Ein Wasserspeier der sogenannten Pappelvilla in Grunbach Foto: Gottfried Stoppel

Eine neue Dauerausstellung im Museum Remshalden macht die Geschichte der heutigen Teilorte anschaulich.

Remshalden - Das Museum Remshalden hat das schier Unmögliche möglich gemacht: In einer neuen Dauerausstellung können die Besucher in die Geschichte aller fünf Ortsteile der Gemeinde eintauchen, können etwas erfahren über die Anfänge von Buoch, Hebsack, Gerad­stetten, Grunbach und Rohrbronn. „Es war eine große Herausforderung, jedem gerecht zu werden“, sagt Renate Winkelbach. Die ehemalige Kreisarchivarin hat die Dauerausstellung konzipiert, hat sie mit Unterstützung des Museumsvereins und der Gemeinde umgesetzt – insgesamt liegen die Kosten bei etwa 40 000 Euro.

Eine Gesamtschau gab es bisher noch nicht

Obwohl die fünf ehemals selbstständigen Ortschaften jetzt auch schon seit 44 Jahren zusammengehören, wird mit der Ausstellung Neuland betreten: „Fünf unter einem Dach, das gab es vermutlich noch nie“, sagt Winkelbach. Zwar hat jeder Teilort seine Heimatforscher, aber eine gemeinsame Schau gab es bisher nicht – und schon gar keine, die auch versucht, die verbindenden Elemente zwischen den Ortschaften darzustellen. Mehr als ein schönes Detail ist es da, dass sich die Ausstellung tatsächlich direkt unter dem Dach des Museums in Grundbach befindet.

Zu jeder Ortschaft gibt es zwei große Tafeln, auf denen die politische und kirchliche Geschichte dargestellt wird. Die beiden großen Orte Geradstetten und Grunbach haben zudem noch eine dritte Tafel bekommen, auf der jeweils eine geschichtliche Besonderheit herausgegriffen wird: In Geradstetten sind es die Höfe, die teilweise unwiederbringlich während des 30-jährigen Krieges zerstört wurden. In Grunbach sind es die auffallend großbürgerlichen und prächtigen Gebäude – davon zeugt zum Beispiel ein außergewöhnlicher Wasserspeier in der Ausstellung.

Die Mitte der neuen Schau ist dem verbindenden Element gewidmet, „und das ist der Obst- und Weinbau“, erläutert Renate Winkelbach. Dieser Teil, aber auch die ortsspezifischen Module leben von Exponaten und Inszenierungen. „In Grunbach gab es einen sehr regen Heimatforscher, der viel gesammelt hat. In anderen Ortsteilen war es teilweise ziemlich schwierig mit Fundstücken“, berichtet Irmgard Fischer vom Museumsverein.

Einige Hingucker

Trotzdem sind einige Hingucker zusammengekommen. So wie etwa der obere Teil der ehemaligen Geradstettener Kirchturmuhr, eine Nachbildung einer versteinerten Keuperschildkröte, deren Überreste bei Grunbach gefunden wurden, eine Speerspitze, die vermutlich aus dem 30-jährigen Krieg stammt oder Stühle des Gemeinderats aus dem 18. Jahrhundert. Und das evangelische Liedbuch von 1595, das aus der Dionysiuskirche stammt und eine Dauerleihgabe des landeskirchlichen Archivs ist. „Man muss sich mal vorstellen, dass dieses Buch den 30-jährigen Krieg überstanden hat. Spannend finde ich auch, dass die Liedtexte viel intensiver und inbrünstiger waren“, sagte Winkelbach.

Auf einer Seite der Ausstellung geben zudem Wohngegenstände einen Einblick in den Alltag von früher. Einen tollen Einblick in frühere Zeiten bekommen die Besucher auch an dem Touchscreen-Bildschirm, der zu Spaziergängen durch die Ortsteile einlädt. Gezeigt werden Bilder, auch von Festzügen, Hochzeiten oder Feuerwehrübungen. „Wir arbeiten daran, dass es zudem an jeder Station ein Tablet gibt, an dem man noch mehr ins Detail gehen kann. Zudem wollen wir auch eine Spur für Kinder einrichten“, erläutert Irmgard Fischer. Sie ist sehr glücklich, dass nun mit dieser Dauerausstellung das Museum Remshalden komplett ist. Und Renate Winkelbach verbindet mit der Ausstellung einen großen Wunsch: „Ich hoffe, dass die Besucher sich nicht nur ihren eigenen Ortsteil anschauen, sondern auch mehr Kenntnisse über die Geschichte der anderen Ortsteile bekommen.“

Die neue Dauerausstellung zur Ortsgeschichte wird am Sonntag, 15. April, um 14.30 Uhr im Museum Remshalden, Schillerstraße 48, eröffnet.

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