Katharina Gerhard (links) und Ulrike Stortz sind beim Stuttgarter Kammerorchester (SKO) für das „SKOhr-Labor“, ein Musikvermittlungsprogramm für Kinder, Jugendliche und Studierende, zuständig. Foto: J. Bubeck

Ulrike Stortz und Katharina Gerhard sind beim Stuttgarter Kammerorchester (SKO) für die Musik-Vermittlung zuständig: für das SKOhr-Labor.

Wie lange gibt es das Konzept und welche Idee steckt dahinter?

2015 wurde das Education-Programm unter dem Titel SKOhr-Labor neu aufgestellt. Bisherige Kooperationen des Stuttgarter Kammerorchesters (SKO) mit Schulen und anderen Institutionen flossen mit ein, viele neue Partner kamen seither dazu. Die Musik steht im Mittelpunkt, wird aber in Bezug zu jeweils einer anderen Kunst gesetzt und mit den Mitteln der Improvisation für alle zugänglich gemacht. Die Kinder, Jugendlichen oder auch Studierenden werden über viele Wochen in Workshops begleitet und angeregt, Dinge auszuprobieren, zu verwerfen, Neues zu entdecken und immer wieder zu hinterfragen, zu hören, sich gegenseitig wahrzunehmen, sich auszudrücken und schließlich mit dem SKO auf die Bühne zu gehen.

Welche Projekte wurden bisher besonders gut angenommen?

Bei dem Tanzprojekt „Stimmen“ mit dem Tänzer und Choreografen Adrian Turner brachten wir vier junge geflüchtete Männer, die im Tanz ihre Leidenschaft (wieder-)fanden mit sechs Oberstufen-Schülern aus Ludwigsburg zusammen. Regelmäßige Treffen ermöglichten nahezu professionelles Arbeiten und dabei intensive Begegnungen der Jugendlichen, die am Ende der gemeinsamen Arbeit Freundschaften geknüpft hatten.

Wie passen Sie die Arbeit an die aktuellen Gegebenheiten an?

In diesen Tagen sind von uns allen ganz neue Formen gefragt: Es entstehen kleine Video-Projekte mit Kooperationspartnern der jüngsten Tourneen des Orchesters, zum Beispiel mit Kindern aus Indien. Die Wiederaufnahme der Beziehungen in dieses Land, zu dem unter normalen Umständen jetzt gar keine Zeit wäre, gibt dem Begriff einer globalen Krise konkrete Gesichter.

Sind neue Formate in Arbeit?

Für die Spielzeit 2020/2021 bereiten wir derzeit ein großes Projekt in Kooperation mit einer Jugendvollzugsanstalt vor: „Himmel über Adelsheim – eine Knastoper“. Auch hier wird wieder die kreative Arbeit und Begegnung mit neuen Kunsterfahrungen im Mittelpunkt stehen. Zahlreiche Workshops in der JVA, bei denen getextet, gerappt, gesungen, und geschauspielert werden darf, bilden die Grundlage für unsere Oper: Klassische Musik, prominenter Rap und Jugendliche im Gefängnis erschaffen gemeinsam und gleichberechtigt ihre eigenen Geschichten und präsentieren diese unter anderem zusammen mit dem gebürtigen Stuttgarter Rapper Afrob.

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