Mehr Besucher als das Mercedes-Benz-Museum mit 711 330 (2015: 702 027) konnte in Stuttgart nur die Wilhelma anlocken (2,41 Millionen Besucher in 2014) Foto: dpa

Die Wilhelma ist im vergangenen Jahr der größte Publikumsmagnet unter den Stuttgarter Kulturstätten geblieben, und das Linden-Museum verzeichnete das besucherstärkste Jahr seit 1994.

Stuttgart - Die Stuttgarter Wilhelma ist mehr als nur ein Zoo. Das Gesamtkunstwerk aus dem 19. Jahrhundert mit dem königlichen Maurischen Landhaus, dem botanischen Garten und dem Zoo mit seinen exotischen Tieren hat im vergangenen Jahr knapp 2,41 Millionen Besuchern einen Kurzurlaub vom Alltagsstress beschert. Damit erzielte die Wilhelma das zweitbeste Ergebnis seit der Gründung des Zoos, denn 2014 kamen rund 2,2 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr. Damit hat die Wilhelma ihr Ziel, den Besucherrekord von 2008 zu brechen, knapp verfehlt. Damals kamen 2,42 Millionen Gäste, um sich von dem putzigen Eisbärenjungen Wilbär verzücken zu lassen.

Die Besuchermagneten

Der große Gewinner in der Museumslandschaft ist das Linden-Museum, das mit 115 250 Besuchern den stärksten Zustrom seit 1994 verzeichnete und gegenüber 2013 rund 11,4 Prozent mehr Gäste willkommen hieß. Der Grund: Die 2013 begonnene Landesausstellung über die Inka war die erfolgreichste Sonderausstellung in der Geschichte des ethnografischen Museums, und 59 590 Besucher strömten Anfang 2014 in die Indianerschau. Auch die Sonderausstellung „Myanmar – Das Goldene Land“, die bis 17. Mai 2015 läuft, wurde im vergangenen Jahr von 16 195 Menschen besucht.

Dass in der Autostadt Stuttgart Menschen aus aller Welt in die Automuseen strömen, versteht sich von selbst. Für das Porsche-Museum war 2014 das besucherstärkste Jahr seit der Eröffnung 2009. Insgesamt 410 658 Besucher genossen die Schau der PS-Boliden – 9536 mehr als 2013. Als Gründe führt Pressesprecherin Nicole Lay unter anderem den fünften Geburtstag des Museums und die Rückkehr des Sportwagenherstellers zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans an.

Zur Zeit des Rennens war das Museum durchgehend geöffnet, und die Gäste genossen das Ereignis beim Public Viewing. Auch im Mercedes-Museum strahlen die Gesichter: 711 330 Gäste, 9303 mehr als im Vorjahr, besuchten die ausgestellten Nobelkarossen. 40 Prozent der Gäste kamen aus dem Ausland. „Wenn ich die 50 000 Besucher bei der Auktion ‚Stars & Cars‘ durch das Auktionshaus Bonhams’ am 29. November 2014 dazurechne, sind sogar 761 000 Gäste gekommen“, sagt Michael Bock, Leiter von Mercedes-Benz Classic und Kundencenter.

Verlierer der Statistik

Statistisch betrachtet zählt das Landesmuseum zu den Verlierern. Der Besucherrückgang um 15,4 Prozent von 241 516 auf 204 351 Gäste ist einer Ausnahme geschuldet: 2013 verzeichnete das Museum wegen der großen Keltenschau einen Besucherrekord. Dennoch ist Museumssprecherin Heike Scholz mit dem Ergebnis des Vorjahres hochzufrieden. Die Große Landesausstellung „Im Glanz der Zaren. Die Romanows, Württemberg und Europa“ bis März habe dem Museum sehr gute Besucherzahlen beschert, ebenso wie die ersten Monate der Sonderausstellung „Ein Traum von Rom“ seit Oktober.

Auch die Staatsgalerie zählt mit dem Gästerückgang um 10,4 Prozent auf 221 580 den Zahlen nach zu den Verlierern. Allerdings gibt es einen Lichtblick: Die Besucherzahl der Dauerausstellung ist von 123 000 auf 133 000 gestiegen. „Dies ist uns gelungen, obwohl wir wegen der energetischen Dachsanierung mehrere Monate lang Teile der Kollektion im Altbau schließen und auf andere Räume verteilen mussten. Dies bestärkt uns darin, künftig verstärkt die Sammlung in den Fokus unserer Arbeit zu rücken“, sagt Direktorin Christiane Lange.

Besondere Einflüsse Das Staatliche Museum für Naturkunde führt den Besucherrückgang um 11 030 Besucher auf die schwere Erreichbarkeit des Schlosses Rosenstein durch die Baustellen am Rosensteintunnel und die Arbeiten für das Bahnprojekt Stuttgart 21 zurück. Auch der Besucherrückgang des Kunstmuseums von 141 200 auf 115 673 verdient eine differenzierte Betrachtung. „Wir mussten 2014 unseren Sammlungsbereich wegen Bauarbeiten am Oberlichtband auf dem Kleinen Schlossplatz komplett oder teilweise schließen“, sagt Museumssprecherin Isabel Kucher zum Rückgang um 18,1 Prozent. Außerdem sei das Jahr 2013 mit den Ausstellungen zu Otto Dix und Willi Baumeister eines der erfolgreichsten des Museums gewesen.

Als echter Verlierer muss sich das Schweinemuseum mit seinen 50 000 Exponaten fühlen. Es verzeichnet mit einem Minus von 24,4 Prozent den stärksten Besucherrückgang im Jahr 2014.

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