Wolfgang Layer ist ein rühriger Protagonist in Sachen Musik. Auch heute noch mischt der 77-Jährige in der regionalen Kulturszene mit.
Will man die Aktivitäten des Universal-Musikers Wolfgang Layer aufzählen, weiß man nicht, wo man beginnen soll: Beim Chorleiter, Verlagsinhaber, Herausgeber und früheren Rundfunkredakteur, oder doch eher beim Komponisten und ehemaligen Leiter des Hohner-Konservatoriums in Trossingen. Auch heute noch sprudelt der agile 77-Jährige, der seit 2014 in Aichwald wohnt, nur so vor Ideen: „Für einen Musiker gibt es keinen Ruhestand“, betont Layer, der in der lokalen Kulturszene noch kräftig mitmischt.
Gerne denkt er an die Uraufführung seiner „RSKN-Sinfonie Nr. 1“ im Herbst 2023 zurück. „In einer konzertierten Aktion haben wir die musikalischen Aktivitäten des Esslinger Stadtteils gebündelt. Es wurde ein großartiger Erfolg“, erinnert sich der Komponist. Bei der Aufführung in der evangelischen Kirche in Sulzgries sei neben einem großen Chor ein sinfonisch besetztes Orchester zu hören gewesen, in dem neben den üblichen Instrumenten auch Alphörner zu finden waren.
Die Uraufführung der Sinfonie stieß auf ebenso großes Interesse wie das multimediale Chorprojekt „Alles fließt und nichts bleibt“ beim Esslinger Kulturfestival „Stadt im Überfluss“ im vergangenen Jahr. Für dieses Projekt, bei dem sich neun Chöre, die Bogenabteilung der Schützengesellschaft Esslingen und eine Videoinstallation zur beeindruckenden Symbiose vereinten, hatte Layer alte griechische Texte in mehreren stilistischen Variationen vertont. „Die Zusammenarbeit mit Kirchenmusikdirektor Uwe Schüssler, der die Gesamtleitung hatte, war hervorragend“, sagt Layer. „Das Konzert wurde zu einem viel beachteten Event“.
Seine große Leidenschaft sind die Kanons
Um neue Ideen ist Wolfgang Layer nie verlegen. Seine große Leidenschaft sind die Kanons. „Als ich 2022 den Liederkranz Eintracht Serach-Hohenkreuz als Dirigent übernommen habe, konnte ich die Vorstandschaft davon überzeugen, zum 50-jährigen Bestehen des Vereins einen Kanon-Wettbewerb zu veranstalten“, erzählt Layer. Am vom Bundesmusikverband Chor und Orchester geförderten Wettbewerb nahmen im Finale sechs Chorensembles aus der Region teil, die ein beachtliches sängerisches und darstellerisches Niveau auf die Bühne brachten.
In Sulzgries – dort wirkt Wolfgang Layer seit 2019 als Kantor – gibt es inzwischen einen monatlich probenden Offenen Chor, in dem auch Kanons gesungen werden. Neben dem Kirchenchor hat sich aus Eltern von ehemaligen Konfirmanden ein Chor mit dreißig Sängerinnen und Sängern gebildet, der sich in sporadischen Proben modernen Kirchenliedern widmet. Großen Spaß macht Layer überdies die Arbeit mit dem Streichorchester des CVJM Sulzgries. Die Instrumentalisten erarbeiten, neben Kompositionen aus dem breiten Fundus der Barockkomponisten und Mozart-Musik, auch neuere Werke: „Wir spielen alles, was Spaß macht.“
Wolfgang Layers Credo „Singen ist der ganze Mensch, Reden nur ein Teil“ bestimmt sein ganzes Tun und Handeln. Der erfahrene Pädagoge ist überzeugt, dass das Musizieren den Menschen als Ganzes fordert, das Gehirn trainiert und mit den multiplen Anforderungen an Koordination und Kreativität verschiedenen Krankheiten entgegenwirkt: „Singen ist die beste Medizin.“
Mit seinen vielfältigen Publikationen hat sich Layer um die musische Erziehung von Kindern und Jugendlichen verdient gemacht. Der „Musikgarten“ wird seit vielen Jahren in der Grundstufe der Musikschulen verwendet. Der „Liederkalender“ und das von ihm editierte Projekt „Chor:Klasse!“ hat über die letzten 20 Jahre mehr als eine Million Kinder mit Musik in Berührung gebracht.
Wolfgang Layer hat Roger Cicero in Trossingen ausgebildet
Als Instrumentalpädagoge hat Layer zahlreiche Schülerinnen und Schüler gefördert. „Mein berühmtester Schüler war Roger Cicero“, erinnert sich Layer, der den jungen Mann einst am Hohner-Konservatorium in Trossingen ausgebildet hat. „Ich habe ihn in einer schwierigen persönlichen Phase als Schüler übernommen und bin sehr stolz, dass er sich später zu einem berühmten Jazzpianisten entwickelt hat, der den swingenden Stil seines Vaters Eugen Cicero mit Rock-Elementen und deutschen Texten verbunden hat“, erzählt Layer.
Bei all den musikalischen Aktivitäten, den vielen Ehrenämtern in der Chorszene und den innovativen Projekten verwundert es nicht, dass Wolfgang Layer auf die Frage nach seinen Hobbys passen muss: „Mein Hobby ist die Musik.“ Sehr wichtig ist dem zehnfachen Großvater jedoch die Familie. „Ich bin stolz auf den Nachwuchs, und freue mich stets, alle auf den jährlichen Familientreffen im Allgäu zu sehen.“
Breites musikalisches Spektrum
Chorleiter
Als ersten Chor leitete Wolfgang Layer einen Kirchenchor in seiner Heimatstadt Dillingen/Donau. Es folgten weitere Chorleiterstellen, etwa in München, Gröbenzell und dem niedersächsischen Dorf Otersen. 2012 übernahm er die musikalische Leitung des Männerchors Hohengehren. Seit 2019 dirigiert Layer den Evangelischen Kirchenchor Sulzgries und das Streichensemble des CVJM. 2022 kam der Liederkranz Eintracht Serach-Hohenkreuz hinzu.
Rundfunkredakteur
Erfahrungen beim Rundfunk sammelte Wolfgang Layer ab 1972 beim Sender Freies Berlin in der Abteilung „Gehobene Unterhaltungsmusik“. Neben Jazzevents betreute er die Sendung „Steckdose“, die sich mit elektronischer Musik befasste. Ab 1985 war Layer Musikredakteur beim Südwestfunk, ehe er 1988 zum Leiter des Hohner-Konservatoriums in Trossingen und zum Geschäftsführer des Hohner-Verlags berufen wurde.
Verleger
Im Hohner-Verlag, und später mit seiner eigenen „Edition Omega“, gab Layer, neben umfassender Literatur für Akkordeon, den „Musikgarten“ mit Heften für Kinder, Lehrer von Musikschulen und Eltern heraus. Überdies war er Mitbegründer der Stiftung „Singen mit Kindern“, produzierte ein Grundschulprogramm für das Fach Musik und editierte „Chor:Klasse!“. Die „Edition Kindergarten“ wurde mit einer CD-Box und vier CDs über den Verlag Weltbild vertrieben.