Im idyllischen Schwarzwaldstädtchen Triberg tobt die Revolution. Zumindest auf der Bühne. Das Musical "Hecker" setzt dem badischen Revolutionär Friedrich Hecker ein Denkmal. Foto: dapd

Am 28. Oktober ist die Welturaufführung des Hecker-Musicals – Über 100 Mitwirkende dabei.  

"Wir leben einen Traum von einem freien Land. Wir wollen Freiheit jetzt - und nicht irgendwann!" Im idyllischen Schwarzwaldstädtchen Triberg tobt die Revolution. Zumindest auf der Bühne. Das Musical "Hecker" setzt dem badischen Revolutionär Friedrich Hecker ein Denkmal.

Es muss ein ziemlich wilder Haufen gewesen sein, der damals, anno 1848, von Konstanz aus Richtung Karlsruhe zog, um den badischen Großherzog zu stürzen und die Republik Baden auszurufen. Um die 600 Freischärler sollen es gewesen sein, die über Donaueschingen und das Wiesental zogen, ehe sie bei Kandern von regulären Regierungstruppen in einer Schlacht, die nach wenigen Minuten vorbei war, gestoppt wurden. Die Niederlage war total, doch vielleicht ist es gerade das, was Friedrich Hecker im Bewusstsein vieler Badener zu einem Mythos werden ließ.

So auch bei Peter Bruker und Rolf "Royce" Langenbach. Zwei ehemalige Schulfreunde, der eine Journalist, der andere Lehrer. Die beiden Furtwanger taten sich im Jahr 2008 zusammen und schrieben ein Musical: "Gerwig - das Musical der Schwarzwaldbahn". Im Mittelpunkt stand dabei der Erbauer der Schwarzwaldbahn, Robert Gerwig. Der Erfolg dieses Erstlings war überwältigend. Mehr als 17.000 Besucher sahen in den vergangenen zwei Jahren die Aufführungen im Triberger Kurhaus und waren restlos begeistert. Ein Erfolg, der verpflichtet.

Überall in Baden wird der Revolutionär gefeiert

Und so machten sich Bruker und Langenbach schon im Sommer des vergangenen Jahres daran, ein neues Musical zu schreiben. Sie wählten Friedrich Hecker als Thema, ohne anfangs dabei zu wissen, dass Hecker in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiern könnte.

Es gibt zahlreiche Hecker-Vereinigungen im Land, die an dieses Jubiläum erinnern, und die Gemeinde Angelbachtal im Kraichgau feiert gar ein ganzes Hecker-Jahr. Im Angelbachtaler Ortsteil Eichtersheim erblickte Hecker das Licht der Welt. "Das passt wie die berühmte Faust aufs Auge: Überall in Baden wird der Revolutionär gefeiert - und wir in Triberg haben das Highlight: das Hecker-Musical", verkündet Bruker stolz.

Eine trockene Geschichtsstunde allerdings sollte dieses Musical nach den Vorstellungen der beiden Macher nicht werden. Klar, Heckers Freischärlerzug und die Schlacht bei Kandern stehen im Mittelpunkt des Musicalgeschehens auf der Bühne. Doch dazu kommt eine zu Herzen gehende Liebesgeschichte. So verliebt sich einer der Freischärler ausgerechnet in die Tochter des Generals von Gagern, ohne deren Herkunft zu kennen. Von Gagern führt die gegnerischen Truppen gegen Heckers Freischärler an und fällt in der Schlacht. Erst am Ende findet Herz zu Herz und die Lovestory des Musicals ihr Happy End.

Ururenkelin des Revolutionärs reist an

Ururenkelin des Revolutionärs reist an

Die Dialoge stammen aus der Feder von Markus Schlueter, der auch - wie zuvor beim Gerwig-Musical - die Regie übernommen hat. Und es gibt es eine besondere Besucherin der Musicalaufführungen: Miss Dorothy Hecker, Ururenkelin des Revolutionärs, reist an und sieht sich die Musicalaufführung an. Ständig redet sie dazwischen und sorgt so für zahlreiche recht humorige Elemente.

Schlueters Inszenierung beinhaltet zwei Zeitebenen. So stellt er eine Theatergruppe auf die Bühne, die samt eines völlig überforderten Theaterdirektors, der zudem die Rolle von Heckers Weggefährten Gustav Struve spielt, ein Hecker-Musical aufführt. Dass dabei manches nicht klappt, Darsteller plötzlich mit höheren Gagenvorstellungen kommen und auch Bühnenarbeiter noch letzte Hand anlegen, wirkt an vielen Stellen urkomisch. Somit wurde der doch recht schwere Stoff der badischen Revolution mit leichter Hand inszeniert, und es gibt neben sehr berührenden Momenten auch zahlreiche Stellen, bei denen das Publikum herzhaft lachen darf.

Mehr als hundert Mitwirkende sind beim Hecker-Musical vor, auf und hinter der Bühne aktiv, darunter auch professionelle Musicaldarsteller. Dazu kommen herausragende Amateure aus der Region, die den Profis auf der Bühne in nichts nachstehen. Alles wird live gespielt und gesungen, es gibt keinerlei Einspielungen vom Band. "Dieser Livecharakter ist uns sehr wichtig", erklärt Peter Bruker. "Das ist das, was das Publikum erleben will. Und wir haben da auf allen Positionen hervorragende Leute am Start."

Chefmaskenbildner Denny Stoi

So auch im Bereich der Maske. Denny Stoi leitet das zehnköpfige Maskenbildnerteam. Stoi war auch Chefmaskenbildner bei "Tanz der Vampire" in Stuttgart. Da er in Triberg lebt, war es ihm fast schon so etwas wie ein Herzensanliegen, die erfolgreichen Musicalaufführungen in der Wasserfallstadt zu betreuen.

Die Stadt Triberg selbst ist angesichts der schwierigen Situation im Tourismusbereich froh darüber, ein Event Jahr für Jahr während der Herbstferien anbieten zu können. Die Kommune lebt vor allem vom Tagestourismus und den Besuchern der Triberger Wasserfälle. "Wir planen langfristig und bauen darauf, dass das Komponistenduo Bruker/Langenbach auch in den kommenden Jahren Musicalaufführungen bei uns produziert", hofft Bürgermeister Gallus Strobel.

Noch schweigen sich die beiden aber darüber aus, welches Musical sie für 2012 schreiben wollen. Jetzt tobt auf jeden Fall erst einmal die Revolution auf der Bühne des Triberger Kurhauses.

Die Uraufführung des Hecker-Musicals ist am 28. November im Kurhaus Triberg. www.hecker-musical.de

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