Christoph Mack, Philip Jost, Jeremias Heinz, Luis Deffner (v.l.) haben sich für Gelée Royale Zeit gelassen. Ihr nächstes Album ist bereits in der Vorbereitung. Foto: Verena Ecker/Verena Ecker

Die Esslinger Band Jamhed veröffentlicht ein neues Album und zeigt darauf ihre Professionalität. Gelée Royale deckt die Bandbreite von instrumentalen Stücken bis zum Sound des 90er-Indiepop ab. Wir stellen die Musiker und ihr neues Album vor.

Esslingen/Stuttgart - Wie man ohne Konzept anspruchsvolle Musik macht, die professionell und wenig austauschbar klingt, beweist gerade die Band Jamhed aus Esslingenund Stuttgart.

Die vierköpfige Gruppe veröffentlicht am 14. Dezember über das Stuttgarter Label Treibender Teppich Records ihr drittes Album, das den Titel Gelée Royale trägt. Christoph Mack, Philip Jost, Luis Deffner und Jeremias Heinz spielen seit 2007 zusammen und haben schon zahlreiche Konzerte – etwa am Stadtstrand – gegeben.

In Esslingen aufgewachsen, kennen sie sich teilweise aus dem Sandkasten. Differenzen über die musikalischen Vorstellungen der eigenen Musik gebe es trotzdem häufig. Laut Jost funktioniert die Band so gut, weil die vier befreundet sind. „Ich glaube, wir wären auch ohne die Musik Freunde, mit Musik ist es noch besser. Für uns ist es nicht selbstverständlich, dass wir seit zwölf Jahren eine Band sind. Wenn es unterschiedliche Meinungen gibt, wird diskutiert und ausprobiert“, so der 31-Jährige.

Kein Konzeptalbum dafür viel Komplexität

Das neue Album ist eine Sammlung verschiedenster Stücke, die mal treibend, mal ruhig, mal an den Sound der späten 1960er oder den Britpop der 90er erinnert. Insgesamt wenig Gesang, viel Instrumentales. „Es gibt Bands, die eine genaue Vorstellung von sich haben. Wir haben das nicht“, so Jost. Der Gitarrist, Sänger und kreative Kopf der Band sieht den Anspruch der Gruppe darin, echt klingende und mitreißende Musik zu machen. Gelée Royale erfüllt diese Ansprüche und vereint aufwendig produzierte und sehr unterschiedliche Lieder. Wie etwa die rockigen Stücke Appleteenie oder Big City Supercat. Träumerisch-psychedelische Ausflüge macht Jamhed mit Marble Slide oder etwa mit Pythia.

Das Video zu dem Song gibt’s hier:

Ihre Einflüsse von Bands wie etwa The Soundcarriers, The Velvet Underground, den Beatles, Einflüsse aus der Klassik und von Musikern wie Brian Jones oder Mac DeMarco kann man auf dem Album nachvollziehen.

Dort, wo Bands des Britpop eher ins Rotzige abdriften, wird es bei Jamhed träumerisch. Poppig, rockig, psychedelisch, aufwendig instrumentiert, 90er und 60er – ganz schön viel für ein Album, oder nicht? „Wir wollten kein Konzeptalbum machen, sondern haben uns einfach treiben lassen“, sagt der Schlagzeuger und Sänger Christoph Mack. Warum auch ein strenges Gerüst verfolgen, wenn man sich unterschiedlichen Ausprägungen und der Komplexität hingeben kann? Einfach können schließlich andere. Rund drei Jahre lang hat die Gruppe an dem neuen Album gearbeitet. Produziert wurde es von Ralv Milberg, der sich unter anderem durch seine Arbeiten mit der Band Die Nerven über Stuttgart hinaus einen Namen in der Szene gemacht hat.

Einen Eindruck von früheren Liedern der Band gibt ein Video zum Album Lollipop Giveaway in Wee-Wah-Wonderland aus dem Jahr 2015.

Releasekonzert im Komma

„Das Album ist sehr detailverliebt. Wir wollten uns keine Deadline setzen. Es hat einfach so lange gedauert, wie es gebraucht hat, um fertig zu werden“, sagt Jost.

Klingen tut das Ganze nach einem verregneten Sonntag, an dem man in einem WG-Wohnzimmer über das Dasein und das Weltgeschehen sinniert, sich in der Musik verliert, oder Lust auf ein Konzert bekommt, das nach vorn geht. Das liefern die vier Musiker gleich mit: Am 14. Dezember spielt die Gruppe im Esslinger Komma. „Wir haben noch viel unveröffentlichtes Material, auch davon soll es etwas zu hören geben“, sagt Mack. Das nächste Album steckt bereits in der Pipeline.

Jamhed Releasekonzert:
14. Dezember, 20 Uhr, Komma Esslingen.

www.jamhed.com

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