttgarter Stiftskirche Foto: Schneider

Erstmals ist die Gaechinger Cantorey gemeinsam mit dem Nachbau einer historischen Silbermann-Orgel aufgetreten. Der Ensembleklang hatte Eigenart.

Stuttgart - Dunkel ist er, ziemlich dunkel. An den Rändern abgetönt, fast pastellen, vor allem aber wirkt er irgendwie: tiefergelegt. Wo andere historisch informiert musizierende Truppen in der Höhe zuweilen etwas Spirriges haben, wirkt das neue Stuttgarter Originalklang-Ensemble auf weiche Weise geerdet. Konzentriert, nein: zentriert – obwohl der Nachbau einer erst jüngst in Sachsen entdeckten Silbermann-Truhenorgel, den das Ehepaar Wirtz aus Stolberg der Internationalen Bachakademie finanzierte und der jetzt im Zentrum des instrumentalen Geschehens steht, niemals aufdringlich klingt oder bestimmend. Im Gegenteil: Manchmal nimmt man das schöne Instrument sogar eher mit den Augen wahr denn mit den Ohren.

Das mag an der Registrierung liegen. Es mag auch jenem Quäntchen Schüchternheit geschuldet sein, mit dem neue Pfade oft beschritten werden. Die dynamische Zurückhaltung mag aber auch einfach das erste Ergebnis auf einem künstlerischen Weg sein, der notwendig ein Tasten, ein Suchen ist. Schließlich weiß keiner ganz genau, wie Musik im Zeitalter des Barock geklungen hat, und es geht nicht um die Reproduktion eines nur ungefähr Bekannten, sondern um ein Ausprobieren all dessen, was zu bestimmten Noten in bestimmten Räumen passen könnte.

Das neue Instrument klingt noch etwas schüchtern

Fest steht immerhin: Etwa so, wie es am Dienstag in der Stiftskirche erstmals bei drei Bach-Kantaten zu hören war, soll die Gaechinger Cantorey der Zukunft klingen – und wenn sie etwa so klänge, dann könnte dieser Klang durchaus so besonders sein, nein, besser werden, dass man ihn von anderen unterscheiden kann. Dass er also ebendas wird, was der künstlerische Leiter des Hauses, Hans-Christoph Rademann, anstrebt: ein Markenzeichen, ein Alleinstellungsmerkmal.

Wäre dieses Ziel erreicht, dann könnte man alle Schüchternheit ablegen, also mehr Farben und Dynamik in der Orgel wagen und selbstbewusst auch jene Bach-Sätze mit der Orgel begleiten, bei denen man sich jetzt noch für das Cembalo entschied. Vor allem dieses Back-up wäre nicht nötig gewesen. Auch nicht um der Solisten Dorothee Mields, Terry Wey, Sebastian Kohlhepp und Andreas Wolf willen, die allesamt nicht nur glänzend und enorm ausdrucksstark sangen, sondern sich auch fein und manchmal fast ins­trumental ins orchestrale Klangbild ein­fügten.