Emily Cäcilie Knolls Familie kommt aus zwei Welten: Die Mutter ist Engländerin, der Vater ist ein waschechter Möglinger. Foto: Anna Winston

Emily Koko arbeitet mit dem Londoner Top-Produzent Laurence Hobbs zusammen. Zurück in Möglingen entwickelt sie ihre Songs weiter und begeistert Fans mit positiver Popmusik.

Emily Koko aus Möglingen könnte ein neuer, strahlender Stern am Pop-Himmel werden. Dass diese Einschätzung nicht übertrieben ist, zeigen Zahlen wie diese: Ihr aktueller Song „Love you again“ kommt nach nur wenigen Tagen auf weit über 160.000 Abrufe bei YouTube. In den Amazon-Charts stand sie in der Kategorie „Pop-Neuheiten“ zwischenzeitlich auf Platz acht – hinter Taylor Swift und vor Katy Perry. Auf Spotify verzeichnet sie rund 15.000 Streams. Doch was ist das Geheimnis der 32-Jährigen, die mit bürgerlichem Namen Emily Cäcilie Knoll heißt?

 

Im persönlichen Gespräch wirkt sie auffällig strukturiert. Ihre wachen Augen sprühen, sie lacht gern und viel. „Ich halte mich für achtsam, hilfsbereit und offen“, sagt sie. Und sie weiß genau, was sie will: verspielte, träumerische Songs, die zugleich positiv und energiegeladen sind. „Wenn ich im Kreativmodus bin, kann ich aber auch ganz schön chaotisch sein – produktiv-chaotisch“, sagt sie schmunzelnd. Aufdringlich wirkt ihre Zielstrebigkeit dabei nie.

Alle bislang sieben veröffentlichten Songs stammen aus ihrer Feder. „Schon mit 12, 13 Jahren habe ich Songtexte geschrieben. Musik ist meine Welt. Sie hilft mir, Emotionen herauszulassen und meine Gefühlswelt zu ordnen. Für mich ist sie wie Therapie.“ Kein Wunder also, dass jeder Titel unverkennbar ihre Handschrift trägt.

Diese Handschrift ist geprägt von zwei Welten – nicht nur im Charakter, sondern auch im familiären Hintergrund. Emily ist das Kind einer englisch-deutschen Beziehung. Ihre Mutter kam aus London nach Stuttgart zum Studium und lernte dort Emilys Vater kennen – einen waschechten Möglinger. Der Kulturenmix tue ihr gut, sagt sie: „Ich liebe beides, die Klarheit und Direktheit der Deutschen wie auch Eigenschaften der Engländer.“

Schicksalsjahre in London

Musikalisches Talent liegt in der Familie: Der englische Großvater war Jazz-Pianist, der deutsche Opa Blasmusiker. „Wir sind eine sehr musikalische Familie“, erzählt sie. Auch die Eltern hätten „wunderschöne Stimmen“ und lange im Chor gesungen.

Für sie selbst öffnet die Musik innere Bilder: „Wenn ich Musik höre, tun sich bunte Farben in mir auf.“ Wenn Erlebnisse in ihr „rumoren“ und herauswollen, entsteht daraus oft ein neuer Song. „Am Anfang sind das nur lose Gedanken, und ich summe Melodieanfänge ins Handy.“ Ein Instrument spielt sie nicht – als Kind begann sie zwar mit Klavier, doch später wurden Ballett und Tanzen wichtiger.

2018 zog Emily Cäcilie Knoll in die Heimat ihrer Mutter. Eigentlich wollte sie dort nur ihr Masterstudium absolvieren, doch am Ende blieb sie mehrere Jahre in London und entwickelte den Wunsch, mehr aus ihrer Leidenschaft für Musik zu machen. Sie bewarb sich beim Nachwuchsprogramm des Londoner Produzenten Laurence Hobbs. Er arbeitet mit etablierten Künstlern wie Sam Smith oder Pixie Lott zusammen, fördert aber ebenso gezielt junge Talente. Schon am Tag nach ihrer Bewerbung erhielt Knoll eine Rückmeldung – und war folglich im Programm.

Emily arbeitet seitdem mit professioneller Unterstützung an ihren Songs und gibt sich selbst den Künstlernamen Emily Koko. Koko steht für die Kurzform von „keep on keeping on“, das sie als Lebensmotto begreift und mit „Immer weiter, egal, was das Leben einem entgegenwirft“ interpretiert.

London hat sie in dieser Zeit stark geprägt: „Die letzten Jahre dort haben mich sehr beeinflusst“, sagt sie. Die Stadt sei inspirierend, gleichzeitig aber hektisch und extrem teuer. Neben der Musik hatte sie einen anspruchsvollen Vollzeitjob, der es erschwerte, kontinuierlich an ihrer Karriere zu arbeiten.

Emily Koko hat auf Spotify bisher sieben Songs veröffentlicht. Foto: Nina Schulz

Seit April lebt sie nun wieder im beschaulichen Möglingen, genießt Familie und Freunde und konzentriert sich – auch dank eines bewusst gewählten Teilzeitjobs – wieder stärker auf ihre Musik. Und auf ihre eigenen Songs, die stets eine Botschaft tragen: „Auch wenn es hart oder traurig ist – am Ende des Tunnels ist Licht.“ Sie möchte ihren Hörerinnen und Hörern vermitteln: „Eure Gefühle sind relevant.“ Vor allem aber will sie Hoffnung schenken und zeigen, dass niemand mit seinen Problemen allein ist.

Sie sucht Orte für Auftritte

Knoll hat sich mittlerweile der „7us Media Group“ in Winnenden angeschlossen, „die mich fleißig supportet“. „Es ist toll, so ein Team hinter sich zu haben, das mich engagiert unterstützt.“Für das Jahr 2026 sucht die Sängerin für ihre Konzertauftritte in Deutschland nun eher kleinere Konzertsäle mit „kuscheligem Ambiente“. Etwa das Merlin in Stuttgart oder auch der Schlosskeller in Marbach. Orte, wo man noch die Intimität spüre. Allerdings träumt sie auch vom großen Wurf: „Irgendwann mal in der O2 Arena in London aufzutreten, wäre schon fantastisch.“

Dennoch hat sich die strukturiert denkende Schwäbin abgesichert: Mit einem Kunst- und Kulturmanagementstudium in Karlsruhe hat sie einen „Plan B“, auf den sie jederzeit zurückgreifen kann, falls die Popkarriere doch nicht tragen sollte.