Erich Kläger bei der Präsentation eines seiner zahlreichen Bücher. Foto: Kreiszeitung Böblinger Bote/Wandel/Annette Wandel

36 Jahre war er im Böblinger Rathaus tätig und hat zahlreiche Bücher publiziert.

Böblingen - Er war einer der prägenden Macher im Böblinger Rathaus in der Nachkriegszeit und ein unermüdlicher Literat und Heimatforscher. Am Montag ist Erich Kläger, der 2011 den Kulturpreis der Stadt erhalten hat, mit 85 Jahren verstorben.

Man tritt Erich Kläger wohl nicht zu nahe,wenn man ihn den verlängerten Arm von Wolfgang Brumme in der Böblinger Verwaltung nennt. Spätestens seit Ende der 1960er Jahre war Kläger dem ersten Nachkriegs-Oberbürgermeister der Stadt eng verbunden und hat vor allem im Museumsbereich schon früh Akzente gesetzt.

Am 1. September 1961 trat der gebürtige Schwarzwälder als Stadtinspektor beim Hauptamt in die Dienste der Stadt Böblingen und blieb dem Böblinger Rathaus 36 Jahre lang auch in schwierigen Zeiten treu bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1997.

Die Kultur lag ihm am Herzen

Schnell wurde deutlich, dass Kläger das Zeug zur Führungsperson hat. Bereits im Jahr 1964 wurde er zum Leiter der Stadtkasse ernannt. Drei Jahre später war Erich Kläger Amtsleiter, als er das neu geschaffene Kultur- und Presseamt übernahm, das später dann zum Rechts-, Presse- und Kulturamt aufgeweitet wurde.

Die Kultur war es auch, die Erich Kläger am meisten am Herzen lag. Nicht die großen Künste, sondern die kulturhistorischen Ereignisse in der Umgebung und die Menschen, die in seiner Wahlheimat wirkten, weckten sein Interesse. Er war es, der lange bevor Böblingen Galerie-Standort wurde, die erste städtische Kunstausstellung im damals neu eröffneten Feierraum initiierte. Ohne Ernst Kläger gäbe es vermutlich auch die Skulpturen des Bildhauers Rudolf Christian Baisch in dessen Heimatstadt nicht. Klägers Initiative war es zu verdanken, dass heute zahlreiche Bronzeplastiken des Künstlers im Stadtgarten stehen und die Delfine ihren Wasserstrahl in den Oberen See pusten.

Pionierarbeit leistete Erich Kläger für die Museumslandschaft in Böblingen. Er gilt als einer der Väter des Fleischermuseums, das er zusammen mit Peter Nagel nach Böblingen ins historische Vogthaus am Marktplatz holte. Untrennbar mit Erich Kläger ist auch das Bauernkriegsmuseum der Stadt verbunden. Kläger verknüpfte die entscheidende Schlacht, die am Goldberg im Jahr 1525 stattfand, mit der Idee einer Dauerschau in der Stadt in einem damals geplanten Stadtmuseum.

Zweites Herzthema: das Schreiben

Mit dem Ende der Ära Brumme im Jahr 1986 änderte sich auch für Erich Kläger einiges an seiner Wirkungsstätte. Der neue Oberbürgermeister Alexander Vogelgsang hatte eigene Pläne. 1988 rückte Kläger ab von der Kulturbühne in der Verwaltung und kümmerte sich als Leiter des Friedhofs- und Standesamtes fortan um weniger öffentlichkeitswirksame Angelegenheiten. In der Kulturverwaltung übernahmen andere das Zepter und aus dem Bauernkriegsmuseum wurde eine die Darstellung der Böblinger Stadtgeschichte bis heute dominierende Dauerschau in der Zehntscheuer.

Neben dem Aufbau einer Museumswelt in Böblingen war das Schreiben Klägers zweites Wirkungsfeld, von dem Böblingen bis heute profitiert. Bis ins hohe Alter publizierte Erich Kläger Schriften und Bücher – rastlos, zumeist im Selbstverlag und ab dem Ruhestand nahezu im Akkord.

Bereits 1963 verfasste Erich Kläger ein „Stadtbrevier“ – sein Erstling, in dem der Neubürger Kläger die Böblinger Geschichte im Kurzdurchgang präsentierte. Rund zwanzig Jahre später lieferte Kläger unter dem schlichten Titel „Böblingen 1945 – 1985“ ein Werk ab, das maßgebend für die Darstellung der Nachkriegsgeschichte der Stadt ist. Eine Fleißarbeit auf fast 600 Seiten, die trotz ihres bisweilen sperrigen Charakters, die rasante Entwicklung Böblingens faktenreich darstellt und als Nachschlagwerk bis heute unverzichtbar ist.

„Den schreibenden Böblingern auf der Spur“

In nahezu sämtlichen seiner Publikationen spielt die Geschichte der Region und die Menschen, die hier lebten, eine Hauptrolle. Kläger begab sich gerne auf Spurensuche – indem er den Böblinger Absolventen der Stuttgarter Karlsschule nachspürte, die Böblinger Geschichte an wichtigen Gestalten aufarbeitete oder den „Tatort Böblingen“ identifizierte, als er die Gräueltaten darstellte, die in diesem Flecken während des finsteren Mittelalters geschahen. Im kulturhistorischen Fach war Erich Kläger ebenfalls unterwegs, als er sich 1982 ins Romanfach wagte. „Stiftsfreundschaften“ lautete der Titel des Werkes, mit dem er sich dem Tübinger Stift näherte.

Auch als Erich Kläger 2019 zum letzten Mal zur Feder griff, stand seine Wahlheimat im Mittelpunkt: „Den schreibenden Böblingern auf der Spur . . .“ heißt die letzte Veröffentlichung, die er hinterlässt. Dem Untertitel zufolge sollte diese nicht weniger als eine Literaturgeschichte der Stadt sein.

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