Theatermacher Ludwig Holzer auf der Bühne in der Friedenau im Stuttgarter Osten Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Ludwig Holzer von der Vereinigung Stuttgarter Mundarttheater über die ersten Mundarttheatertage in der Stadt und warum die Bühnenstücke auch für Nichtschwaben geeignet sind.

Stuttgart - - Herr Holzer, beim Eröffnungsabend der Mundarttheatertage ist eine Stunde für Grußworte eingeplant. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen das Publikum wegschläft, bevor es losgeht?
(Lacht) Ich hoffe nicht. So was gehört halt dazu. Aber ich nehme an, die Leute fassen sich kurz.
Die Veranstaltung wird von der Stadt gefördert. Geht es den Stuttgarter Mundarttheatern so schlecht?
Würde ich so nicht sagen. Bisher wurden die Mundarttheater gar nicht oder nur wenig von der Stadt subventioniert. In der Hauptsache haben wir uns zur Vereinigung der Mundarttheater zusammengeschlossen, um mehr beachtet zu werden. Das hat sich jetzt dank des Zusammenschlusses geändert. Wir sind der Stadt Stuttgart dankbar dafür.
Und nun machen sechs Bühnen gemeinsame Sache, die früher konkurrierten?
Konkurrieren klingt so hart. Im Grunde ist es so, dass jede der Bühnen ihren eigenen Stil hat. Durch die Mundarttheatertage hoffen wir, einfach mehr Gehör zu finden. Wir ­haben sämtliche Mundartbühnen in der Stadt gefragt. Die, die mitmachen wollten, sind dabei.
Hört sich so an, als hätten es die Mundartbühnen in der Stadt nicht leicht.
Das haben sie auch nicht. In einer Stadt wie Stuttgart mit diesem gewaltigen Kultur- und Veranstaltungsangebot muss jeder kämpfen.
Wie schaut es mit dem Bühnennachwuchs aus?
Ein schwieriges Kapitel.
Weil viele Junge keine Mundart sprechen?
Das ist sicher ein Grund. Ein anderes Problem ist, dass sich viele junge Leute nicht mehr auf lange Zeit verpflichten wollen. Aber das muss man beim Theater. Wenn man mitspielt, muss man es richtig machen. Wir vom Stuttgarter Komödle arbeiten beispielsweise mit zwei Ensembles, das bedeutet pro Spielzeit für jede Gruppe rund 25 Auftritte – ganz abgesehen von der Zeit, die für die Proben draufgeht. Aber manchmal hat man dann doch Glück. Ich konnte für uns einen 24-jährigen jungen Mann gewinnen.
Ein schönes, aber sehr zeitintensives Hobby und nicht immer leicht, da man ja auch noch ein Privatleben hat.
Klar, man muss, wie gesagt, mit Leib und Seele dabei sein, sonst kann man es vergessen. Wenn einen das Theatervirus packt, kommt man davon nicht mehr los. Gut ist,wenn der Partner das gleiche Hobby teilt.
Wie kamen Sie zum Theater?
Durch eine Arbeitskollegin. Bei einem Stück sind Leute abgesprungen, da hat sie mich angesprochen. Das war Mitte der achtziger Jahre. Ich hatte das letzte Mal in der Schule Theater gespielt. So kam ich zum Renninger Naturtheater und lernte Werner Johst kennen, einen echten Theaterprofi, der einst mit Horst Tappert und Ingrid van Bergen auf der Schauspielschule war. Er ist inzwischen 86 und führt heute noch bei uns Regie. Mir wurde die Theaterleidenschaft wohl von meiner Mutter in die Wiege gelegt.
Wie läuft es mit dem Kartenvorverkauf für die Mundarttheatertage?
Bisher gut. Aber wir haben auch soziale Preise, verstehen das Ganze, wie gesagt, als Werbemaßnahme – für die Theater und die schwäbische Sprache. Eine Einzelkarte kostet 8 Euro, eine Dreitageskarte 15 Euro.
Sie sind gleich in zwei Rollen zu sehen.
Stimmt. Am Eröffnungsabend trete ich in „Landeier“ auf. Es geht um drei Bauern, die eine Frau suchen, also eine Art „Bauer sucht Frau“ für die Bühne. Ich spiele einen der Jungbauern, das heißt, ich muss mich etwas verjüngen.
Und das zweite Stück?
Da stehe ich als Räuber Hotzenplotz auf der Bühne. Eine tolle Sache. Wir haben im Stuttgarter Osten auch ein Kindertheater, die Stuttgarter Strolche. Das ist was ganz Besonderes, denn da spielen Kinder für Kinder. Oft sind die Kinder, wenn sie mit dem Theaterspielen anfangen, ganz schüchtern, sie wachsen an ihren Theaterrollen und bekommen mit der Zeit viel Selbstbewusstsein.
Ist der „Hotzenplotz“ auf Schwäbisch?
Nein, leider nicht. Aber wir flechten natürlich ein paar schwäbische Sprüche ein. Die wenigsten Kinder in der Stadt können noch Mundart sprechen.
Wenn jüngere Leute im Publikum sitzen, müssen Sie dann mit Übersetzer arbeiten?
Nein. Die Jungen sprechen kaum Schwäbisch, aber sie verstehen es noch. Zu uns ins Theater kommen auch Firmen, wo Leute aus ganz Deutschland im Publikum sitzen. Da sind immer ein paar nette Kollegen dabei, die die schwierigen Passagen übersetzen.
„Landeier“ ist im Ursprung auch kein schwäbisches Stück.
Stimmt, bayerische und norddeutsche Stücke gibt es etliche. Bei schwäbischen wird es enger. Wir haben „Landeier“ für unsere Zwecke umgeschrieben. Das heißt, umgeschrieben trifft es nicht ganz. Wir übersetzen bei den Proben den Text aus dem Stegreif ins Schwäbische.
Hört sich professionell an.
Ich denke, das können wir ganz gut. Keine Frage, wir sind zwar keine Profis, aber Laien sind wir auch keine mehr.
Sie hatten mal einen Beruf, da spielte die Schauspielerei auch eine gewisse Rolle.
Stimmt, ich war Kaufhausdetektiv. Da kam mir die Schauspielerei wirklich zugute.

Zur Person: Ludwig Holzer

1952 in Oberndorf am Neckar geboren. Nach der Schule Ausbildung als Starkstrom­elektriker beim Waffenhersteller Mauser.

1971 Grundwehrdienst bei der Bundeswehr. Arbeitet danach als Elektriker beim Reinigungshersteller Böwe in Augsburg, dann beim Versandhaus Quelle. Schult in der Abendschule auf Privat- und Warenhaus­detektiv um. In dem Beruf arbeitet er zwölf Jahre als Kaufhausdetektiv in der Kaufhalle in der Stuttgarter Schulstraße. Die letzten Berufsjahre ist er Hausmeister für ein Wohnungsbauunternehmen in Bad Cannstatt.

Leitet das Stuttgarter Komödle, das regel­mäßig in der Friedenau in Ostheim auftritt. 2008 gründet er mit Corinna Steinke das Kindertheater Stuttgarter Strolche.

Das Programm der Stuttgarter Mundarttage

Sechs Stuttgarter Mundartbühnen machen erstmals gemeinsame Sache und sind am kommenden Wochenende mit ihren ­Stücken bei den ersten Schwäbischen ­Mundarttheatertagen zu sehen. Das ­Programm geht im Bürgersaal des Kultur- und Sportzentrums Münster, Moselstraße 25, über die Bühne.

Freitag, 25. September: Nach den Grußworten der Bundestagsabgeordneten Karin Maag (CDU), der Kulturamtsleiterin Birgit Schneider-Bönninger und anderen (ab 19 Uhr) eröffnet um 20 Uhr das Stuttgarter Komödle mit „Landeier“ die Veranstaltung.

Samstag, 26. September, 15 Uhr: Das Kindertheater Stuttgarter Strolche aus ­Ostheim zeigt „Räuber Hotzenplotz“. 17.30 Uhr: Das Neugereuther Theäterle bringt den Schwank „Alter schützt vor ­Torheit nicht“. 20 Uhr: Das Boulevärle aus Münster zeigt den Komödienklassiker „Das Stewardessenkarussell“.

Sonntag, 27. September, 15 Uhr: Die ­Freilichtspiele Mühlhausen führen „Das Fest­komitee“ auf, einen Schwank von Erich Koch. Das Finale bestreiten ab 18 Uhr ­D’Scheureburzler, die aus der Fasnetzunft Kübelesmarkt Bad Cannstatt hervorgegangen sind, mit der Sketch-Produktion „Schwäbisches Allerlei“.

Karten für die Veranstaltungen gibt es bei der Vereinigung ­Stuttgarter Mundarttheater im Internet auf www.stuttgart-vsm.de oder unter Telefon 07 11 / 53 51 25. (StN)

 
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