Musical "Rebecca" Ex-Hexe verliebt sich in Ex-Vampir

Von Michael Deufel 

Die Riege der Hauptdarsteller für Stuttgarts nächstes Musical  "Rebecca" ist seit komplett.

Stuttgart - Die Riege der Hauptdarsteller für "Rebecca", das nächste Musical in Stuttgart, ist seit Freitag komplett: einer, für den die Landeshauptstadt Neuland bedeutet, eine altbekannte junge Mimin - und nicht Uwe Kröger. Der Mix aus Krimi und Liebesgeschichte hat am 8. Dezember im Palladium-Theater Premiere.

Alfred Hitchcock verstand es bekanntermaßen meisterhaft, in seinen Kriminalfilmen ein Höchstmaß an Spannung zu erzeugen. So auch in "Rebecca", seiner ersten Arbeit für Hollywood aus dem Jahr 1940. Womöglich hat sich der Unterhaltungskonzern Stage Entertainment für die Marketingkampagne des neuen Stuttgarter Musicals von Hitchcock inspirieren lassen. Denn das Prozedere bis zur Premiere des Stücks, das wie der Film auf dem gleichnamigen Roman von Daphne du Maurier basiert, ist nicht wie sonst üblich abgelaufen.

Erst mal das Musical vorstellen und später die Darsteller präsentieren - so lief es im Fall "Rebecca" nicht. Schon vor Monaten war im Schloss Hohenheim nicht nur der Titel präsentiert worden. Zusätzlich hatte mit Pia Douwes eine der beiden weiblichen Hauptakteure eine gesangliche Kostprobe zum Besten gegeben.

"Die Rolle ist eine Herausforderung"

Pia Douwes prägte schon maßgeblich die "Rebecca"-Inszenierung in Wien. Eigentlich klar, dass ihr dortiger Partner Uwe Kröger auch in Stuttgart die Idealbesetzung für den männlichen Part sein müsste. Schließlich hatte im Raimund Theater rasch das Wort Traumpaar die Runde gemacht. Doch weitere Namen waren die Musical-Macher in Hohenheim schuldig geblieben.

Das kann nicht ohne Hintergedanken geschehen sein, möchte man konstatieren. Schließlich halten Spekulationen ein Thema am Kochen. Wenn es so war, ist das Kalkül aufgegangen. In den einschlägigen Fan-Foren im Internet gewann die Debatte über die weitere Rollenbesetzung an Fahrt: Die Douwes ohne Kröger geht nicht, hieß es. Überhaupt Uwe Kröger, hatte er nicht einst mit "Miss Saigon" das Genre Musical in Stuttgart mitetabliert? Wann, wenn nicht jetzt, sollte er zurückkehren? Skeptiker verwiesen freilich auf die angeblich etwas brüchig gewordene Stimme des Mimen.

Sie werden sich bestätigt fühlen: In Stuttgart übernimmt Thomas Borchert die Rolle des adeligen Maxim de Winter. "Die Rolle ist gesanglich wie schauspielerisch eine Herausforderung", sagte der für die Besetzung zuständige Casting Director Ralf Schaedler am Freitag. Borchert habe den Zuschlag erhalten, weil er all das bestens auf sich vereinige. Der in Hamburg ansässige 45-Jährige gilt als einer der angesehensten deutschsprachigen Musicaldarsteller. "Phantom der Oper", "Tanz der Vampire", "Les Misérables", "Mozart" - für Genre-Liebhaber eine perfekte Liste der Referenzen. Auch im Londoner West End, Musical-Zentrum der britischen Hauptstadt, kann er ein Engagement vorweisen. Demnächst also auch eines in Stuttgart.

Stuttgarter Publikum kennt Lucy Scherer bestens

Theatertechnisch hat Borchert die Landeshaupstadt allenfalls gestreift. 1994 gab er bei den Freilichtspielen in Schwäbisch Hall in "Evita" den Che Guevara. "Ich freue mich auf die Maultaschen", sagte Borchert, "und auf Lucy Scherer. Als Vampir durfte ich sie beißen, jetzt darf ich sie nur küssen."

Lucy Scherer übernimmt die Rolle der Ich. Der Roman ist in der Ich-Form geschrieben. So beschlossen die Autoren Sylvester Levay und Michael Kunze, das ängstliche Mädchen, das an der Liebe zu Maxim de Winter wächst, schlicht Ich zu nennen. Das Stuttgarter Publikum kennt Lucy Scherer bestens als ständig quieksende, verwöhnte Hexe Glinda in "Wicked" und als Sarah in "Tanz der Vampire". Zuletzt spielte die 30-Jährige in der TV-Serie "Hand aufs Herz" (Sat 1). "Beim Musical wird viel mehr Perfektion verlangt, und ich kann drei Stunden eine Rolle spielen, ohne unterbrochen zu werden", erklärte sie am Freitag den Unterschied zum Fernsehen - und bemerkte verlegen grinsend, dass sie sich wohl etwas vergaloppiert hatte. "Das kam jetzt, glaub' ich, irgendwie falsch rüber."

Bliebe noch, weshalb aus Uwe Krögers Rückkehr nach Stuttgart nichts wurde: "Wir waren im Gespräch, aber es hat terminlich nicht gepasst", lautet Ralf Schaedlers unspannende offizielle Begründung.

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