Fast alle großen Museen Baden-Württembergs müssen saniert werden. Was heißt das fürs Publikum und vor allem: Was kostet das?
Ob das Dach saniert oder eine neue Heizung eingebaut wird – in Wohnhäusern können Sanierungen oft in bewohnten Bereichen vorgenommen werden. In Museen ist die Sache diffiziler. Bevor Dach oder Klimaanlage erneuert werden können, müssen die Ausstellungsobjekte ausziehen, weil Feuchtigkeit, Staub und Erschütterungen Kunst und Kulturgegenstände gefährden. Deshalb sind die aktuellen Sanierungsprojekte in den diversen Museen in Baden-Württemberg komplex. Was wird wo getan?
Was ist geplant?
Nach mehr als vierzig Jahren Betrieb muss die Neue Staatsgalerie von James Stirling saniert werden – und dabei deutlich energieeffizienter werden. Dazu müssen die Gebäudehülle isoliert und die Glasdächer und technischen Anlagen erneuert werden. Außerdem sollen Schäden an der Fassade denkmalgerecht behoben werden. Im Innern wird in erster Linie die Beleuchtung angepasst. Die grünen Böden bleiben ebenso erhalten wie die sanitären Anlagen, die bereits 2024 erneuert wurden.
Während der Schließzeit soll die Alte Staatsgalerie als Ausweichquartier dienen, wozu sie ab 2027 teils geschlossen und vorbereitet wird. Der Altbau wird seit 2015 sukzessive ertüchtigt. Die Glasdächer sind schon saniert, bis 2028 soll der Bau komplett energetisch optimiert sein. Der Steib-Bau ist von der Sanierung nicht betroffen.
Wie ist der Zeitplan?
2028 wird mit der Sanierung des Verwaltungsbaus begonnen, danach folgt der Museumsbereich. Im Moment geht man von einer Bauzeit von rund sechs Jahren aus und soll der Stirling-Bau zum 50-jährigen Jubiläum 2034 wieder eröffnen. Das hängt allerdings auch davon ab, ob die Mittel im Haushalt entsprechend zur Verfügung gestellt werden können.
Wie hoch sind die Kosten?
Aufgrund der frühen Planungsphase können aktuell keine Kosten genannt werden. Die Finanzierung erfolgt durch das Land.
Was heißt das fürs Publikum?
Die Staatsgalerie wird nie komplett geschlossen sein. Während der Schließzeit des Stirling-Baus bleibt die Alte Staatsgalerie geöffnet, außerdem werden ab 2027 Ausstellungen im Kunstgebäude gezeigt.
Kunsthalle Karlsruhe
Was ist geplant?
In der denkmalgeschützte Kunsthalle Karlsruhe kamen diverse Probleme zusammen: Fassaden und Dächer hatten schwere Schäden durch Feuchtigkeit. Brandschutz-, Sicherheits- und Museumstechnik waren veraltet, außerdem waren die konservatorischen Bedingungen für die Werke nicht ausreichend. Die Räume der Kunsthalle waren zudem nicht barrierefrei und der Rundgang verwirrend.
Die ohnehin aufwendige Sanierung wurde zum Anlass genommen, das Museum zu optimieren: Der Innenhof wird überdacht, sodass eine große Eingangshalle entsteht. Es ist noch ein Erweiterungsbau vorgesehen: eine Kunsthalle der Gegenwart, in der auch Bibliothek, Kupferstichkabinett, Papierrestaurierung und Verwaltung einziehen sollen, weil diese Bereiche im Hauptbau keinen Platz haben.
Wie ist der Zeitplan?
2021 wurde die Kunsthalle Karlsruhe geschlossen. Allein der Umzug in die Interimsgebäude dauerte mehr als ein Jahr. Die Bauzeit des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes ist auf fünf Jahren angesetzt. Nach einer längeren Einregulierungsphase kann das Museum eingerichtet und der Einzug der Werke beginnen. Insgesamt wird mit einer Schließzeit von neun Jahren gerechnet.
Wie hoch sind die Kosten?
Die Gesamtbaukosten sind mit 118,4 Mio. Euro angesetzt, Bauherr ist das Land Baden-Württemberg.
Was heißt das fürs Publikum?
Die wichtigen Werke der Sammlung der Kunsthalle Karlsruhe sind im ZKM zu sehen. Am 29. November wird die sanierte Orangerie auch wieder in Betrieb genommen für Sonderausstellungen. Die Kunsthalle selbst soll 2030 neu eröffnet werden.
Kunstmuseum Stuttgart
Was ist geplant?
An dem 2005 eröffneten Kubus werden einerseits Energiespar-Maßnahmen vorgenommen und sämtliche Leuchtstoffröhren durch LED-Technik ersetzt, wozu auch die Steuerung der Beleuchtung ausgetauscht werden muss. Um die Sicherheit zu erhöhen, wird die Alarmanlage auf den neuesten Stand gebracht, außerdem will man weitere Kameras installieren. Da einige Abwasserleitungen des Kleinen Schlossplatzes, die durch die Ausstellungsräume im Untergeschoss laufen, verschlissen sind, müssen sie erneuert werden. Außerdem wird das Parkett abgeschliffen und instand gesetzt.
Wie ist der Zeitplan?
Am 13. April 2026 wird zugesperrt. Sobald sämtliche Werke aus den Ausstellungsräumen entfernt wurden, können die Arbeiten beginnen, wobei der Zeitplan eher eng getaktet ist. Wiedereröffnung soll Anfang 2027 sein.
Wie hoch sind die Kosten?
Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 5,8 Millionen Euro und werden von der Stadt getragen.
Was heißt das fürs Publikum?
Am 18. April 2026, also direkt nach der Schließung des Kunstmuseums, wird im Kunstgebäude die Sonderausstellung „Das kalte Herz“ eröffnen.
Badisches Landesmuseum im Karlsruher Schloss
Was ist geplant?
Die Sanierung des Karlsruher Schlosses war längst überfällig, weil die technische Ausstattung veraltet war und die klimatischen Bedingungen nicht mehr den konservatorischen Anforderungen entsprachen. Neben einer umfassenden energetischen Ertüchtigung werden Arbeitsschutz und Brandschutz auf den aktuellen Stand gebracht, außerdem wird das Museum im Karlsruher Schloss barrierefrei.
Wie ist der Zeitplan?
Das Schloss wurde am 29. September geschlossen, seither läuft der Auszug. Die reine Bauzeit wird auf sechs bis sieben Jahren geschätzt und soll voraussichtlich 2028 beginnen. Informationen über die gesamte Schließzeit wird es erst im kommenden Jahr geben.
Wie hoch sind die Kosten?
Da derzeit die Vorplanung für die Sanierung und die Umstrukturierung des Badischen Landesmuseums im Karlsruher Schloss erfolgt, werden erst im kommenden Jahr belastbare Baukosten genannt werden können. Für die Planung und die Vorabmaßnahmen sind im Staatshaushalt 21,5 Millionen Euro eingestellt. Die Finanzierung erfolgt durch das Land.
Was heißt das fürs Publikum?
Das Badische Landesmuseum hat Unterschlupf in der Kunsthalle Baden-Baden bekommen, wo man ab Juni 2026 Sonderausstellungen aus den Sammlungsbeständen zeigen wird. In Karlsruhe sind weiterhin das Museum beim Markt und das Museum in der Majolika zugänglich. Weitere Standorte des Badischen Landesmuseums sind das Deutsche Musikautomaten-Museum in Bruchsal oder das Keramikmuseum in Staufen.
Museum Ulm
Was ist geplant?
Umfassende Mängel, die die Sicherheit von Museumsteam, Publikum und Kunstwerken gefährdeten, machten eine Generalsanierung notwendig. Von den sieben Gebäudeteilen am Ulmer Marktplatz sind vier Gebäude betroffen, wobei das Eingangsgebäude abgerissen und durch einen Neubau mit Passivhaus-Klimastandard des Schweizer Architektenbüros Max Dudler ersetzt wird. Die Maßnahmen sind vielfältig: Die Gebäude werden energetisch ertüchtigt, Brandschutz und Fluchtwege neu geplant und marode Deckenbalken repariert. Die archäologische Dauerausstellung wird barrierefrei und die Restaurierungsabteilung für das Arbeiten mit Chemikalien ausgerüstet.
Wie ist der Zeitplan?
Bevor saniert werden konnte, wurde 2019 ein zentrales Depot in Betrieb genommen. Das Museum selbst wurde im April 2023 geschlossen. Ende 2026 soll die neue Sammlungspräsentation Archäologie eröffnet werden, die komplette Wiedereröffnung ist für Ende 2029 vorgesehen.
Wie hoch sind die Kosten?
Das Kosten für alle Maßnahmen ist auf 12,9 Millionen Euro angesetzt. 5,8 Millionen Euro kommen vom Bundesförderprogramm zur Sanierung kommunaler Kultureinrichtungen, den Rest übernimmt die Stadt Ulm.
Was heißt das fürs Publikum?
Da Zweidrittel des Museums um- oder neu gebaut wird, musste das Museum Ulm komplett geschlossen werden. Es macht derzeit in der benachbarten Kunsthalle Weishaupt Ausstellungen. Der Ausstellungsbetrieb im HfG-Archiv läuft wie gewohnt weiter.