Auf den Tablets kann man sich historische Dokumente anzeigen lassen. Foto:  

Mit Technik durch die Geschichte: Im Museum Remshalden wird die Ausstellung zur Ortsgeschichte seit einigen Monaten durch Tablets ergänzt. Noch wird das Angebot eher zögerlich wahrgenommen

Remshalden - Herbert Weinschenk richtet das Tablet auf den QR-Code an einer der Infotafeln. Schon erscheint eine alte Schwarzweiß-Filmaufnahme auf dem Bildschirm. „Der Platz hier in der Ausstellung ist begrenzt, aber da drin ist er unbegrenzt“, sagt Renate Winkelbach, die wie Weinschenk Mitglied im Museumsverein Remshalden ist, und deutet auf das Tablet.

Seit April vergangenen Jahres gibt es im Dachgeschoss des Museums Remshalden eine Dauerausstellung zur Ortsgeschichte mit Alltagsgegenständen und Infotafeln voller Texte und Bilder. Doch das ist nicht alles, was der Museumsverein an historischen Schätzen zu bieten hat. Unzählige weitere Fotos, Filmaufnahmen, Videos mit Zeitzeugen-Interviews und Audiodokumente warten darauf, der Öffentlichkeit präsentiert zu werden. Deshalb hatte Renate Winkelbach, die die Dauerausstellung konzipiert hat, schon vor längerer Zeit den Wunsch, diese multimedial zu ergänzen. „Das war aber zunächst unerschwinglich“, berichtet sie.

Alles ehrenamtlich

Doch dank der technischen Entwicklungen der vergangenen Jahre und der Unterstützung von Sponsoren haben die Verantwortlichen inzwischen eine Lösung gefunden: Seit einigen Monaten können sich Besucher des Museums Remshalden Tablets ausleihen und mit ihnen durch die Ausstellung gehen. Über das hauseigene WLAN erhalten sie mithilfe der QR-Codes an den Infotafeln weitere Informationen – etwa Fotos, Filme oder Tondokumente – auf das Gerät. „Mit dem eigenen Smartphone funktioniert es aber nicht“, sagt Weinschenk. Man habe sich auch aus Sicherheitsgründen für ein geschlossenes WLAN-Netz entschieden.

Alles in allem kostete das Projekt rund 5000 Euro. Weil die ganze Arbeit ehrenamtlich erledigt worden sei, beinhalte diese Summe praktisch keine Personalkosten, erklärt Irmgard Fischer, die Vorsitzende des Museumsvereins. Die größte Herausforderung bei der Umsetzung sei der hohe Zeitbedarf gewesen, sagt Herbert Weinschenk, der sich um die technischen Details gekümmert hat: „Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem Sie nicht dran sind, zumindest gedanklich.“ Etwa eineinhalb Jahre habe er sich damit beschäftigt.

Immer wieder neue Inhalte

Viel Zeit hat auch Monika Lang in das Projekt gesteckt: Sie ist dabei, die Texte der Ausstellung nach und nach ins Englische zu übersetzen – dass sie zweisprachig aufgewachsen ist, prädestiniert sie dafür. „Und weil ich echt Interesse an Geschichte habe“, sagt sie. Noch liege allerdings einiges an Arbeit vor ihr. Trotzdem: „Ich freue mich schon darauf“, sagt Lang. Mit den Tablets werde das Museum gerade für jüngere Besucher interessanter – insbesondere durch die Zeitzeugenvideos. „Ich sehe bei meinen eigenen Kindern, wie sehr sie sich für die Geschichten aus der Kindheit ihrer Großeltern interessieren“, so Monika Lang.

Ein Vorteil der Tablets ist es aus Sicht der Verantwortlichen auch, dass man Anregungen der Besucher leicht aufnehmen und umsetzen kann – „hat man das System einmal angeschafft, kann man die Inhalte beliebig erweitern“, erläutert Weinschenk. Deshalb sei geplant, die Auswahl an Fotos, Filmen oder Tonaufnahmen auf den Tablets immer wieder zu verändern. „Wenn jemand sagt ‚In der Ausstellung hab ich doch schon alles gesehen’ können wir sagen ‚Nein, Sie haben noch nicht alles gesehen’“, ergänzt Renate Winkelbach.

Werbung für die Technik

Bislang seien die Museumsbesucher jedoch recht zögerlich in der Nutzung des neuen Angebots, haben die Mitglieder des Museumsvereins beobachtet. „Da gibt es noch gewisse Berührungsängste“, sagt Weinschenk. Deshalb werde man unter anderem beim Zehn-Jahr-Jubiläum am Sonntag Werbung für die Tablets machen

Tag der offenen Tür
: Das Museum Remshalden feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen und lädt daher zusammen mit der Gemeinde am Sonntag, 8. September, von 14 bis 17 Uhr zum Tag der offenen Tür in die Schillerstraße 48 nach Remshalden ein.

Programm
: Nach einem Grußwort von Bürgermeister Reinhard Molt und einem Rückblick durch die Vorsitzende des Museumsvereins, Irmgard Fischer, informiert ab 15 Uhr im Erdgeschoss Hermann Kull über die Wirtschaftsgeschichte. Um 16 Uhr stellt Herbert Weinschenk die neuen Tablets vor. Für Kinder startet um 15.30 Uhr eine Geschichtsrallye. Im Dachgeschoss können sich Besucher Filme aus dem Zeitzeugenarchiv ansehen und im Treppenhaus präsentiert sich der Museumsfundus. Kaffee und Kuchen gibt es im Hof.

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