Will mit dem neuen Festivalformat seine Gaechinger Cantorey nach oben bringen: Hans-Christoph Rademann Foto: M. Foerster/IBA

2019 fällt das Musikfest Stuttgart aus. Die Internationale Bachakademie strukturiert das traditionelle Festival neu: Ab 2020 ist ein neues, größeres Festival in Kooperation mit Staatsoper, SWR-Symphonieorchester und Stuttgarter Philharmonikern geplant.

Stuttgart - Zu wenig Besucher, zu wenig überregionale Strahlkraft: Die Internationale Bachakademie strukturiert das traditionelle Musikfest Stuttgart neu und verlegt es auf die zwei Wochen nach den baden-württembergischen Pfingstferien. Vom 12. bis 28. Juni 2020 soll das Festival erstmals in neuem, größerem Format stattfinden – dann in Kooperation mit der Staatsoper Stuttgart, dem SWR-Symphonieorchester und den Stuttgarter Philharmonikern als festen Partnern (eine Ausweitung auf das Stuttgarter Ballett, das Staatsschauspiel, das SWR-Vokalensemble und die SWR-Bigband ist angedacht). In der Beschlussvorlage zur Dezember-Sitzung des Ausschusses für Kultur und Medien im Stuttgarter Gemeinderat liest man, der neue Termin sei vor allem den Spielzeitplanungen der Kooperationspartner geschuldet. Dem widerspricht der Chefdramaturg der Bachakademie, Henning Bey: „Ausschlaggebend war vor allem die Tatsache, dass wir mit unseren eigenen Projekten Ende August/Anfang September ein bisschen im toten Winkel waren“. Nun erhofft man sich mehr Publikum als zuletzt – nicht nur durch die neuen Partner und das dadurch breitere, „barrierefreiere“ Programm, sondern auch durch den attraktiveren Veranstaltungszeitraum. Dann könnte man sogar das Format „Stuttgart singt“ mit noch mehr lokalen Chören vergrößern – weil die Sänger noch nicht im Urlaub wären. Und, ebenfalls nicht unwesentlich: Die Musikfest-Konzerte der Gaechinger Cantorey unter dem Akademie-Chef Hans-Christoph Rademann sind im Juni deutlich rentabler, weil man sie in der noch laufenden Saison auch andernorts noch präsentieren kann – so zum Beispiel schon 2020 beim Bachfest Leipzig.

Das Musikfest 2019 fällt aus

Zwei Wermutstropfen: Ende August wird es ziemlich still in Stuttgart sein, denn 2019 wird es kein Festival geben. „Die Bachakademie“, so Henning Bey, „hätte nicht zwei Musikfeste in einer Saison stemmen können.“ Auch die zeitliche Überlappung mit den Ludwigsburger Schlossfestspielen, die sich zudem ja zukünftig auch nach Stuttgart begeben wollen, ist nicht unproblematisch.

Fest steht immerhin: Das Musikfest soll weiterhin ein jährliches Festival bleiben und ein festes Thema haben. „Heilignüchtern“ heißt dieses 2020 – passend zum Hölderlin-Jahr und zur neuen Mischung von geistlicher und weltlicher Musik. „Wir wollen“, so Bey, „Künstler mit noch mehr Strahlkraft engagieren als bisher.“ Gleichzeitig wolle man das breite Musikleben der Stadt besser abbilden – in enger Zusammenarbeit auch mit der Stiftskirche und dem Hospitalhof. Die endgültige Bewilligung einer Verschiebung der Musikfest-Fördergelder von 2019 auf 2020 durch den Stuttgarter Gemeinderat steht noch aus.

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