Pamela O’Neal und Martin Franke auf der Fischmarkt-Bühne in Stuttgart Foto: Werner/Werner

Kein Fest ohne Musik: Auch auf dem Hamburger Fischmarkt in Stuttgart erspielen sich Profis die Aufmerksamkeit des Publikums. Die Soulsängerin Pamela O’Neal ist eine von ihnen.

„Pamela O’Neal ist die Frau, die sie brauchen“, steht auf den Handzetteln, die vorne auf der Bühne im kleinen roten Pavillon liegen. Wer einen mitnimmt, wird an eine Website verwiesen, wo man erfährt, wofür man die Sängerin buchen kann – zum Beispiel für eine Gospel-Hochzeit: „Wir singen leidenschaftlich gerne auf Hochzeiten und fühlen uns immer wieder geehrt, an einem solch erhabenen Anlass teilnehmen zu dürfen, bei dem zwei Menschen ihre Liebe zueinander öffentlich bekunden.“

Auf der sogenannten Hafen-Bühne am Hamburger Fischmarkt in Stuttgart singt Pamela O’Neal mit viel Leidenschaft in der kunstvoll aufgerauten Soul-Stimme unter anderem den Tina-Turner-Hit „What’s love got to do with it“. Bevor ihr Keyboarder beginnt, sagt sie auf Englisch, wie großartig sie Tina Turner findet. Einer von den fünf Zuschauern, die am frühen Abend im Nieselregen vor der Bühne stehen, bezieht die Großartigkeit auf sich selbst, bedankt sich bei der in Kalifornien geborenen und in Wiesbaden wohnenden Sängerin und lässt seinen Oberkörper tanzen, ehe er anderen Zuschauern begeistert zuzunicken beginnt. Dann ist Pause und der Keyboarder, Martin Franke, geht zum Auto, um das große Pamela O’Neal-Poster zu holen, dass er dann über das Fischmarkt-Motto „… zu Gast bei Freunden“ an die hintere Zeltwand hängt.

Auch manche, die sich unterhalten, klatschen

Währenddessen hat Pamela O’Neal Zeit zu erzählen, was ihr an Tina Turner imponiert: „Ihr Aufstand und ihr Kampf“, sagt sie – und wie sie Hindernisse überwunden hat. Seit zehn Jahren singe sie auf dem Fischmarkt, den sie unter anderem wegen dem „leckeren Wels“ liebe. Und das Stuttgarter Publikum liebe sie: Später am Abend würden Besucher, die hauptsächlich wegen ihr zum Fischmarkt kämen, bestimmt wieder vor der Bühne tanzen. Am frühen Abend scheint das Publikum überwiegend freundlich: Manche Besucher, die auf Bänken sitzen und sich zwischen Bissen in Fischbrötchen unterhalten, klatschen nach dem Ende der Lieder. Auf dem Fischmarkt müsse man sich sein Publikum erspielen, sagt der Keyboarder Martin Franke, nachdem er das Poster seiner Chefin aufgehängt hat. Ihm gefalle diese Konstellation: „Es ist wie Straßenmusik.“

Dann ist die Pause vorbei, und die beiden Musiker beginnen mit dem zweiten ihrer drei 45-Minuten-Sets: „Stand by me“ von Ben E. King zelebriert Pamela O’Neal mit viel Vibrato, ehe sie erstaunlich bruchlos in „Every Breath you take“ von The Police überleitet, wo sie cooler klingt. An den beiden ersten Fischmarkt-Tagen tritt die energiegeladene Entertainerin in Stuttgart auf. Dann werden andere Musiker die Bühne im roten Pavillon entern, vor allem die Steinlach Stompers, die Dixieland Jazz spielen. Pamela O’Neal, die auch Aretha Franklin sehr mag, wird unterdessen weiterfahren zu Auftritten in Wiesbaden und in Idar-Oberstein.