Der Livemusikabend hat Hunderte Besucher begeistert – besonders das Publikum 40 plus. Aber auch Jüngere haben sich von der Atmosphäre anstecken lassen.
Frank Ockert von X-Events ist mit dem Verlauf der jüngsten Musicnight in Weil der Stadt sehr zufrieden. „Wir haben wohl fast die Obergrenze von rund 700 Besuchern erreicht, und die Stimmung ist richtig gut“, resümiert der Veranstalter des seit Jahren regelmäßig in der Keplerstadt stattfindenden Musikevents etwa zur Halbzeit des Livemusikabends vor dem Lokal Calwer Tor. Das Lokal ist zu diesem Zeitpunkt proppenvoll, an ein Durchkommen ist kaum zu denken. Dicht an dicht stehen die Gäste, prosten sich fröhlich zu, bewegen sich im Rhythmus der zu hörenden Rock- und Popklassiker und stimmen lauthals in die Songs mit ein, die die Band 4 More Friends druckvoll serviert.
Ockert selbst hat sich an einem Stehtisch vor dem Lokal positioniert und verkauft auch zu fortgeschrittener Stunde noch neongelbe Armbändchen an diejenigen, die erst später in die Musicnight einsteigen. Die Bändchen gewähren an diesem Abend Einlass in sechs Lokalitäten mit Livemusik sowie in die Gaststätte s’Hobelspä. In dieser gibt DJ Chris David den Ton an und bringt die Menschen mit Beats aus der Konserve in Bewegung.
Musiknächte in Kneipen – auch in anderen Städten erfolgreich
Seit Jahren schon organisiert Ockert mit seinem Team in vielen Städten im Großraum Stuttgart Musikevents, bei denen die Gäste fröhlich durch die Lokale tingeln und sich von live gespielten Coversongs in den Bann ziehen lassen. Parallel zu Weil der Stadt gibt es am Samstagabend eine Musiknacht in Esslingen. Am 9. Mai kommen die Liebhaber von Livemusik in Kneipenatmosphäre dann in Herrenberg auf ihre Kosten.
„Es läuft in vielen Städten wieder richtig gut“, sagt Ockert. Die Coronapandemie hatte von heute auf morgen das Aus für die Livemusiknächte in Kneipen bedeutet. Auch nach dem Ende der Pandemie war selbst in einst etablierten Musicnight-Städten zunächst nicht an eine Neuauflage zu denken. „Viele Kneipen haben während der Coronazeit dichtgemacht“, erklärt Ockert. Damit fehlten ihm vielerorts die Partner für sein Konzept, das er unter vielen Bezeichnungen umsetzt. Doch ganz gleich ob die Events als Party- oder Kneipennacht, Musicnight oder Live-Rocknacht beworben werden, das Prinzip ist allerorten gleich: Mit dem einmal erworbenen Armbändchen darf man sämtliche Lokale besuchen, in denen an diesem Abend Partyspaß bei Live- oder Konservenmusik geboten ist.
Musik, die besonders die Altersklasse 40 plus genießt
Der Spaß kommt bei den meisten Besuchern auch in Weil der Stadt nicht zu kurz. Während im Calwer Tor die Band 4 More Friends für Stimmung sorgt, ist es im Event- & Weinkeller Apero das Trio MFG, das das Publikum mit einen kunterbunten Potpourri an Coversongs in Stimmung bringt. „Wir waren schon im vergangenen Jahr hier und wurden gebeten, dass wir wieder kommen“, verkündet der MFG-Sänger und freut sich „auch einige bekannte Gesichter“ im Publikum zu entdecken. In der Kneipe Zum Städtle wartet Mari Rocks mit Rockklassikern auf, The Radio Colours lassen es indes im Ox und Q so richtig krachen und ernten viel Beifall. Nicht anders sieht es beim Auftritt von One Plugged & Friend aus. Das Duo ist im „Lokal Martkplatz erfrischend bunt“ neben dem Weiler Rathaus zu erleben und mit viel Technik im Einsatz. Im Restaurant St. Augustinus ist es schließlich die Cover-Rock-Formation Buffalo Bones, die die Gästeschar mit ihren Rocksongs von AC/DC oder Lynyrd Skynyrd begeistert – handgemacht.
Es sind vor allem Besucher der Alterskategorie 40 plus, die in Weil der Stadt bis weit nach Mitternacht durch die Lokale ziehen. „Die Musicnight ist echt klasse“, sagt Renate Grimmer, die mit drei Freundinnen in der Keplerstadt unterwegs ist. „Ich finde es gut, dass man Abwechslung hat. Und wenn es einem mal irgendwo nicht gefällt, dann zieht man eben weiter“, sagt die Mittfünfzigerin. Dass es in den meisten Lokalen voll und die Luft stickig ist – an manchen Orten gibt es irgendwann keinen Einlass mehr – stört sie nicht. „Das ist eben wie in unserer Jugend“, sagt sie lachend. Eine Freundin interveniert: „Mancherorts ist es einfach zu voll. Es ist nicht meins, wenn man keinerlei Abstand mehr zu den anderen Leuten hat“, erklärt sie. Von daher habe es ihr im Restaurant St. Augustinus am besten gefallen. „Dort fand ich auch die Musik einfach klasse: rockig mit viel Wums.“ Und auch im Ox und Q habe es viel Spaß gemacht.
Die Stimmung gefällt auch den jungen Besuchern
Für Martin „Charly“ Burkhard sorgt die Musicnight regelmäßig dafür, „dass es sich für mich wie in der Jugend anfühlt“. Er komme immer gerne zu solchen Events, „denn als wir jung waren, hat es in vielen Kneipen regelmäßig Livemusik gegeben“, sagt er und ergänzt: „Und es war immer knallvoll.“ Er bedauert, dass sich die Gastroszene stark verändert hat. Es gebe nur noch wenige Lokale, in denen es Konzerte gebe und in denen sich die Generationen zwanglos begegneten. „Man muss sich ja nur umschauen: Die meisten Besucher heute sind aus meiner Altersklasse“, so Burkhard, der im vergangenen Jahr seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. Jenny, die ihren Nachnamen nicht verraten will, findet die Musicnight insgesamt gut. „Aber musikalisch ist das nicht so unser Ding“, meint die 23-Jährige, die mit ihrem Freund unterwegs ist. Die Songs seien halt aus einer ganz anderen Zeit. „Aber die Stimmung ist echt klasse.“
Dass das Gros des Musicnight-Publikums 40 und älter ist, dessen ist sich Ockert sehr bewusst. Umso mehr freut ihn, dass zuletzt auch wieder vermehrt jüngere Besucher zu den von ihm organisierten Events gekommen sind. „Manchmal auch nur, um die Lokale kennenzulernen, in denen sie zuvor noch nie gewesen sind“, sagt Ockert. Ein Ziel sei ja schließlich auch, die Gastroszene zu beleben.
Eine Neuauflage der Weiler Musicnight soll es bereits am 10. Oktober geben. Auch dann womöglich wieder mit einer Freiluft-Eröffnung auf dem Marktplatz. Am Samstag waren dort Songs von Tina Turner und Joe Cocker zu hören. „Die Open-air-Bühne zur Einstimmung hat sich bewährt“, sagt Ockert. Und wenn das Wetter so sommerlich wie am Samstag sei, dann kommen die Leute und „genießen den Auftakt einfach sehr gerne in einer entspannten Open-Air-Atmosphäre“.