Christoph Haas mit dem Muschelhorn, hier bei einem früheren Auftritt in der Ludwigsburger Friedenskirche Foto: Susanne Müller-Baji

Christoph Haas, Gabriele Dalferth und die Banda Maracatú haben die CD Visionen eingespielt. Darauf sind uralte, nachgebaute Instrumente zu hören.

Zuffenhausen - Die Vergangenheit klingt nach Trommeln und nach Knochenflöten, und sie geht auf einer in Zuffenhausen produzierten CD eine interessante Liaison mit der zeitgenössischen Percussion ein: Zusammen mit seiner Formation Banda Maracatú und Gastmusikern hat Christoph Haas eben die Einspielung „Visionen“ herausgebracht. Sie ist in ihrer Reduktion erstaunlich modern und dabei doch ein Brückenschlag zwischen den Jahrtausenden.

Als 2017 der Löwenmensch und seine Fundstätte am Rande der Schwäbischen Alb in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen wurden, zeigte sich einmal mehr, wie sehr man den frühen Menschen unterschätzt hatte: Die vor 35 000 bis 40 000 Jahren entstandene eiszeitliche Figur halb Mensch, halb Löwe beweist Kunstgefühl und Abstraktionsvermögen. 320 Stunden brauchte ein heutiger Archäotechniker, um mit den einfachen Werkzeugen eine Kopie aus Mammut-Elfenbein zu fertigen.

Und immerhin 100 Stunden mag ein Eiszeitmensch auf eine der für diese Zeit ebenfalls nachgewiesenen Flöten verwandt haben, was auch ein Zeichen für die kultische Bedeutung der Musik sein könnte. Man kann heute nur spekulieren, wie diese geklungen haben. Möglicherweise aber so, wie die Musikerin Gabriele Dalfehrt es nun in einigen Stücken auf „Visionen“ demonstriert. Sie begann ihre Karriere noch auf Quer- und Blockflöte, hat sich inzwischen aber den archaischen Flöten aus Schwanenflügel-, Rentier- und Hirschknochen und aus Mammut-Elfenbein verschrieben.

Schamanentrommeln, Schwirrhölzer und Muschelhorn

Mit Christoph Haas hat sie über die Jahre etliche Höhlenkonzerte im „Hohlem Fels“ auf der Schwäbischen Alb bestritten, bei denen die archaische Instrumentierung der vom Zuffenhäuser Musiker weiterentwickelten Musica Povera vor Ort belegt, welche Möglichkeiten in der Beschränkung liegen. Auf „Visionen“ spielt er so genannte „primitive“ Instrumente, die er auf der ganzen Welt gefunden hat, darunter Schamanentrommeln, Rasseln und Musikbögen, aber auch Schwirrhölzer und das imposante Muschelhorn. Begleitet wird er dabei von seiner Formation Banda Maracatú.

Das Ergebnis ist in den schnelleren der Haas’schen Kompositionen eine durchaus mitreißende Percussion-Einspielung, die aber nicht an die Wucht der Live-Auftritte heranreicht. Spannend sind die langsameren Stücke, weil sie einen Eindruck vermitteln, wie das damals geklungen haben könnte – in den Höhlen der Schwäbischen Alb: melodisch, aber voller Demut gegenüber der Natur. Dass so die Musik zum Brückenschlag zwischen den Jahrtausenden wird, erstaunt umso mehr, bedenkt man ihre Flüchtigkeit: „Betrachtet man die Geschichte der Menschheit, so gleicht die Zeit, seit der Musik aufgezeichnet werden kann, einem Wimpernschlag. Für alle Zeiten davor war es das Wesen der Musik: War sie verhallt, war sie für immer verschwunden“, schreibt Haas in dem informativen CD-Booklet.

Mit den sonst eher von Latin-Rhythmen geprägten Auftritten der Banda Maracatú hat diese CD wenig gemein; beim diesjährigen Zuffenhäuser Sommertrommelfest am 21. Juli soll dennoch ein modifiziertes Stück von „Visionen“ erklingen, kündigt Haas an. Dort wird die CD auch zum Verkauf angeboten. Geplant sind überdies weitere Höhlenkonzerte.

Info Hörproben zu „Visionen” gibt es auf www.the-ocean-of-rhythm.com; dort kann die CD auch bestellt werden. Das Sommertrommelfest findet am Samstag, 21. Juli, ab 18 Uhr an der Zuffenhäuser Zehntscheuer, Am Zehnthof 1, statt.

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