Springen wie Tarzan im Musical: Flüchtlingskinder aus der Unterkunft in Plieningen studieren im SI-Centrum in Stuttgart eine Choreografie ein Foto: Lichtgut/Horst Rudel

Zehn Flüchtlingskinder aus der Plieninger Unterkunft haben bei der Produktion des Musicals „Tarzan“ hinter die Kulissen schauen dürfen – und selbst auf der großen Bühne eine kleine Choreografie einstudieren.

Stuttgart - Der achtjährige Uyi ist ein Wildfang und tobt kreuz und quer über die Probebühne des Apollo-Theaters im SI-Centrum. Eigentlich sollen er und die neun anderen Kinder aus dem Flüchtlingsheim in Plieningen jeweils nacheinander eine Po-Rolle machen. Aber sie kugeln alle gleichzeitig durcheinander.

Uyis Patin, Nila Barbosa de Schnee, die ehrenamtlich im Flüchtlingsheim bei der Hausaufgabenbetreuung hilft, hatte den Jungen aus Nigeria vor einiger Zeit für das Kindercasting von „Tarzan“ vorgeschlagen. „Ich hatte aber nicht bedacht, dass Tarzan eine helle Hautfarbe hat“, erzählt sie.

Weil es mit der Rolle nicht geklappt hat, haben die Verantwortlichen von Stage Entertainment ihn und neun weitere Flüchtlingskinder am Freitag eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen des Musicals zu werfen. Dazu gehörte auch das Proben einer kleinen Choreografie. Die Acht- bis Dreizehnjährigen sind in der Aufwärmphase sehr zurückhaltend. Aber schon nach kurzer Zeit finden sie großen Gefallen an der Urwaldmusik im Hintergrund und den Affenbewegungen, die sie gezeigt bekommen.

Die meisten von ihnen stammen aus ­Syrien und sind seit August mit ihren Familien in der Unterkunft in Plieningen untergebracht. Mit den Anweisungen der beiden Tanzlehrer tun sie sich deshalb etwas schwer. Den Spaß mindert das aber nicht: „Sie können einfach die Bewegungen nachmachen“, sagt Trainer Thomas Hirschfeld, „ob sie sich die Choreografie bis zum Auftritt auf der Bühne merken können, werden wir sehen.“

Die neunjährige Aliouha aus China hat sich für den Musicalbesuch ein schickes rotes Kleidchen angezogen. Zuerst wollte das Mädchen gar nicht mitkommen, weil sie lieber zu Hause Deutsch gelernt hätte. „Ich lerne jeden Tag fünf bis zehn Wörter. Ich habe gedacht, wir würden hier nur spielen“, erzählt sie schüchtern. Die Probe und der Blick hinter die Kulissen haben ihr dann aber doch großen Spaß gemacht. „Nur die Po-Rolle habe ich nicht hinbekommen“, sagt sie.

Der Ausflug ins Musicaltheater sei für die Kinder etwas ganz Besonderes, erzählt Nila Barbosa de Schnee.„Im Flüchtlingsheim ist es immer sehr eng, und der Alltag sieht immer gleich aus“, sagt sie. Bevor die Kinder sich am Abend das Musical anschauen dürfen, wird die einstudierte Choreografie auf der echten Bühne im Saal aufgeführt. Mit der Originalmusik und den großen Kulissen im Hintergrund klappt das dann auch sehr gut. „Normalerweise sind wir ja etwas strenger, was die Disziplin und die Bewegungsabläufe angeht. Aber hier geht es ja vor allem darum, dass die Kinder Spaß haben“, sagt Thomas Hirschfeld zum Abschluss.