Weltmeister Frank Stäbler beim Training mit Kindern in der vergangenen Woche. Die kleinen KSV-Ringer sind längst zwischen die Fronten geraten. Und der TSV-Vorstand hat mit dem Entzug der Vereinsmitgliedschaft für einige Erwachsenen nun die nächste Eskalationsstufe eingeläutet. Foto: Caroline Holowiecki

Seit Jahren zanken TSV und KSV unter anderem um Trainingszeiten in Musberg. Undurchsichtig macht den Zoff die Doppelmitgliedschaft vieler Ringer. Nun beklagen die KSV-Ringer, sie würden vom TSV ausgeschlossen. Der TSV kontert.

Musberg - Im Musberger Ringer-Streit scheint die nächste Runde eingeläutet. So jedenfalls stellen es Vorstandsmitglieder des KSV dar. Seit sich der Kampfsport- vom Turn- und Sportverein vor Jahren losgesagt hat, wird gezankt. Es geht um Finanzen, Feindschaften und Prinzipien. Und es geht darum, wer wann in die Halle darf. Nachdem die Stadt dem TSV als Mieter die Schlüsselgewalt für die Halle übertragen hatte, hat der die Abtrünnigen nämlich ausgesperrt.

Die Stadt wiederum hatte im Sommer nach einem Bekenntnis der TSV-Mitglieder zu einem eigenen Ringer-Angebot eine Belegungskonzeption eingefordert und derweil verfügt, dass bis 15. Dezember der dreifacher Weltmeister Frank Stäbler sowie die KSV-Ringerjugend an zwei Abenden in der Woche weitertrainieren dürfen. Die Konzeption ist längst im Haus, doch noch vor Ablauf der Frist im Dezember hatte die Stadt ein Machtwort gesprochen: Frank Stäbler und die KSV-Jugendlichen dürfen dauerhaft bleiben, weil „kein wirkliches Bemühen zu einer Lösung beider Vereine“ erkennbar sei. Für die Stadtverwaltung sei damit das letzte Wort gesprochen. Und dies, obwohl der OB Roland Klenk dem TSV noch Ende September per Mail versichert hatte, dass nach Ablauf der Frist „der TSV Musberg zur alleinigen Belegung der Räume befugt“ ist. Den TSV macht das Hü und Hott stinkig. „Die Stadt soll sich nicht in unsere Hallenbelegung einmischen, das geht die gar nichts an“, entfährt es dem Vorsitzenden Joachim Beckmann. Durch die KSVler seien nun Räume blockiert, sodass der TSV nicht sein eigenes Ringer-Konzept entwickeln könne, moniert er, zudem finde man keine Trainer, weil der KSV dem eigenen Personal eine Kooperation mit den Verfeindeten untersage. „Wir sind sportlich gesehen ausgesperrt“, findet Beckmann. Hinzu kommt: Etliche Ringer verweisen auf ihre Doppelmitgliedschaft in beiden Vereinen und begründen so ihr Recht auf Übungszeiten. Der KSV-Vorsitzende Andreas Stäbler sieht sich und seine Mitglieder im Recht, „weil wir Beitrag zahlen und weil es dort eine Abteilung gibt“.

Wurden Mitgliedschaften entzogen?

Damit könnte nun Schluss sein. Wie der KSV-Vorstand in einem offenen Brief an die Stadträte sowie den OB Klenk und den Bürgermeister Kalbfell darlegt, „hat der TSV Musberg im Dezember 2018 mehrere ehrenamtlich tätige Mitglieder seiner Ringerabteilung – u.a. wegen deren Mitgliedschaft im KSV – aus dem Verein ausgeschlossen, darunter Herrn Andreas Stäbler“. Der verwendet auf Nachfrage das Wort „Säuberungsaktion“. Hans-Ulrich Vollmer, ebenfalls Vorstandsmitglied beim KSV, betont, dass auch ihm die TSV-Mitgliedschaft entzogen worden sei. Beckmann will sich nicht zum, wie er sagt, laufenden internen Verfahren äußern. „Wir haben uns mit einigen Personen beschäftigt“, räumt er ein, entschieden sei indes noch nichts.

Frieden ist jedoch nicht in Sicht. Joachim Beckmann will seine Interessen durchsetzen und, bis auf Frank Stäbler, alle KSV-Sportler raushaben, „das greift in die Autonomie des Vereins ein. Mir tun die Kinder auch leid, aber wir haben sie nicht rausgenommen“. So zeichneten sich durch die in seinen Augen unrechtmäßige Belegung der Räume bereits ein Engpass in der Faschingszeit ab.

Eine Besprechung zwischen Beckmann und Klenk fiel in der vergangenen Woche kurzfristig aus. Neuer Termin: 12. Februar. Der KSV-Vorstand macht derweil in seinem Brief an den Gemeinderat Druck. Der erfolgreiche Club stehe „nach über 100 Jahren vor dem Aus, wenn den Sportlern des KSV Musberg dauerhaft die Trainingsmöglichkeiten verwehrt werden“.

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